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BMW baut Tagungszentrum auf Fursty

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Von: Stefan Reich

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BMW
BMW © dpa / Alexander Heinl

Die Stadt und BMW haben einen Kompromiss für das Fliegerhorst-Areal gefunden. Ein neues Tagungszentrum des Autobauers soll den Lärmschutz für die Wohnungen garantieren, die die Stadt bauen will.

Fürstenfeldbruck – Einige Stadträte wollten BMW am liebsten gar nicht auf dem Fliegerhorst haben, zumindest nicht mit einem lauten Fahrtrainings-Zentrum, das die Möglichkeiten zum Wohnungsbau auf dem Gelände deutlich einschränkt. Doch obwohl das Unternehmen seine Aktivitäten in der Zukunft noch ausweiten will, ist die Kritik verstummt. Denn der Autobauer akzeptiert offenbar die Bedingungen, die der Stadtrat an seine Zustimmung zu einem Kompromiss geknüpft hatte. Die Stadt kann nun ihre Planungen für die Zeit nach dem Bundeswehr-Abzug vorantreiben.

Den ausgehandelten Entwurf für einen städtebaulichen Vertrag hat der Konversionsausschuss in der vergangenen Woche in einer nicht-öffentlichen Sitzung abgesegnet. Am vergangenen Dienstag beschloss dann der Stadtrat die Aufstellung eines Bebauungsplans für einen Teilbereich des Fliegerhorstes. Dort soll ein sogenanntes urbanes Gebiet mit einer Mischung aus Wohnen und Gewerbe entwickelt werden. Vorgesehen ist auch ein „Sondergebiet Fahrsicherheitszentrum“ für ein Tagungszentrum von BMW, das wesentlicher Bestandteil des Kompromisses ist.

Nördlich dieses Areals nutzt BMW auf Maisacher Flur einige Hallen und das alte, militärisch bereits entwidmete Flugfeld für Fahrtrainings. Der Lärm, der von den Autos ausgeht, ließ den Bau von Wohnungen in der direkten Nachbarschaft bislang rechtlich quasi unmöglich erscheinen. Dass BMW seine Aktivitäten in Zukunft noch in Richtung Süden ausweiten will, erschwerte die Brucker Planungen für den Fliegerhorst zusätzlich. Doch die Chancen, BMW auf dem Rechtsweg einzuschränken, hielt die Stadtverwaltung für gering. Die Gemeinde Maisach hatte ihre Bauleitplanung für den Fliegerhorst, die die Rechtsgrundlage für BMW bilden, wesentlich früher auf den Weg gebracht.

Alle tragen den Kompromiss mit

Schon mehrfach wurde in den letzten Jahren über die Angelegenheit beraten, doch erst im Frühjahr 2018 zeichnete sich eine Lösung ab, nachdem im deutschen Baurecht 2017 die Kategorie „Urbanes Gebiet“ eingeführt worden war. In diesen Gebieten gelten tagsüber höhere Lärmgrenzwerte als in Wohn- oder Mischgebieten.

Zusammen mit abschirmenden Bauten für ein Tagungszentrum, die BMW nach dem für 2023 geplanten Bundeswehrabzug auf Brucker Flur errichten will, wären die lärmschutzrechtlichen Voraussetzungen für Wohnungsbau in einem urbanen Gebiet südlich des Flugfeldes erfüllt. In diesem Bereich des Fliegerhorstes wäre auch die Ansiedlung einiger wenig lärmintensiver Gewerbebetriebe möglich, wenn auch in geringerem Umfang als ursprünglich von der Stadt gewünscht.

Als Erich Raff (CSU) den Vorschlag im April erstmals in den Stadtrat brachte, griff nicht nur Konversionsreferent Christian Stangl (Grüne) den OB noch heftig an. Er habe das Gefühl, vor ihm sitze ein Vertreter von BMW, so Stangl damals. Er und eine Ratsmehrheit hatten damals gefordert, dass BMW sich auch vertraglich verpflichte, seine noch recht unverbindlich formulierten Vorschläge einzuhalten.

Das Unternehmen sollte sich nicht nur auf die Einhaltung bestimmter Lärmgrenzwerte festlegen, sondern auch auf einen Termin, zu dem das lärmabschirmende Tagungszentrum stehen werde. Denn erst dann wäre es im Bereich des künftigen urbanen Gebietes auch leise genug, um dort Wohnungen zu bauen. Zudem sollte BMW die Stadt von der Pflicht für die Erschließung seiner neuen Gebäude entbinden.

All das ist nun scheinbar Bestandteil des bisher nicht veröffentlichten Vertragsentwurfs, der quer durch die Fraktionen Zuspruch fand. „Wir haben bekommen, was wir wollten“, sagte Konversionsreferent Stangl. Die Hartleibigkeit gegenüber BMW habe sich ausgezahlt.

Ganz Nebenbei: Neues Bushäuserl

Wenn die Bundeswehr den Brucker Fliegerhorst räumt, beginnen für die Stadt die Kaufverhandlungen mit dem Bund. Dann müsse man Erfahrung sammeln, wie die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten, kurz Bima, so ticke, hieß es kürzlich im Konversions-Ausschuss. Einen Beitrag, der Hoffnung macht, konnte Stadtrat Georg Jakobs liefern. Er habe kürzlich bei der Bima angefragt, ob sie Grund abgebe, und die habe kurzerhand zugesagt. Auch wenn es nur um ein paar Quadratmeter für ein Bus-Häuschen an der Von-Gravenreuth-Straße ging, war das doch eine gute Nachricht angesichts der manchmal komplizierten Bima. Und die Nutzer der Linie 836, die nicht mehr im Regen warten müssen, freut’s auch.

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