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Brucker Brettl feiert gelungene Premiere

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Mit Kirschgeist und Kartenspiel überlistet der Brandner Kaspar (Peter Schiele, l.) den Boandlkramer (Bernd Pulfer). © Weber

Einen Klassiker unter den bayerischen Volksstücken hat sich das Brucker Brettl für diesen Herbst ausgesucht. „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ feierte beim Steffel-Wirt in Biburg eine heftig beklatschte Premiere.

Fürstenfeldbruck/BiburgWohl selten haben Location und Stück so gut zusammengepasst. Die urige Scheune des Gasthauses ist der perfekte Rahmen für die Bauernstube des Kaspar Brandner (Peter Schiele). Zwischen rot-weiß karierten Vorhängen, Jesus-Bild und Jagdtrophäen lebt der schlitzohrige, aber gutherzige Titelheld und versucht, sein kärgliches Auskommen ab und zu als Jagdhelfer aufzubessern. Ein Streifschuss, wie er ihn bei einer herzoglichen Jagdgesellschaft abbekommt, gehört zum Berufsrisiko.

Doch mit dem Schuss hatte es mehr auf sich, wie Kaspar ein paar Stunden später erfährt, als ein schwarz gekleideter Geselle bei ihm auftaucht. Es ist der Tod in Gestalt des Boandlkramers (Bernd Pulfer), der seine bleichen Finger ausstreckt nach dem alten, aber noch sehr lebenslustigen Mann. Nachdem ihn der Schuss verfehlt hat, müsste der Brandner Kaspar freiwillig mitgehen – doch er denkt gar nicht daran. Stattdessen füllt er den Boandlkramer mit Kirschgeist ab, legt ihn beim Kartenspiel herein und gewinnt auf diese Weise 18 weitere Jahre Lebenszeit. Schließlich will er 90 werden wie sein Vater. Allerdings bringt er mit seinem Trick den göttlichen Plan durcheinander – und den Preis dafür zahlt nicht nur er selbst.

Das von Franz von Kobell und Kurt Wilhelm geschriebene schwarzhumorige Kult-Stück ist so bekannt, dass es für die meisten Zuschauer keine Überraschungen beinhalten dürfte. Das macht aber nichts. Den „Brandner Kaspar“ schaut man nicht an, weil man wissen will, wie’s ausgeht, sondern weil man gespannt ist auf die Inszenierung und die Darsteller.

Das Brettl-Ensemble unter der Regie von Erika Pulfer, Florian Pulfer und Susanne Droth spielt mit Souveränität und Herzblut in Kostümen und Kulissen, die mit Liebe zum Detail gestaltet wurden. Drei Bühnenbilder – Wald, Bauernstube und Himmelspforte – lassen die Welt des Stücks lebendig werden. Sogar einen Totenkarren gibt es und wabernde blaue Nebel, die die Reise gen Himmel veranschaulichen.

Dort oben geht es verblüffend ähnlich zu wie auf Erden. Bayern und Preußen residieren in getrennten Himmeln – „der bayerische ist der siebte, der preußische ist eine Vorstufe zum ersten“, sind der Historiker Turmair (Florian Oelmaier) und der fast heilige Nantwein (Markus Terpoorten) sich einig. Der heilige Portner (Franz Neuhierl) hat derweil mit seinem Personal ähnliche Sorgen wie ein irdischer Chef. Vertuschte Fehler müssen aufgedeckt und korrigiert werden – wie die erschwindelte Lebenszeitverlängerung des Brandner Kaspar. „Jetzt bringst ihn mir, fast hätt’ ich gesagt, tot oder lebendig“, herrscht Petrus den Boandlkramer an. Der schafft es schließlich, den Alten in den Vorhof des Paradieses zu locken – „nur zum Neischaun, grad a Stund...“ Das Brettl-Publikum ging nach zweieinhalb Stunden himmlischen Vergnügens hochzufrieden nach Hause. (os)

Weitere Termine

Die nächsten Aufführungen des Brandner Kaspar finden statt am 19., 20. und 21. Oktober. Alle Termine und Kartenvorverkauf unter www.bruckerbrettl.de.

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