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Klaus Lippoldes.

Vereinsjubiläum

Brucker Philatelisten feiern ihr 50-jähriges Bestehen

Der Philatelistenverein Fürstenfeldbruck hat sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Das Hobby des Briefmarkensammelns hat sich in dieser Zeit ziemlich verändert – ist aber immer noch beliebt.

Fürstenfeldbruck – Das Klischee vom Philatelisten als ältlichem Langweiler, der mit der Lupe die Zacken seiner Briefmarken zählt, löst sich in Luft auf, wenn man echten Sammlern begegnet. Wie zum Beispiel denen vom Philatelistenverein Fürstenfeldbruck. Den Mitgliedern geht es nicht um teure Raritäten, sondern vor allem darum, Spaß zu haben. Das war nicht immer so.

Die Gründerväter des Vereins beschreibt der Vorsitzende Klaus-Peter Lippoldes als Honoratioren und Bildungsbürger, die ihre Sammlungen als Statussymbol betrachteten. Angeblich wurde der Verein überhaupt nur deshalb gegründet, weil die Mitglieder ihre Schätze gerne mal der Öffentlichkeit präsentieren wollten. Und für eine Ausstellung brauchte man eben eine Organisationsstruktur.

Mitte der 1970er-Jahre war eine neue Generation herangewachsen. „Dazu gehörte unter anderem ich“, sagt Lippoldes. Der 66-Jährige erinnert sich gut an seine ersten Besuche beim Sammler-Treff. Die älteren Mitglieder tranken Bier aus Bierwärmern und gingen um halb neun heim. Die Jüngeren amüsierten sich bis Mitternacht, tauschten ganze Alben und Kisten voller Briefe vom Flohmarkt, ohne genau zu wissen, was sie darin finden würden.

„Mit der Zeit hat sich jeder auf ein Gebiet spezialisiert“, erzählt der zweite Vorsitzende Jürgen Grohmann. Das konnten Marken zu besonderen Anlässen oder mit bestimmten Motiven sein, Ansichtskarten oder Oktoberfest-Stempel, die Geschichte der Brucker Post oder gleich die ganze Stadtgeschichte, die sich anhand von Briefen und Belegen nachzeichnen lässt.

Längst geht es beim Briefmarkensammeln um viel mehr als nur um Briefmarken. Als Anfang der 1980er-Jahre der Datenschutz aufkam, versiegten wichtige Bezugsquellen der Sammler. „Vorher hatte jeder seine Beziehungen zu Firmen oder Ämtern“, so Lippoldes. Kein Mensch dachte sich etwas dabei, den Philatelisten alte Briefe weiterzugeben. Oft waren die Schriftstücke – dank entsprechender Faltung – ihr eigener Umschlag, so dass auch vertrauliche Inhalte munter die Runde machten.

Das Nachschub-Problem löste die Post schnell und gewinnbringend. Sie begann, spezielle Sammlermarken herauszubringen – ein Trend, der auch in den Nachbarländern um sich griff. In Österreich etwal gab es Stoff-Briefmarken, geformt wie winzige Dirndl und Lederhosen. „Dieser Schnickschnack geht ins Geld“, sagt Lippoldes.

Er selbst hat für viele seiner Schätze nicht mehr als 30 Cent ausgegeben. Neues Material finden die Sammler bei Tauschbörsen, auf Flohmärkten und Auktionen. Das Internet ist eher verpönt. Dort tummeln sich viele, die Sammlungen aus Nachlässen zu möglichst viel Geld machen wollen. Den Philatelisten aber geht es um Details. „Man muss Karten und Briefe in der Hand gehabt haben“, sagt Grohmann.

Der 63-Jährige hat sich auf „beförderte Ansichtskarten“ spezialisiert, und zwar nur auf solche mit lesbarem Stempel. Briefmarken als Kapitalanlage gibt es auch – „ab 5000 Euro aufwärts“, sagt Lippoldes. Daran haben er und die meisten seiner Mitstreiter kein Interesse. Sie wollen mit ihren Sammlungen Episoden der Zeitgeschichte nacherzählen – und daran Spaß haben. (os)

Jugendarbeit verlief im Sande

Es gibt ihn in Form eines Mühlrades, als Kreissegment, als einfachen oder doppelten Kreis, mit oder ohne Steg: den Poststempel. Alle Exemplare, die zwischen 1813 und 1962 in Bruck verwendet wurden, hat Jürgen Grohmann in einem 40 Seiten starken Heft gesammelt. „Poststempel von Fürstenfeldbruck“ ist eine von zwei Pubilkationen, die der Philatelistenverein aus Anlass seines Jubiäums herausgebracht hat. Die zweite, „50 Jahre Philatelistenverein Fürstenfeldbruck e.V.“, beschäftigt sich mit der Geschichte des Vereins und stellt Forschungsergebnisse zur Post-Geschichte in Bruck vor. 50 Mitglieder hat der Verein derzeit, in Spitzenzeiten waren es fast dreimal so viele. Ein Teil von ihnen lebte gar nicht in Bruck, sondern war über ganz Deutschland verstreut – in der Hauptsache Bundeswehrangehörige, die nach ihrer Versetzung dem Verein treu blieben. Heute gibt es so gut wie keinen Nachwuchs mehr. Nicht, dass man sich nicht bemüht hätte. Eine Zeitlang betrieben die Philatelisten in Zusammenarbeit mit einem Brucker Hort eine Jugendgruppe. Die Kinder sammelten begeistert und lernten dabei spielerisch alles mögliche kennen, von der Wuppertaler Schwebebahn bis hin zu den Flaggen der Staaten. „Doch die Eltern hielten rein gar nichts von den Aktivitäten“, bedauert der Vorsitzende Klaus-Peter Lippoldes. Und so verlief die Jugendarbeit im Sande. Trotzdem haben die Briefmarkensammler die Hoffnung nicht aufgegeben. Wer einmal hineinschnuppern möchte, ist bei den zweimal im Monat stattfindenden Tauschabenden herzlich willkommen. Sie finden am zweiten und vierten Dienstag im Monat ab 19 Uhr im „Wirtshaus auf der Lände“ statt. (os)

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