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Raupe Nimmersatt ist nicht zu stoppen

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Die Blätter des Buchsbaums sind die Leibspeise der Raupen des Buchsbaumzünslers.
Die Blätter des Buchsbaums sind die Leibspeise der Raupen des Buchsbaumzünslers. © Gehre

Jahrzehntelang zierte er Gärten, Parks oder Friedhöfe. Doch jetzt geht es dem Buchsbaum an den Kragen. Die Raupen des sogenannten Buchsbaumzünslers machen sich über das Gehölz her – auch im Landkreis. Experten prognostizieren schon das Ende des Ziergewächses.

Landkreis – Große Lücken klaffen im Garten von Anneliese Schröder. Wo Jahrzehnte lang die geliebten Buchsbäume standen, herrscht jetzt Leere. Acht Stück nannten die 79-jährige Emmeringerin und ihr Mann bis zum Spätsommer ihr Eigen, drei Pflanzen standen an einem Feldkreuz auf ihrem Grundstück. Doch dann kam der Buchsbaumzünsler – genauer gesagt die Raupen des kleinen Schmetterlings. In rasender Geschwindigkeit machten sich die gefräßigen Tierchen über die Ziergehölze der Schröders her. „Der Hundling ist so aggressiv“, sagt Anneliese Schröder. Mittlerweile haben sich die Schröders damit abgefunden. „Wir haben die Büsche schweren Herzens entfernt“, sagt die Rentnerin.

So wie den Schröders ergeht es derzeit vielen Gartenbesitzern im Landkreis. „Der Buchsbaumzünsler ist angekommen und zwar massiv“, erklärt Horst Stegmann, Geschäftsführer des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege. Zahlreiche verzweifelte Gartler würden sich immer wieder bei ihm melden. Viel Hoffnung kann Stegmann ihnen aber nicht machen. „Der Buchsbaum wird wohl verschwinden.“

Die Buchsbaum-Hecken vor dem Kloster Fürstenfeld sind bereits befallen.
Die Buchsbaum-Hecken vor dem Kloster Fürstenfeld sind bereits befallen. © Gehre

Darauf stellt sich auch Heinz Kraus, Leiter der Stadtgärtnerei Fürstenfeldbruck, ein. Auch dort haben sich die gefräßigen Raupen breitgemacht. Eine Bekämpfung der Schädlinge macht für Kraus nicht viel Sinn. „Alle kapitulieren. Sogar der Botanische Garten in München.“ Besonders betroffen ist in der Kreisstadt der Barockgarten auf dem Klostergelände. Verwunderlich ist das nicht. Insgesamt stehen dort rund 800 Meter Buchsbaumhecken. An einigen Stellen haben die Raupen bereits ganze Arbeit geleistet. Manche Pflanzen sind schon komplett kahl gefressen. In spätestens zwei bis drei Jahren seien die Hecken dort komplett verschwunden, schätzt Kraus. „Vielleicht auch früher.“

Die Vorbereitungen für die Zeit nach dem Buchs laufen auch in Germering. Dort fressen sich ebenfalls die nimmersatten Raupen durch die Bestände – vor allem auf den Friedhöfen, erklärt der Vizeleiter des Bauhofs, Michael Seeholzer. „Wir haben aber schon eine Alternative.“ Die Stadtgärtner setzen auf die japanische Stechpalme, auch Löffel-Ilex genannt. Die sieht dem Buchsbaum ziemlich ähnlich. Auf dem Speiseplan der gefräßigen Zünsler-Raupen steht sie aber nicht.

Anneliese Schröder hat an dem Feldkreuz, das sie pflegt, Tujen und Säulenwacholder gepflanzt.
Anneliese Schröder hat an dem Feldkreuz, das sie pflegt, Tujen und Säulenwacholder gepflanzt. © Gehre

An den Bauhöfen begegnet man dem Phänomen mit Pragmatismus. In vielen privaten Gärten ist das aber nicht so, weiß Gärtnermeister Florian Wohlfahrt aus Eichenau. Dort stehen die Gewächse oft seit Jahrzehnten, haben ihre Besitzer durchs halbe Leben begleitet. „Manche wollen es einfach nicht wahrhaben, dass der Buchs verschwindet“, sagt Wohlfahrt. Die Einsicht komme nicht selten erst, wenn nur noch kahle Buchsbaum-Gerippe im Garten stehen.

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Florian Wohlfahrt und sein Team kommen viel rum, gestalten Gärten im Landkreis, in München und darüber hinaus. Wohlfahrt beobachtet das Buchsbaumsterben schon seit geraumer Zeit und hat festgestellt: Je städtischer die Gegend, desto schneller verbreitet sich der Schädling. Im urbanen Raum, wo sich oft viele Gärten aneinander reihen, finden die Raupen einfach mehr Futter. Der Gärtnermeister hat daraus seine Konsequenz gezogen. „Wir pflanzen keine Buchsbäume mehr.“

Tobias Gehre

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