Wenn’s drinnen schon voll ist, muss man beim Aus- und Einsteigen besonders aufpassen. symbolFoto: dpa

Gedrängel und Hektik im 840er

Brucks vollster Bus wird videoüberwacht

Fürstenfeldbruck – Die Busline 840 ist die meistbefahrene in Fürstenfeldbruck. In den Hauptverkehrszeiten geht es eng und hektisch zu. Eine Bruckerin wurde jetzt in der Tür eingeklemmt. Bei der Gelegenheit stellte sich heraus: Die Wagen werden videoüberwacht.

Der 840er verbindet die S-Bahnhöfe Buchenau und Fürstenfeldbruck. Eines Dienstags um 10.52 Uhr steigt die 56-jährige Katharina Heidel mit ihrer dreijährigen Enkelin Franziska im Kinderwagen an der Buchenauer Straße in den Bus ein. Auch sie will zum Bahnhof Fürstenfeldbruck. Der Wagen ist schon voll. Doch die junge Oma hat einen dringenden Termin in München. Also quetscht sie sich doch noch rein. Drei Mütter, alle ebenfalls mit Kinderwagen, rutschten zusammen, um Platz zu schaffen.

An der Haltestelle Schöngeisinger Straße will dann eine der hilfsbereiten Frauen mit ihrem Baby den Bus verlassen. Damit sie aussteigen kann, klettert Katharina Heidel ebenfalls kurz ins Freie – ohne jedoch den Kinderwagen im Bus loszulassen. Als sie wieder einsteigen will, passiert es: Die Türe schließt sich.

Die 56-Jährige klemmt zwischen den Flügeln fest. Sie schreit bis der Fahrer aufmerksam wird und die Türen erneut öffnet. Katharina Heidel kann wieder einsteigen. Zwar bleibt die junge Oma unverletzt. Dennoch „überwiegt in diesem Augenblick eher der Schock“, wie sie später erklärt.

Kein Fehlverhalten zu erkennen

Die Bruckerin hat ähnliches bereits im Februar erlebt: An derselben Haltestation wurde sie eingeklemmt, damals litt sie sogar noch an den Folgen einer Operation und konnte sich nur langsam bewegen. Für die 56-Jährige wäre hier eine Entschuldigung oder zumindest eine Reaktion des Fahrers angebracht gewesen. Nichts davon sei erfolgt.

Bleibt die Frage: Wer hat denn nun eigentlich Schuld an der gefährlichen Situation? Um solche und ähnliche Streitfälle klären zu können, sind in den Bussen des Unternehmens Busverkehr Südbayern, das die Linie 840 betreibt, Überwachungskameras installiert. Auf Tagblattanfrage hat Geschäftsführer Wolfgang Riedlinger die Videos vom angegebenen Zeitpunkt gesichtet. Auf dem Material sei kein Fehlverhalten des Fahrers zu erkennen.

Der Bus sei zwar eindeutig mehr als überfüllt gewesen, so Riedlinger. Zudem sei der Transport von so vielen Fahrgästen mit Kinderwagen in der Regel nicht zulässig. Allerdings sei nicht zu erkennen, dass der Fahrer die Türen absichtlich geschlossen habe, geschweige denn, ob überhaupt jemand eingeklemmt wurde. Riedlinger beteuert darüber hinaus, kein Fahrer würde einen Passagier absichtlich zwischen den Flügeln der Tür einquetschen.

Unter immensem Druck

Auf der Linie herrsche oftmals Gedränge und Hektik. Das läge daran, dass viele Fahrgäste die S-Bahn erwischen müssen. Die Busfahrer stünden deshalb unter immensem Druck.

Um die Sicherheit der Fahrgäste, aber auch die des Fahrers zu gewährleisten, kommt seit 2014 in den Bussen des Unternehmens Videoüberwachung zum Einsatz. Vorbild dafür war die Stadt Dachau. Dort wird seit längerer Zeit der Busverkehr aufgezeichnet. Die Erfahrungen sind positiv. Selbst größere Konflikte konnten durch die Videos bereits geklärt werden. In Bruck sind noch nicht alle Wagen mit Kameras ausgestattet.

Bei schlimmeren Vorfällen, wenn sich zum Beispiel Fahrgäste verletzen oder der Busfahrer Opfer von Gewaltattacken wird, kann auch die Polizei Einsicht in das Videomaterial erhalten. „Das System ist vergleichbar mit der Überwachung an Bahnhöfen und in Zügen“, erklärt Hermann Seifert, der im Landkreis für die Abwicklung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zuständig ist. Wie bei der Bahn hat jedoch der Datenschutz höchste Priorität: Zuerst muss ein Grund zur Beschaffung des Materials vorliegen, dann werden die Videobänder entschlüsselt und genau geprüft. Die Aufzeichnungen sind nur kurze Zeit gespeichert und werden innerhalb von wenigen Tagen überschrieben.

Daher sollte man sich im Beschwerdefall auch möglichst schnell beim jeweils zuständigen Busunternehmen melden, rät ÖPNV-Experte Seifert. Normalerweise können durch die Aufzeichnungen Zwischenfälle geklärt werden, allerdings lassen sich ab und an derartig gegensätzliche Meinungen nur im beiderseitigem Dialog ausräumen. Der Busverkehr Südbayern ist nach eigener Aussage jederzeit dazu bereit. (Matthias Kast)

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