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Gibt es noch Bunker? In bayerischem Landkreis schaut es mau aus - Ukraine-Krieg zwingt jetzt zum Umdenken

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Von: Ingrid Zeilinger

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Sollte dem Atomkrieg und den Russen standhalten: Das schwere orangefarbene Tor am Durchgang zur Tiefgarage.
Sollte dem Atomkrieg und den Russen standhalten: Das schwere orangefarbene Tor am Durchgang zur Tiefgarage. © mm

Im Kalten Krieg wurden auch im Landkreis Fürstenfeldbruck Bunker für den Notfall bereit gehalten. Sollte der Ukraine-Krieg auf Europa übergreifen, könnte dieser Notfall eintreten. Aber gibt es die Bunker noch?

Fürstenfeldbruck – Über Jahrzehnte lagen die Schutzbunker in einem Dornröschenschlaf. Kaum jemand erinnerte sich noch an die Räume in tiefen Kellern, die in Zeiten des Kalten Krieges eingerichtet wurden. Doch als vor über zehn Jahren der Geschwister-Scholl-Platz umgebaut wurde, dachte man wieder an einen dieser in Vergessenheit geratenen Schutzräume: Damals standen drei Betonklötze mitten auf dem Platz, die den Neuplanungen im Weg waren. Einfach weg konnten sie nicht, denn die Schächte waren nötig, um den Zivilschutzraum im zweiten Untergeschoss der Tiefgarage mit Luft und Lebensmitteln zu versorgen.

Bunker im Landkreis Fürstenfeldbruck: Menschen vor nuklearer Gefahr schützen

2013 Menschen hätten dort im Katastrophenfall Platz gefunden – über vier verschiedene Eingänge wären sie hineingekommen. Per Zählgerät wäre kontrolliert worden, dass die Höchstzahl nicht überschritten wird. Massive orangefarbene Tore aus Stahlbeton hätten die Menschen bei nuklearer Gefahr schützen sollen. Alles war für den Notfall vorbereitet: Es gab Toiletten, Waschbecken und Rundfunksendeanlagen. Drei Tage hätte es gedauert, um alles vorzubereiten.

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Laut Bayerischem Innenministerium existierten in Deutschland rund 9000 private Hausschutzräume sowie 2000 öffentliche Bunker. In Bayern wurden in den 1960er-Jahren rund 500 errichtet – darunter auch die im Landkreis. „Je nach technischer und baulicher Ausstattung boten die Schutzräume insgesamt zwei bis drei Prozent der Bevölkerung Schutz vor Einwirkungen durch ABC-Waffen für einen Zeitraum von wenigen Stunden bis hin zu maximal 14 Tagen“, erklärt eine Ministeriumssprecherin. Im Landkreis gab es früher auch Bunker unterm Finanzamt, Gesundheitsamt sowie unter zwei Wohnanlagen in der Abt-Führer- und Feuerhausstraße. Auch in Olching und Gröbenzell wartete man die Schutzräume regelmäßig, ohne dass sie gebraucht wurden.

Bunker im Landkreis Fürstenfeldbruck wurden nicht mehr gewartet

An einen Ernstfall glaubte in den vergangenen Jahren nämlich niemand mehr. Zuerst wurde die Tiefgarage in der Buchenau sozusagen entbunkert. Die Betonwürfel durften weg, der Platz bekam mehr Aufenthaltsqualität. Und auch die übrigen Schutzräume wurden nicht mehr regelmäßig gewartet. Denn im Jahr 2007 kamen Bund und Länder überein, die funktionale Erhaltung der Schutzräume einzustellen, berichtet eine Sprecherin des Landratsamtes. Die Behörde verwaltete die Abwicklung der Wartungskosten aus Bundesmitteln. Ansonsten war das Innenministerium zuständig. Inzwischen verfügen die Eigentümer frei über die Schutzräume. Ein voreiliger Beschluss?

Wie wahrscheinlich ist eine Eskalation des Ukraine-Kriegs bis hin zu einem Atomkrieg?

Als Leiter der Verbindungsstellen der Hanns-Seidel-Stiftung hatte Ludwig Mailinger aus Miesbach bis 2017 einen direkten Draht in die Weltpolitik. Auch bei Gesprächen mit Kreml-Vertretern war der heute 70-Jährige dabei. Im Interview analysiert er die aktuelle Entwicklung im Ukraine-Krieg - und schätzt ein, ob es zu einem Dritten Weltkrieg kommen könnte.

Im Innenministerium geht man davon aus, dass inzwischen der weitaus größte Teil der öffentlichen Schutzräume nicht mehr funktionstüchtig ist. Doch angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine wolle die Bundesregierung ihre Fähigkeiten zum Schutz ihrer Bevölkerung und Alliierten verstärken. So wolle man auch das Rückbaukonzept für Schutzräume prüfen. Als erster Schritt ist eine Bestandsaufnahme der noch vorhandenen Schutzräume geplant.

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