Da Gott alle seine Schäfchen liebt – egal wie sie aussehen, lässt sich Kloster-Fotograf Wunibald Wörle auch selbst bereitwillig ablichten.
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Da Gott alle seine Schäfchen liebt – egal wie sie aussehen, lässt sich Kloster-Fotograf Wunibald Wörle auch selbst bereitwillig ablichten.

Einmal vor der Kamera

Bitte recht freundlich, ihr Fotografen!

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Andere ins rechte Licht zu rücken, ist ihr Job. Doch was, wenn Fotografen selbst vor die Linse sollen? Profis und ambitionierte Laien aus dem Landkreis erzählen, warum sie sich auch vor der Kamera wohl fühlen – oder eben nicht.

Landkreis – Beim Essen sollte man Peter Weber nicht mit der Kamera auf die Pelle rücken. Denn während der Nahrungsaufnahme möchte der langjährige Tagblatt-Fotograf grundsätzlich nicht abgelichtet werden. „Da sieht man meistens ziemlich blöd aus“, sagt der 64-Jährige. Ansonsten aber hat Peter Weber kein Problem, auch mal vor der Linse zu stehen.

Nur beim Essen darf man ihn auf keinen Fall abbilden: Tagblatt-Fotograf Peter Weber. „Da sieht man meistens ziemlich blöd aus.“

Eine Verweigerung hätte auch wenig Sinn gemacht. Über 20 Jahre war Peter Weber Vorsitzender der Faschingsfreunde Fürstenfeldbruck. „Aus dieser Zeit gibt es viele Fotos von mir – mal elegant im Anzug, mal beim Blödeln auf der Bühne.“ An eines kann sich der Profi-Fotograf noch gut erinnern: Bei einem Termin fürs Tagblatt traf er bei einer Vernissage den Künstler Peter Weber. Spontan machten die beiden Webers ein Selfie – mit der gut drei Kilo schweren Profi-Kamera des Fotografen-Meisters. Weber hat einen klaren Standpunkt: „Wenn ich will, dass sich andere Leute von mir fotografieren lassen, dann muss ich auch selber dazu bereit sein.“

So oft wie Peter Weber ist Vera Greif nicht auf Fotos zu sehen. Die Germeringerin ist seit rund 30 Jahren professionelle Fotografin, 25 Jahre hat sie fürs Tagblatt den Landkreis auf Bilder gebannt. „Es gibt nicht viele Fotos, auf denen ich bin“, sagt Vera Greif und fügt gleich hinzu: „Weil ich ja meistens selbst fotografiere.“

Auch weil Schnappschüsse oft nicht sehr schmeichelhaft sind, lässt sich Profi-Fotografin Vera Greif selbst eher selten fotografieren.

Auf der Speicherkarte gebannte Bilder sind für sie auch etwas sehr Intimes. „Mit einem Foto kann man die Stimmung eines Menschen sehr gut einfangen.“ Vera Greif kann dafür auf eine fundierte Ausbildung und Jahrzehnte lange Erfahrung zurückgreifen. Laien können das nicht. Mit dem Wissen, wie professionelle Fotos entstehen und aussehen, werde man noch kritischer. Vera Greifs Fazit: „Auf Schnappschüssen sieht man meist blöd aus.“ Und die Germeringerin gesteht: „Ein bisschen eitel bin ich auch.“

Das kann Wunibald Wörle nicht von sich behaupten. Er lebt seit Jahren als Mönch im Kloster St. Ottilien bei Geltendorf. Und weil der liebe Gott bekanntlich alle seine Schäfchen – unabhängig vom Aussehen – liebt, lässt sich der Kloster-Fotograf auch selbst bereitwillig ablichten. „Ich wurde schon als Kind öfter fotografiert – zum Beispiel bei einer Wanderung auf den Predigtstuhl“, sagt Bruder Wunibald.

Trotzdem ist es ihm lieber, hinter der Kamera zu stehen. Mit seiner Lumix zieht Wörle immer wieder über und um das Kloster-Areal und findet regelmäßig spektakuläre Motive. Einige seiner Bilder schaffen es auch immer wieder als Leserfotos ins Brucker Tagblatt.

Hält sich mit klugen Ratschlägen zurück, wenn er selbst vor der Kamera steht: Anton Fasching, Sprecher der Fotogruppe Mammendorf.

Den selben Weg finden auch die Aufnahmen von Anton Fasching. Er ist Sprecher der Fotogruppe Mammendorf, knipst seit gut 50 Jahren und wird auch immer mal wieder selbst ins rechte Licht gerückt. „Ich bin nicht so eitel – auch wenn meine Frau manchmal etwas anderes meint“, sagt Anton Fasching und lacht.

Ganz davor drücken könnte er sich ohnehin nicht. Er ist Kulturreferent des Mammendorfer Gemeinderats. Und da stehen schließlich immer wieder offizielle Fototermine an. Auf den Auslöser drückt dann oft ein Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. Anton Fasching hält sich dann zurück mit Ratschlägen, wie das Bild gut gelingen könnte. „Ich will nicht den Lehrer spielen und andere bevormunden.“

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