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Abschied und Neu-Anfang: Gerda Hasselfeldt verlässt den Bundestag. Katrin Staffler, von Hasselfeldt aufgebaut, hat nun das Direktmandat Bruck/Dachau inne.

Bundestagswahl 2017

CSU holt Direktmandat trotz Verlusten

Bayernweit waren die Verluste für die CSU dramatisch. Auch im Wahlkreis Bruck/Dachau musste die Union Federn lassen. Trotzdem wird die Region in Berlin wieder von einer CSU-Politikerin vertreten – nämlich von Katrin Staffler. Beate-Walter-Rosenheimer (Grüne) wird über die Liste erneut in den Bundestag einziehen. Michael Schrodi (SPD) dagegen ist wieder gescheitert.

Landkreis – Die Wahlparty im Landratsamt war in den vergangenen Jahren eher eine wohltemperierte Veranstaltung, die Lokalpolitiker und Pressevertreter zur Kontaktaufnahme nutzten. Heuer war das etwas anders. Die Frage, wie die AfD abschneiden würde, zog deutlich mehr Publikum an.

Gegen 18 Uhr versammeln sich die Anwesenden vor dem Fernseher. Als die ersten Hochrechnungen über den Bildschirm flimmern, ist es mucksmäuschenstill. Insbesondere CSU-Vertreter sind geschockt angesichts des Abschneidens ihrer Partei. Einige halten sich die Hand vor den Mund, andere wischen über ihr Smartphone.

Die CSU hat in Bayern und im Kreis bei der Zweitstimme eine heftige Watschn kassiert. Die Christsozialen kamen lediglich auf 39,8 Prozent. Sie verloren damit rund zehn Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl 2013. Großer Gewinner ist die AfD mit rund zwölf Prozent – bei einer hohen Wahlbeteiligung im Kreis bei 82 Prozent.

Überraschungsgast in Bruck: Ministerin Ilse Aigner.

Florian Jäger, der AfD-Direktkandidat, feiert an diesem Abend in Olching. Er sei sehr zufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei, aber auch mit seinem eigenen Abschneiden, sagt er. Er haben bei seinen Wahlkampfauftritten offenbar überzeugt. Er glaubt, dass viele Konservative von der CSU zur AfD gewechselt seien. „Die Leute haben gemerkt: Die CSU kann nicht halten, was sie verspricht.“ Jäger befindet sich auf Platz 15 der bayerischen AfD-Liste. Er glaubt am Sonntagabend, es sei vor dem Hintergrund von Ausgleichsmandaten noch nicht ausgeschlossen, dass er es noch in den Bundestag schaffen könnte.

Die Rechtspopulisten fahren ihre besten Ergebnisse bei der Zweitstimme in Oberschweinbach (14,1), Mittelstetten (13,4) und Moorenweis (13,2) ein. Die AfD-Hochburg befindet sich aber in Adelshofen. Hier wählen 15,4 Prozent aller Wahlberechtigten mit ihrer Zweitstimme die Rechtspopulisten. Die SPD kommt in der Gemeinde dagegen nur auf 9,6 Prozent.

Mit Familie: SPD-Kandidat Michael Schrodi neben Gattin Simone und Vater Franz.

Michael Schrodi (SPD), dem gute Chancen auf einen Einzug über die Landesliste nachgesagt worden waren, gestand seine Niederlage nach dem schlechten Ergebnis der SPD bereits am frühen Abend ein. Die SPD müsse sich völlig neu positionieren, das Ergebnis in Bayern sei desaströs, sogar existentiell bedrohend. „Es geht um das Überleben der Partei.“ Aufgrund der Entwicklungen in den Wochen und Tagen vor der Wahl habe er dieses Ergebnis befürchtet, sagte Schrodi. Der Wahlkampf der SPD nach dem Motto „Nur nicht zu mutig sein“, habe nicht gezündet. Seine persönliche Enttäuschung sei daher nicht so groß. Es habe ihn nicht mehr kalt erwischt.

Die ebenfalls gedrückte Stimmung der CSU ändert sich schlagartig gegen 19.45 Uhr. Als das Erststimmen-Ergebnis aus Landsberied an die Leinwand im Landratsamt geworfen wird, kommt Katrin Staffler mit ihrer Entourage zur Tür herein. Sie wird mit rhythmischem Klatschen empfangen.

Ihr sehr gutes Ergebnis im Wahlkreis ist an diesem Abend Balsam auf die CSU-Seele. Staffler umarmt minutenlang Menschen, die sie beglückwünschen. Und auch Gerda Hasselfeldt ist nun plötzlich da, um ihrer Nachfolgerin zu gratulieren.

Staffler kann sich über ein Ergebnis freuen, das deutlich über dem der CSU insgesamt liegt. Das zeige, dass im Wahlkampf gute Arbeit geleistet worden sei, meint sie. Sie habe stark auf Präsenz vor Ort gesetzt und damit Vertrauen gewinnen können, obwohl sie als neue Kandidatin antrat. „Ich war extrem viel unterwegs.“

Das beste Ergebnis fährt Staffler in Landsberied ein. Hier holt sie 54 Prozent aller Stimmen. Stark ist sie auch in Jesenwang (54, 1) und Moorenweis (53,8). In ihrer Heimatgemeinde Türkenfeld bekommt sie etwas mehr als die Hälfte aller Stimmen. Doch auch Staffler muss sich an diesem Abend mit dem Ergebnis der AfD beschäftigen. Das sei ein klarer Arbeitsauftrag, diese Partei zu stellen und eine bessere Alternative anzubieten. Man müsse das Schritt für Schritt aufarbeiten.

