Hilfskräfte

Brucker Retter sind flott am Einsatzort

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Nur zwölf Minuten bleiben den Rettungskräften, bis sie nach einem Notruf beim Patienten sein müssen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Auch wenn das in manchen Teilen Bayerns oft nicht mehr gelingt: Im Landkreis ist die Statistik außergewöhnlich gut.

Fürstenfeldbruck –Die zwölf Minuten entscheiden schlimmstenfalls über Leben und Tod des Patienten. Diese kritischen Momente erleben die Helfer aus dem Landkreis im Durchschnitt 80-mal am Tag. „Und meistens gelingt es uns, innerhalb der Hilfsfrist vor Ort zu sein“, sagt Rainer Bertram, Kreis-Geschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK).

Das ist im Freistaat nicht überall der Fall. Eine Anfrage der Landtags-SPD ans Innenministerium hat ergeben, dass Retter in Bayern immer später am Einsatzort eintreffen. Demnach kam etwa jedes zehnte Fahrzeug nicht nach spätestens zwölf Minuten beim Patienten an. Im Rettungsdienstbereich Fürstenfeldbruck – dieser schließt auch die Landkreise Starnberg, Landsberg am Lech und Dachau ein – ist die Frist im Jahr 2016 in gut 94 Prozent der Fälle eingehalten worden. Zum Vergleich: Im Bereich Rosenheim waren die Helfer 2015 nicht einmal zu 85 Prozent pünktlich.

Darum, dass die Rettungskräfte rechtzeitig am Einsatzort sind, kümmert sich die Integrierte Leistelle (ILS) Fürstenfeldbruck. Wählt jemand den Notruf, dann landet er bei einem der über 60 Disponenten in der Zentrale an der Münchner Straße. Sie alarmieren bei einem Notfall Feuerwehr und Rettungskräfte. Letztere stehen vor allem in den vier Rettungswachen im Landkreis bereit – rund um die Uhr.

An der Dachauer Straße in Bruck hat das BRK jeweils drei Rettungs- und Krankentransportwagen, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und einen sogenannten Einsatzleiter Rettungsdienst (er koordiniert die Helfer) stationiert. Die Wache in Germering verfügt über zwei normale und einen Schwerlast-Rettungswagen für beleibte Patienten. Dass die Hilfsfrist meist eingehalten wird, ist auch den Maltesern und Johannitern zu verdanken. Gemeinsam betreuen sie in Gröbenzell die dritte Wache.

Eng wird es für diese Einsatzkräfte aber, wenn etwa ein Notruf aus Mittelstetten oder Althegnenberg bei der ILS eingeht. Zwar gibt es eine vierte Wache in Türkenfeld, aber weder die Retter dort noch die Brucker schaffen es innerhalb der Frist an die beiden Orte nahe der Landkreisgrenze zu Aichach Friedberg. In dem Fall müssen die Mitarbeiter in der ILS über die Grenzen des Versorgungsgebiets und des Landkreises hinausdenken. Dann funken sie die Augsburger Leitstelle an und prüfen, ob ein Rettungswagen aus Mering verfügbar ist. Der kann die Frist nämlich einhalten, sagt Bernd Brach, Geschäftsleiter des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Fürstenfeldbruck. Umgekehrt rücken die Germeringer Helfer auch nach Gauting oder Pasing aus. Wenn in Olching Not am Mann ist, kommt jemand aus Dachau.

Die Frist gilt übrigens auch als erfüllt, wenn ein sogenannter Helfer vor Ort oder First Responder nach spätestens zwölf Minuten beim Patienten eintrifft. „Sie arbeiten unentgeltlich und sind mindestens ausgebildete Sanitäter“, erklärt Rainer Bertram. First Responder sind in Olching, Eichenau, Althegnenberg und Grafrath stationiert. Werden sie von der ILS alarmiert, sind sie teils mehrere Minuten vor dem Rettungsdienst beim Patienten.

Wie wichtig es ist, dass die circa 80 hauptamtlichen von rund 130 ehrenamtlichen Rettern unterstützt werden, zeigt sich Rainer Bertram zufolge immer wieder sehr deutlich – zuletzt im Juli. „Zweimal waren alle Hauptamtlichen gleichzeitig im Einsatz“, sagt Rainer Bertram. Als Notlösung wurde dann die sogenannte Sondereinsatzgruppe (SEG) der Leistelle alarmiert. Sie besteht aus speziell ausgebildeten ehrenamtlichen Rettern. Mit ihrer Hilfe konnten in elf Minuten vier zusätzliche Einsatzfahrzeuge bereitgestellt werden.

Doch auch wenn die Retter in der Region statistisch gesehen gut aufgestellt sind, treibt es dem BRK-Kreisgeschäftsführer Sorgenfalten auf die Stirn: Die Bürger wählen nämlich immer öfter den Notruf. 2011 gab es im Landkreis fast 22 000 Notfalleinsätze jährlich. „Mittlerweile fahren wir circa 30 000 Einsätze“, sagt er. Damit hat theoretisch jeder siebte Landkreisbürger schon einmal Besuch vom Notarzt bekommen.

„Die Bevölkerung ist zwar gewachsen, aber die Leute alarmieren uns auch wegen kleiner Beschwerden. Zudem übertreiben manche am Telefon, weil sie schneller behandelt werden wollen.“ BRK-Geschäftsführer Bertram findet: Nicht die Krankenkassen, sondern sie Bürger sollten die Einsatzkosten tragen. Das würde die Retter entlasten – auch wenn der Verkehr auf den Straßen ihnen nach wie vor die Arbeit erschwert.

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