Kinder in der Pandemie
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Weil er noch keine Schulbegleitung hat, kann ein 14-Jähriger nicht in die Schule. (Symbolbild)

Schulbegleitung fehlt

Wegen neuer IQ-Bewertung: Bub kann nicht mehr in die Schule - Vater empört: „Man wird ja nicht dümmer“

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Ein 14-Jähriger aus Bruck würde gerne ganz normal in die Schule gehen. Aber er darf nicht – weil er einen Schulbegleiter braucht, der ihm für dieses Schuljahr noch nicht bewilligt wurde.

Fürstenfeldbruck – Peter L. (Name geändert) leidet an Diabetes Typ I und einer Entwicklungsverzögerung. Alle zwei Jahre bestätigt ein jugendpsychiatrisches Gutachten, dass er im Schulalltag auf Unterstützung angewiesen ist. Das hätte auch in diesem Jahr kein Problem sein sollen. Eine neue Ärztin attestierte dem Buben jedoch einen geringeren IQ als zuvor – und damit begannen die Schwierigkeiten.

Fürstenfeldbruck: Bub kann nicht mehr in die Schule - Bürokratie empört Familie

Vom IQ hängt nämlich ab, welcher Sozialhilfeträger zuständig ist – das Brucker Jugendamt oder der Bezirk Oberbayern. Die Grenze liegt bei einem Wert von 70. Durch die neue Begutachtung wäre Peter L. aus der Zuständigkeit des Jugendamts in die des Bezirks gerutscht. Für seine Eltern hätte das ein komplett neues Antragsverfahren bedeutet. Sie halten das Gutachten jedoch für fehlerhaft. „Man wird ja nicht dümmer“, sagt Peters Vater.

Er forderte die neue Ärztin auf, die früheren Unterlagen einzusehen und das Gutachten zu korrigieren. Inzwischen hat sie zugesagt, die Beurteilung zu ergänzen. Es sei möglich, dass durch mangelnde Aufmerksamkeit und Konzentration die Ergebnisse abweichen. Verknappt gesagt: Peter hatte bei der letzten Begutachtung wohl einfach einen schlechten Tag.

14-Jähriger verliert Anschluss in der Schule - Eltern wollen Klageweg beschreiten

Nun aber sitzt er zu Hause. Seine Eltern sind verzweifelt. Denn während medizinische Unterlagen ergänzt und Zuständigkeiten geklärt werden, verliert ihr Sohn den Anschluss. Sie wollten Peter deshalb ohne Schulbegleitung in den Unterricht schicken. Es gehe nur noch darum, den Blutzucker einmal pro Vormittag zu messen und eine Zwischenmahlzeit zu sich zu nehmen. Dabei brauche Peter nur noch wenig Unterstützung, sagt sein Vater.

Die Schule jedoch stellt sich quer. Ohne Begleiter könne man keinerlei Verantwortung für den 14-Jährigen übernehmen. „Die für die Klasse verantwortliche Lehrkraft kann den Gesundheitsstatus Ihres Sohnes nicht quasi nebenbei verantwortlich überwachen“, schrieb die Schulleitung an die Eltern.

Die jedoch verweisen darauf, dass Peter schulpflichtig ist und ihm die Teilnahme am Unterricht nicht verwehrt werden dürfe. Sie pochen darauf, dass der Ausschluss aus der Schule rechtswidrig sei und wollen den Klageweg beschreiten.

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