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Geheime Tricks bleiben geheim. Aber was so nicht mehr angewandt wird, verrät Zauberer Markus Laymann den Museumsleiterinnen Angelika Mundorff (r.) und Barbara Kink.

Abrakadabra...

Nach Corona-Schließung: So gibt das Brucker Museum einen Einblick in die Welt der Magie

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Im Brucker Museum brechen zauberhafte Zeiten an. Kaum ist die corona-bedingte Schließung beendet, startet eine neue Ausstellung. „Bezaubernd. Magie und Zauberkunst“ bietet einen breiten Einblick in die vielfältige Geschichte des Übernatürlichen. 

Fürstenfeldbruck – „Zauber und Magie haben seit jeher die Menschen fasziniert“, sagt Museumsleiterin Angelika Mundorff. Die Ausstellung mit zahlreichen Gemälden und Plakaten, okkulten Gegenständen, historischen Schaustücken, Zauberkästen und anderem magischen Zubehör gliedert sich in drei Abschnitte. Sie zeichnen die Entwicklung nach von den ersten Zauberbüchern bis hin zu modernen Phänomenen wie Miraculix und Harry Potter. Im Rahmen von Führungen sind auch Zaubervorführungen geplant.

Eins vorweg: Wie Zaubertricks funktionieren, verrät die Ausstellung nicht – jedenfalls nicht solche, die noch heute angewendet werden. Wenn der Münchner Zauberkünstler Markus Laymann vom Magischen Zirkel Deutschland demonstriert, dass eine Tasse, in der sich Flüssigkeiten scheinbar in Konfetti verwandeln, mit winzigen Löchern präpariert ist, dann bricht er damit kein magisches Verschwiegenheitsgebot. „Den Trick gibt es immer noch, aber er wird heute anders gemacht.“

Der Pionier der modernen Zauberkunst und seine Geschichte

Dass die moderne Zauberkunst im 19. Jahrhundert von einem Uhrmacher begründet wurde, ist kein Zufall. Dank seiner feinmechanischen Ausbildung war Jean-Eugène Robert-Houdin in der Lage, ausgetüftelte Apparate zu bauen, die seine Tricks erst möglich machten. Vor den Augen der staunenden Zuschauer wuchsen Orangen scheinbar aus dem Nichts oder schwebten Dinge in der Luft. Die höchst irdischen Mechanismen dahinter – Falltüren, Pedale, Federzüge, schräge Böden oder verborgene Fächer – blieben dem Publikum verborgen.

Einer der späteren Besitzer von Robert-Houdins Pariser Zaubertheater war der Begründer des modernen Kinos – die Illusion setzte sich auf der Leinwand fort. Auch der legendäre Oktoberfest-Schausteller Schichtl arbeitete mit technischen Tricks, Licht- und Verwandlungseffekten. Der erst 2009 verstorbene Zauberkünstler Anton Lackner alias Latony entwickelte in seiner Werkstatt in Planegg rund 130 präparierte Zauberrequisiten, die weltweit Anwendung fanden und vielfach auf der Wirkung von Magneten basierten.

Nach Kriegen erlebte der Okkultismus regelmäßig eine Hochzeit

Mehr auf Fitness und Geschicklichkeit setzte dagegen Entfesselungskünstler Harry Houdini, der ausdrücklich abstritt, über echte Zauberkräfte zu verfügen. Paradoxerweise geriet er darüber mit einem seiner größten Bewunderer in Streit. Sherlock-Holmes-Schöpfer Arthur Conan Doyle war Anhänger der Spiritismus-Bewegung und hielt Houdinis Künste für esoterische Wunder. Phänomene wie Spiritismus und der Wunsch nach Jenseits-Kontakten „kommen in Wellen immer wieder“, berichtet Vize-Museumsleiterin Barbara Kink. Nach Kriegen etwa, wenn viele Menschen Angehörige verloren hatten, erlebte der Okkultismus regelmäßig eine Hochzeit.

Deutlich wird in der Ausstellung auch, dass Zauberei eine Männerdomäne war und ist. Die leicht bekleidete Assistentin diente auf der Bühne bestenfalls der Optik, wurde zersägt oder zum Schweben gebracht. Lediglich, wenn es um mediale Fähigkeiten und Gedankenlesen ging, hatten Frauen die Nase vorn. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurden Medien wie Eusapia Palladino, Eva Fay, Clementine de Vere oder die als „Traumtänzerin“ bekannte Madelleine Guipet zu gefeierten Performance-Künstlerinnen.

Die Ausstellung

„Bezaubernd. Magie und Zauberkunst“ startet am Freitag, 15. Mai, im Museum und läuft bis zum 11. Oktober. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 17 Uhr.

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