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Erlebt eine Renaissance in seinem Laden: Betreiber Bernd Loibl betreut nun an der Dachauer Straße auch Kunden, die vorher in einer anderen Videothek waren, die aufgeben musste.

Aufgeben? Nein!

Brucks erste und wohl letzte Videothek schlägt sich durch

Fürstenfeldbruck – Die ersten sind die letzten: Seit im Frühjahr die Videothek in der Brucker Hasenheide geschlossen hat, ist die Videothek Video Nr. 1 wohl die letzte verbliebene im ganzen Landkreis. Von Aufgeben ist in Brucks ältester Videothek aber noch lange nicht die Rede.

Wer heute ein Video anschaut, macht das meist auf dem Handy oder im Internet. Es sind kurze Musikstücke oder lustige Clips, die sich Menschen zusammen angucken. Von VHS und Videokassettenrekorder ist kaum mehr die Rede. DVDs haben in vielen Haushalten ebenfalls bereits ausgedient. Streaming-Dienste und Bezahlfernsehen funktionieren auch ohne Gang aus dem Haus. Doch bei Bernd und Gertraud Loibl haben sich die früher so populären Filmträger noch erhalten: Brucks letzte Videothek verleiht noch immer DVDs und einige VHS-Kassetten.

1979, als das Ehepaar Loibl in der Dachauer Straße ihre Videothek im Fachgeschäft „Elektrospiegel“ einrichtete, gab es dem Laden einen sprechenden Namen: Video Number One, denn es war die erste Videothek in Fürstenfeldbruck. Damals vertrieb der Laden nicht nur VHS-Kassetten, sondern auch Rekorder und andere Elektrogeräte.

Viel ist seither passiert. In den 1980er-Jahren boomten die Filmverleihgeschäfte, alle wollten die große Auswahl nutzen. Die Klassiker waren damals Filme mit Sylvester Stallone, wie sich Bernd Loibl noch gut erinnert. Eine große Umstellung fand mit der Etablierung der DVD statt, die die großen VHS-Kassetten mit ihrer kürzeren Laufzeit verdrängte. „In der Neuzeit waren alle Filme aus der Harry-Potter-Reihe sehr beliebt“, sagt Bernd Loibl. „Solche Knaller gibt es heute gar nicht mehr.“ Schließlich begann die Zeit von Streaming und Raubkopieren, die es Verleihern besonders schwer macht.

An all diese Veränderungen hat sich Video Nr. 1 angepasst. Überleben kann der Laden auch, weil Geschäftsführerin Gertraud Loibl und ihr Mann so viel Erfahrung haben. Beim Einkaufen sind sie achtsam, bemühen sich, keine Flops anzuschaffen. Zu den Kunden, meist älteren Menschen, sind sie freundlich, helfen gerne.

Im Frühling hat die letzte Brucker Konkurrenz in der Hasenheide dicht gemacht, seither führt Gertraud Loibl die letzte Videothek. Das Ende des Videocenters gibt den Loibls neuen Aufschwung: „Die Leute haben sich jetzt uns angeschlossen, wir erleben direkt eine Renaissance“, sagt Bernd Loibl, der sich über einige neue Kunden freut. Die seien früher in die Hasenheide gegangen, jetzt kämen sie eben zu Video Nr. 1. „Für uns ist das der Idealfall.“ Möglicherweise hätte der Laden nämlich ohne diesen Schub doch in absehbarer Zeit schließen müssen. So sind die Loibls aber sehr zufrieden, das Geschäft läuft wieder.

Längst haben auch Loibls von VHS-Kassetten auf DVDs umgestellt. In den Regalen ist von Klassikern der Filmgeschichte bis hin zu den neuesten Blockbustern fast alles zu finden, die große Auswahl gefällt den Kunden. Für Spezialisten und Nostalgiker gibt es auch noch VHS-Kassetten, die werden manchmal ausgeliehen.

Trotzdem ist auch an Brucks ältester und mittlerweile einziger Videothek die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. „Jetzt ist es schon spürbar, dass Streaming- und Onlinedienste zunehmen“, berichtet Gerhard Loibl. Irgendwann werde es mit den DVDs ganz aus sein. Aber im Moment kann die Videothek an der Dachauer Straße trotzdem weiterbestehen. Die erste Videothek ist jetzt auch die letzte in Bruck.

von Maria-Mercedes Hering

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