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In Alling kümmern sich Andrea Binder (l.) und Hannelore Dausses um die Bücherschränke.

Tauschbörse

Der Boom der Bücherschränke

Öffentliche Bücherschränke liegen im Trend. In immer mehr Kommunen gibt es Tauschbörsen für begeisterte Leseratten. Die Organisatoren bekommen viele positive Rückmeldungen für ihr ehrenamtliches Engagement. Manchmal kämpfen sie aber auch gegen Vandalismus.

Fürstenfeldbruck – Das Konzept eines öffentlichen Bücherschrankes ist ganz einfach: Bücher können kostenlos mitgenommen und gelesen werden. Anschließend kann man sie behalten oder wieder in den Schrank zurückstellen. Hat man selbst den einen oder anderen Schmöker abzugeben, kann dieser ebenfalls in den Bücherschrank gestellt werden. „Für viele Bürger ist der Gedanke hinter dem Bücherschrank und dessen Handhabung aber doch noch unbekannt“, berichtet Andrea Binder von der Gemeinde Alling. Deshalb wurden mit der Einweihung des Allinger Bücherschranks im März 2019 gleichzeitig Tafeln angebracht, auf denen die Funktion beschrieben ist.

In den vergangenen Jahren haben sich im ganzen Landkreis immer mehr Gemeinden dazu entschlossen, einen oder mehrere Bücherschränke aufzustellen. Und das Feedback ist hauptsächlich positiv. „Sie werden gut genutzt“, sagt Stefanie Ramsl vom Germeringer Kulturamt. „Unsere zwei Bücherschränke waren schon voll, bevor sie überhaupt offiziell eingeweiht wurden.“

Genre ist querbeet

Seit Mitte September gibt es in der Großen Kreisstadt zwei Schränke – einen am Rathauspark und einen am Mehrgenerationenhaus. „Das Genre ist querbeet über große Klassiker, leichte Lektüre bis hin zu Kinderbüchern verteilt. Dabei stehen viele Krimis zum Lesen bereit“, erzählt Ramsl. In den Germeringer Bücherschränken sei auch das Genre des Krimis deutlich vertreten, berichtet Stadträtin Agnes Dürr.

Betreut werden die Bücherschränke im ganzen Landkreis größtenteils ehrenamtlich. Sie kümmern sich um die Pflege aber auch um die Überwachung, zum Schutz vor Vandalismus. Dies kommt zum Glück in den allerwenigsten Fällen vor, berichten die Ehrenamtlichen.

Annette Leib aus Moorenweis betreut den Bücherschrank vor Ort. „Ich sehe alle acht bis 14 Tage nach dem Rechten“, erzählt die 55-Jährige von der Bürgerstiftung. „Gott sei Dank ist er nie beschädigt und es liegt auch nie Schmutz drin.“ Die Kinder- und Jugendliteratur sortiert sie, je nach Altersklasse, von unten nach oben. „Der Schrank wird von den Moorenweisern gut angenommen und er ist auch immer gut gefüllt.“ Leib beobachtet zudem, dass kein Buch längere Zeit liegt. Es werden immer gleichmäßig Bücher genommen und gebracht.

Das fällt auch Stadträtin Agnes Dürr in Germering auf: „Die Bücherschränke werden frequentiert, es herrscht ein ständiger Austausch der Bücher. Zum größten Teil sind diese immer gut in Schuss.“

Kaum negative Vorfälle

Nach drei Monaten Laufzeit können auch Dürr und die zwei ehrenamtlichen Schrank-Paten keine Verschmutzung oder mutwillige Zerstörung an den Bücherschränken feststellen. Einzig in Eichenau, bei der sogenannten „Buchhaltestelle“, gab es ein, zwei negative Vorfälle. Der Standort am S-Bahnhof verleitete in der Vergangenheit Vandalen dazu, die zum Bücherschrank umfunktionierte Telefonzelle komplett leer zu räumen und mitsamt den Büchern in der S-Bahn zu verschwinden.

„Schwarze Schafe gibt es immer wieder“, erzählt Dagmar Rehm von der Gemeindebücherei. Zusammen mit ihren Kollegen und Michael Gumtau vom Förderverein für kulturelle Bildung schauen sie regelmäßig nach dem Sorgenkind. Gumtau berichtet über den Vorteil des Standortes an der Eichenauer S-Bahn, da „viele Leser sich ein Buch nehmen, um es dann in Ruhe in der Bahn zu lesen“. Der Schrank sei immer gut gefüllt, teilweise sogar mit hochwertiger Ware. „Es sind viele gute Sachbücher dabei“, meint der 75-Jährige. Für die Zukunft wünsche er sich noch einen Bücherschrank im Eichenauer Zentrum.

Für die Büchereien in den jeweiligen Gemeinden ist das kostenlose Leseangebot keine Konkurrenz. „Wir weisen sogar an unserem Bücherschrank auf die Allinger Gemeindebücherei hin. Dort steht in etwa: Nichts dabei? Dann schauen Sie doch in der Bücherei“, erzählt Binder. Der Bücherschrank ist vor der Witterung geschützt im Rewe-Center platziert. Dort sei schon der eine oder andere Bäckereikunde von gegenüber beobachtet worden, wie er sich zum Kaffee ein Buch nahm, um zu schmökern, berichtet die 53-Jährige.

Weitere Bücherschränke sind in Mittelstetten und Landsberied geplant. Dort wartet man noch auf die Fertigstellung durch Künstler und darauf, dass sich Ehrenamtliche bereit erklären, sich um den Schrank zu kümmern. (Lisa Fischer)

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