In der Hasenheide

Der Brucker Schlachthof startet neu

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Nach der Schließung des Brucker Schlachthofs hat sich ein neues Führungsteam gebildet. Im Herbst soll der Betrieb wieder aufgenommen werden – mit neuer Mannschaft und neuem Namen.

Fürstenfeldbruck – Hinter der Fortführung des Brucker Schlachthofs steht ein breiter Wille auch in der politischen Szene der Region. Das wurde jetzt erneut im Kreistag deutlich, wo Hubert Ficker (CSU) kurz über den Sachstand berichtete.

Zuvor waren die fast 100 Eigentümer des Schlachthofs zusammengekommen und hatten die Fortführung beschlossen, nachdem der Schlachthof vor wenigen Monaten wegen Verstößen gegen den Tierschutz seinen Betrieb geschlossen hatte beziehungsweise schließen hatte müssen.

Das neue Führungsteam („Gesellschafter“) besteht nun aus den Metzgern Engelbert Jais (Luttenwang), Bernhard Huber (Jesenwang) und Hermann Eberle (Karlsfeld, Kreis Dachau), wie Jais am Freitagmittag auf Anfrage erklärte. Die bisherigen Organisationsstruktur in Form einer GmbH & Co Kg soll aufrecht erhalten werden.

Neu dagegen ist das ganze insgesamt 14 köpfige Schlachthofteam – nicht ein einziger aus der alten Besetzung sei noch an Bord, sagte Jais. Heißen soll der Betrieb künftig „Schlachthof Hasenheide“.

Die neuen Gesellschafter sollen im August ihre Ämter antreten. Dann stehen tierschutzrelevante Umbauten auf dem Gelände am Brucker Kugelfang an. Bevor diese nicht abgeschlossen seien, werde der Betrieb sicher nicht starten, sagte Jais. Ihm schwebt eine Wiederöffnung für Anfang Oktober vor, wobei das vom Fortgang der Arbeiten abhängt, wie er ausdrücklich betonte. Das neue Schlachterteam habe bereits einen ersten Lehrgang in Sachen Tierschutz absolviert, berichtete er. Weitere sollen folgen.

Der Landkreis Fürstenfeldbruck bleibt in Form einer rund 150 000 Euro starken stillen Beteiligung Partner des Schlachthofs, wie Huber Ficker, im Kreistag Referent für den ländlichen Raum, sagte. Der Schlachthof sei ökologisch wichtig, diene dem Tierschutz (kurze Transportwege) und fördere die regionale Wirtschaft. Ficker: „Wir sind der Meinung: Das ist eine gute Einrichtung.“

Insgesamt steht die GmbH wirtschaftlich gut da, wie der frühere Geschäftsführer Max Keil auf Tagblatt-Nachfrage sagte. Schuldendienste für Grundstück und Gebäude etwa seien in absehbarer Zeit erledigt. Außerdem seien 70 000 Euro an Kommanditisten-Einlagen dazu gekommen, was Keil als klare Aufforderung zum Neustart interpretiert. Als positives Signal wertet er außerdem, dass der Chef der Metzger-Innung Dachau/Freising, Werner Braun, nunmehr zu den Kommanditisten gehört.

Entstanden war die Diskussion um den Schlachthof, nachdem die Soko Tierschutz verdeckt gedrehtes Videomaterial veröffentlicht hatte. Darauf zu sehen waren als gravierend zu wertende Verstöße gegen den Tierschutz. Bei der Staatsanwaltschaft liegen in diesem Zusammenhang mehrere Anzeigen vor, die derzeit geprüft werden.

Engelbert Jais gibt sich – auch angesichts ihm angediehener Hilfe trotz der Vorgeschichte – zuversichtlich: „Wir sind auf einem guten Weg, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen.“ (op, st)

Die Debatte im Kreistag: 

Im Kreistag forderte Hubert Ficker, der neuen Geschäftsleitung Vertrauen entgegenzubringen statt Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Das stieß allerdings auch auf Widerspruch. Eben um das Vertrauen der Verbraucher wiederherzustellen sei es im Gegenteil notwendig, das kriminelle Verhalten Einzelner aufzuarbeiten, sagte Kathrin Sonnenholzner (SPD). Gerade die Direktvermarkter unter den Landwirten, die in Bruck schlachten ließen, hätten erhebliche Umsatzeinbrüche und das sogar bei Gemüse. 

Das Konzept eines regionalen Schlachthofs sei aber nach wie vor gerade im Sinne des Tierwohls richtig. Mitgesellschafter und Biobauer Johann Märkl (Grüne) kritisierte in der Sitzung des Kreistags in einer emotionalen Stellungnahme den Generalverdacht, unter dem alle Beteiligten stünden. Wenn ein einzelner Arzt einen Patienten falsch behandele, werde auch nicht gleich die ganze Klinik geschlossen, sagte der Landsberieder. Schlachten sei nun mal keine schöne Angelegenheit: „Man kann Tiere nicht totstreicheln.“ 

Nicht durchsetzen konnte sich die SPD mit der Forderung nach einer Unternehmensform, die dem Kreis als Gesellschafter „jederzeitige Information und Transparenz“ sichere. Selbst wenn der Kreis mehr Kontrollrechte hätte, so die Einschätzung der Verwaltung, wäre eine lückenlose Überwachung des operativen Geschäfts nicht möglich. „Missstände können trotz allem auftreten.“ (op)

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