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Friseur Nummer 28 hat eröffnet

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Von: Peter Loder

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Das Geschäft mit dem Haareschneiden boomt in Fürstenfeldbruck – Das sehen manche in der Branche auch kritisch.

Fürstenfeldbruck – Handy-Shops, Optiker und Bankfilialen – wenn in Online-Netzwerken über das Geschäftsleben in der Brucker City gespottet wird, sind es stets diese auffällig oft vertretenen Geschäftsbereiche. Dabei beherrscht eine andere Branche das Straßenbild noch deutlicher: Vor wenigen Tagen hat der 28. Friseurladen eröffnet. Und so fragen sich manche in der Branche: Wie viele Betriebe verträgt eine Stadt mit 38 000 Einwohnern? Gibt es überhaupt genug Personal? Verdirbt man sich die Preise?

Bettina Zellhuber beschäftigt dieser Boom seit geraumer Zeit. Die Obermeisterin der Friseur-Innung Fürstenfeldbruck hat ihr Geschäft in Olching. Dort beobachtet sie eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so ausgeprägte Entwicklung. Auffällig für sie: „Es gibt immer mehr Friseurläden, aber die Mitarbeiter werden immer weniger.“ Bemüht man das Internet, erhält man Angaben zu mehr als 50 Betrieben im gesamten Landkreis, 27 waren es bislang allein in der Stadt Fürstenfeldbruck.

Die Nummer 28 ist Ahmed Fahmy. Er hatte zuvor schon in München und Germering mit seinem Bruder Friseurgeschäfte betrieben. Der im Irak gebürtige 41-Jährige hatte 20 Jahre lang im englischen Liverpool in einem Barber-Shop gearbeitet und lebt seit 2018 in Deutschland. Mehrere Monate war er auf der Suche nach einem geeigneten Mietobjekt in Bruck, ehe er an der Schöngeisinger Straße fündig wurde. Dort, wo zuvor in einem Schönheits-Atelier Wimpern gezupft wurden, schneidet, wäscht und rasiert Ahmed Fahmy nun Haare und Bärte.

„Er wollte unbedingt hierher, weil wir viele Kunden aus dem Münchner Umland haben, die uns nun folgen“, erklärt Fahmys Ehefrau. Diesen Trend beobachtet auch Zellhuber: „Viele Friseure haben Stammkundschaft, die bei einem Umzug auch mehrere Kilometer Anfahrt in Kauf nehmen.“

Das Firmenschild für Fahmys „City Cut Express“ fehlt noch, doch Preisschilder im Schaufenster haben die Mitbewerber – der nächste residiert gleich auf der anderen Straßenseite – schon mal alarmiert. „Ich bin fast blind geworden, als ich die Tarife las“, sagt eine andere Friseurmeisterin, die „beim Vorbeifahren“ den neuen Salon betrachtet und „Dumpingtarife“ notiert hat.

Tatsächlich liegen Fahmys Preise bis zu acht Euro unterhalb des ortsüblichen Niveaus. Doch dass sie deshalb den Mitbewerbern Kundschaft abspenstig machen, glaubt Fahmys Gattin nicht. „Wir haben unser eigenes Klientel und unseren eigenen südländischen Stil.“

Dass ein Überangebot in dieser Branche schon länger eine haarige Sache ist, hatte das Tagblatt bereits 2016 unter dem Titel „Die Stadt der Friseure“ dokumentiert. Seinerzeit hatte Josef Wieser, Zellhubers Vorgänger im Obermeister-Amt, der in Fürstenfeldbruck ebenfalls einen Salon betreibt, gesagt: „Wer ehrlich arbeitet, hat eine gute Zukunft.“ Ein Problem sah er aber schon damals darin, dass sich neue Läden oft nicht an die Vorgaben der Handwerkskammer halten würden.

Fürstenfeldbrucks Kreishandwerksmeister Franz Höfelsauer ist zwar ein ehemaliger Bäcker, kennt aber die Sorgen seiner haarschneidenden Kollegen und wurde von der neuen Geschäftseröffnung auch gleich umgehend informiert: „Die Flut an neuen Friseurgeschäften macht uns zu schaffen, aber wir haben nun einmal Gewerbefreiheit.“ Im Zweifelsfall empfiehlt er den Mitbewerbern, für eine Überprüfung der Konkurrenz die Handwerkskammer einzuschalten. 2016 glaubte Kollege Wieser übrigens noch, dass sich der Markt langfristig bereinigen werde.

Ahmed Fahmy steht in seinem neuen Salon in der Schöngeisinger Straße.
Schnitt vorher in München und Germering Haare: Ahmed Fahmy hat jetzt einen Salon in der Schöngeisinger Straße. © Peter Loder

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