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Landratsamt und Verein informieren

Bürokratie bremst Flüchtlinge als Azubis

Die Integration von Flüchtlingen in die Arbeitswelt läuft vielerorts gut. Arbeitsverbot und drohende Abschiebungen bleiben aber ein Problem. Das wurde bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Landratsamt und dem Verein Europäische Metropolregion München (EMM) deutlich.

Fürstenfeldbruck - Zum zweiten Mal nach Mai 2016 hatten die Veranstalter nun Arbeitgeber aus dem Landkreis eingeladen, um unter dem Motto „Schätze heben im Landkreis Fürstenfeldbruck“ über die Möglichkeit einer Anstellung von Flüchtlingen zu informieren. „Seit der ersten Veranstaltung vor zwei Jahren ist das Thema in der Öffentlichkeit zwar nicht mehr so präsent, aber die Herausforderungen bleiben“, sagte Severin Göhl (EMM).

Die stellvertretende Landrätin Martina Drechlser erklärte, dass der Zuzug den Mangel an Fachkräften sicher nicht komplett ausgleichen könne. „Er ist aber trotzdem eine Chance für die Arbeitgeber.“ Diese Chance ergriffen hat zum Beispiel das Seidl-Hotel in Puchheim. Nach mehreren Praktika hat dort nun der Syrer Mohammad Al Talha eine Ausbildung begonnen. „Es ist von Anfang an gut gelaufen“, sagt Hotelmanager Jürgen Frankholz. Sehr gute Unterstützung habe man dabei vom Jobcenter erhalten.

Auch als der junge Syrer eine neue Wohnung suchte, sei ihm dabei geholfen worden. „Bei der Anstellung von Flüchtlingen muss man zwar einige bürokratische Hürden überwinden, aber es funktioniert“, sagte Frankholz. Für das Tagungshotel funktioniert es sogar so gut, dass man dort weiteren Flüchtlingen eine Chance geben will.

Flüchtlinge sind oft Glücksfall für Firma

Bei der Firma Doka in Maisach war man händeringend auf der Suche nach Bauzeichnern. „Es gab keine deutschen Kandidaten“, berichtete Michael Steinbauer, stellvertretender Personalleiter des Unternehmens. Deshalb sei es ein Glücksfall gewesen, dass man einen Syrer und einen Afghanen anstellen konnte. „Es gab auch keine Probleme untereinander wegen Nationalitäten, die Integration funktioniert gut“, sagte Steinbauer.

Gleichwohl schwebe gerade über dem Mitarbeiter aus Afghanistan ein Damoklesschwert: Weil seine Heimat als sicheres Herkunftsland gilt, ist die Bleibewahrscheinlichkeit gering. Trotz der so genannten 3+2-Regelung – ein Flüchtling in dreijähriger Ausbildung soll diese beenden und danach noch zwei Jahre in Deutschland arbeiten dürfen – sorge die Gefahr der Abschiebung auch für Unsicherheit bei dem Mitarbeiter.

Ein Problem bleibt auch, dass viele arbeitswillige Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen. Wie Andreas Buchner, Asylkoordinator des Landkreises, erklärte, gibt es in den ersten drei Monaten eines Asylbewerberverfahrens ein Arbeitsverbot. Gleiches gilt bei einer geringen Bleibewahrscheinlichkeit von unter 30 Prozent. „Das ist Gesetz, da können wir nicht aus“, sagte Buchner.

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