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Großer Andrang: Das Luzienhäuschen-Schwimmen ist bis heute sehr beliebt bei den Bruckern.

„In so langer Zeit sieht man einiges“ 

Brucker ist seit 60 Jahren bei jedem Luzienfest dabei

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Fürstenfeldbruck - Seit 1949 gibt es das Brucker Luzienfest in seiner heutigen Form. Einer, der seit mehr als 60 Jahren dabei ist, ist Karl E. Bärmann (86). Als Mitglied von Wasserwacht und Feuerwehr hat er so manch kuriose Geschichte erlebt.

Der Veteran: Karl E. Bärmann hilft seit mehr als 60 Jahren beim Luzienfest mit.

Karl E. Bärmann ist ein Brucker Original. Was läge da näher, als dass er sich auch mit dem Luzienhäuschen-Schwimmen auskennt. Jedes Jahr am 13. Dezember lassen die Kinder der Großen Kreisstadt zu Ehren der Heiligen Lucia ihre Pappgebilde – Häuschen, Wolkenkratzer, Kirchen – ins Wasser der Amper gleiten. Und jedes Jahr am 13. Dezember ist Karl E. Bärmann als Wasserwachtler und Feuerwehrler ganz vorne mit dabei.

Generationen von Kindern hat er schon dabei begleitet, wenn sie ihre kunstvollen Gebilde ans Wasser brachten. Als ehrenamtlicher Helfer hat er ein Schulterklopfen gespendet, wenn die ein oder andere Träne wegen des verloren geglaubten Bastelguts kullerte. Dann hat er die Flöße mit ihren Aufbauten behutsam auf das kalte Wasser der Amper gesetzt.

Karl E. Bärmann hatte seinen ersten Einsatz bei der Feuerwehr noch zu Kriegszeiten. 1944 rückte er als Brandhelfer nach einem Fliegerangriff in München aus. Bis zu seinem 60. Geburtstag war er aktiv bei der Brucker Feuerwehr. 30 Jahre lang setzte er sich als Vorsitzender bei der Wasserwacht ein. Mittlerweile ist er in der Brandschutzerziehung tätig.

„In so langer Zeit sieht man einiges“, sagt Bärmann und lacht. Seine Augen funkeln, wenn er über die Erlebnisse beim Luzienfest erzählt. Einmal habe ein Bursche wissen wollen, wie das Geländer der Amperbrücke schmeckt. Eine ganz schlechte Idee. Seine Zunge fror am Metall fest. „Da mussten wir natürlich was tun“, erinnert sich Bärmann. Die Lösung des Problems: ein warmer Waschlappen auf die Zunge, schon war der Bub von seinen Leiden befreit. Ein andermal, erzählt Bärmann, sei es so kalt gewesen, dass der Posaunenchor nicht spielen konnte. Die klammen Finger seien aber nicht der Grund gewesen. „Da sind die Ventile eingefroren“, sagt der Juwelier und lacht.

In St. Magdalena: Hier wurden die Häuschen aus Papier früher geweiht.

Auch die größten und aufwendigsten „Häuschen“ hat er heute noch vor Augen. Seine Enkel haben in den Jahren 2000 und 2001 Nachbauten von Schloss Neuschwanstein und von der Klosterkirche gefertigt. „Das waren eigentlich Museumsstücke, die mussten wir zu viert ans Wasser tragen“, sagt Bärmann. Natürlich erinnert er sich auch an die höchste Anzahl an Häuschen, die je in die Amper gesetzt wurden. „Es waren 307 Häuserl an der Zahl.“ Und auf die Frage, ob er auch heuer wieder dabei sein wird, erntet man nur einen fragenden Blick. Dann grinst der 86-Jährige schelmisch und sagt nur ein Wort. „Natürlich.“

Die Veranstaltung beginnt  am Dienstag, 13. Dezember, 17.30 Uhr, mit der Segnung der Häuschen vor der Leonhardikirche. Dann werden die Häuserl ins Wasser gesetzt. Von 17 bis 20 Uhr sind die Hauptstraße ab Schöngeisingerstraße, Amperbrücke, Leonhardsplatz und Bullachstraße gesperrt.

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