Da knallt der Korken: Die CSU feierte am späteren Abend im Gasthaus Brunello. Mit dabei (v.l.) Landrat Karmasin, Katrin Staffler, Dachaus Landrat Löwl, Wirt Antonio Di Gorga, OB Erich Raff und CSU-Kreisrat sowie Emanuel Staffler, Ehemann von Katrin Staffler.

Die frühe Absage der SPD an eine Große Koalition habe sie geärgert, sagt sie. Man müsse doch in Vernunft und aller Ruhe agieren und dürfe sich nicht mit einem Schnellschuss aus der Verantwortung ziehen. Staffler muss bereits am Dienstag in Berlin sein. Dann stehen erste Sitzungen der Landesgruppe und der Fraktion an.

Berlin ruft erneut: Beate Walter-Rosenheimer.

Der Wahlabend der Grünen aus Germering, Beate Walter-Rosenheimer, begann mit einer Panne: Ihr Auto blieb liegen. Sie musste den ADAC rufen und den Besuch in Dachau auslassen. In Bruck schüttelt sie an diesem Abend viele Hände. Als Fünftplatzierte auf der Liste der bayerischen Grünen zieht sie erneut in den Bundestag. Für die Grünen sei es ganz gut gelaufen, sagt sie. „Wir wollten zweistellig sein und sind nah dran.“ Was ihre Freude allerdings dämpfe, sei das Ergebnis der AfD. Zu einer mögliche Jamaika-Koalition äußert sie sich offen. „Es wird bestimmt schwer, aber wir müssen es schaffen.“ Eine Zusammenarbeit mit der CSU sei allerdings ein „großes Problem“.

Andreas Schwarzer (FDP) zeigte sich mit dem Ergebnis seiner Partei zufrieden, auch wenn er den Sprung nach Berlin nicht schaffte. Eine Jamaika-Koalition hält er für machbar. Er selbst überlegt, bei der Landtagswahl 2018 anzutreten.

Ilse Aigner als Überraschungsgast bei der historischen Staffelübergabe

„Vom Kreisverband Fürstenfeldbruck lernen, heißt siegen lernen“, sagte Landrat Karmasin in einer ersten Reaktion auf das Abschneiden der Direktkandidatin Katrin Staffler. Das Bayern-Ergebnis der CSU dagegen sei eine Katastrophe. Die CSU habe an Stimmen verloren, weil die Meinung vorherrsche, die Partei habe sich in der Flüchtlingsfrage nicht durchgesetzt. Das eigentliche Problem hier aber liege bei der CDU, die ihren Autismus in dieser Frage überwinden müsse. Viele konservative Wähler seien von der CSU zur AfD gewechselt. 

Auch die langjährige Wahlkreisabgeordnete Gerda Hasselfeldt (CSU) war bei der Party im Landratsamt. Sie gehe mit Dankbarkeit für 30 Jahre mit vielen Begegnungen und auch persönlichen Erfolgen, nach denen man das Gefühl gehabt habe, es habe sich gelohnt. 

Am Wahlkreis lag es nicht: Landtagsvize Reinhold Bocklet

Als Überraschungsgast wurde am späteren Abend Ministerin Ilse Aigner (CSU) im Landratsamt begeistert empfangen. Nach Bruck gekommen sei sie, da der Wechsel von Gerda Hasselfeldt zu Katrin Staffler eine historische Staffelübergabe sei und weil sie sich freue, eine gute neue Kandidatin im Bundestag zu haben. Aigner wollte auch den zweiten neuen Bundestagsabgeordneten der CSU aus Oberbayern, Michael Kießling aus dem neuen Wahlkreis Starnberg/Landsberg/Germering besuchen. 

Landtags-Vizepräsident Reinhold Bocklet (CSU) sprach von einem „halben Desaster“. Er machte Kanzlerin Angela Merkel für das Ergebnis verantwortlich. „Die ungeklärte Flüchtlingsfrage hat den Ausschlag gegeben.“ Auch der Kurs der CSU-Führung, Merkel einerseits zu kritisieren und sie andererseits zu unterstützen, sei in sich unstimmig gewesen. „Was die Union verloren hat, hat die AfD gewonnen.“ Für die Landtagswahl im nächsten Jahr müssten nun Konsequenzen gezogen werden. Über das gute Ergebnis von Katrin Staffler freute er sich. „Das zeigt: an uns lag es nicht“, sagte der Stimmkreisabgeordnete für den Brucker Ostkreis. 

Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) sagt, er habe das Ergebnis der AfD schon befürchtet. Angesichts der Verluste von SPD und CDU fragt er sich „ob wir die Leute noch verstehen?“

Von Thomas Steinhardt und Thomas Radlmaier

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