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Politik im Schnelldurchlauf

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Beim „Political Speed-Dating“ im Jugendzentrum (JUZ) diskutieren Vertreter der Nachwuchsorganisationen in den Parteien mit Erstwählern. Das Format ist spontan entstanden.

Fürstenfeldbruck – Theresa Stadlmayer, 22, hat die Karten auf den Tisch gelegt. Auf einer steht: „Türkei: EU-Beitritt abbrechen/unterbrechen?“ Diejenigen, die die Frage beantworten sollen, sind Thuy Tran und Maximilian Braun von der Jungen Union. Sie antworten abwechselnd. „Die Türkei tritt die Menschenrechte mit Füßen“, sagt Tran. „Aber man sollte die Gespräche nicht abbrechen lassen“, sagt Braun und verweist darauf, dass man sonst die deutschen Staatsbürger in türkischen Gefängnissen nicht mehr freibekomme. „Also momentan keinen EU-Beitritt, aber auf keinen Fall die Gespräche abbrechen“, sagt Tran. Nächste Frage: „Zurück zu einer deutschen Währung?“ Die JUler antworten schnell. „Nein!“ Nächste Frage.

Es geht Schlag auf Schlag an diesem Donnerstagabend im Jugendzentrum Nord. Beim „Political Speed-Dating“ stellen sich Vertreter der Jugendorganisationen der Parteien den Fragen von Erstwählern oder noch jüngeren Menschen, die sich für Politik interessieren. Die Regeln: Keine Regeln. Höchstens: Eine Partei, eine Bierbank. Wer diskutieren oder Inhalte erfahren will, hockt sich einfach dazu. Wem es bei der einen Partei zu langweilig wird, kann weiterziehen. Zur Inspiration kann man sich am Eingang ein paar Zettel schnappen mit 18 verschiedenen Themen, darunter „Verpflichtung, Fake News zu löschen“, „Bafög“, „Cannabis“ oder „Terrorismusbekämpfung in Deutschland“.

Jugendthemen

Das Speed-Dating wirkt erfrischend in einem Wahlkampf, der bisher nicht durch Jugendthemen aufgefallen ist, und passt zu einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne oft nicht länger ist, als ein Video auf Snapchat oder Instagram. Der Stadtjugendrat hat es organisiert. Ursprünglich war eine Podiums-Diskussion geplant. „Aber das ist ja immer das Gleiche“, sagt Katharina Stadlmayer, 18, vom Stadtjugendrat und winkt ab. Man habe sich spontan umentschieden. Statt eines Moderators sollen jungen Menschen selbst Fragen stellen und diskutieren, was sie interessiert.

Natalie Segasser, 15, und Lea Schellenberg, 17, sitzen Mitgliedern der Jungen Alternativen (JA) gegenüber, der Jugendorganisation der AfD. Es geht um das Flüchtlingsthema. Oliver Ratz, 22, von der JA, plädiert dafür, die deutschen Grenzen zu sichern, um Terroristen abzuwehren. „Aber wenn die Grenzen zugemacht werden, dann kann man den Flüchtlingen doch nicht mehr helfen“, sagt Natalie Segasser. „Doch, man kann ihnen helfen, und zwar in ihren Staaten“, erwidert Ratz. „Aber wenn die Grenze zugemacht wird, ist das nicht ein Zeichen, dass wir Angst haben?“, fragt die 15-Jährige. Jetzt kommt Ratz kurz ins Schleudern. Er überlegt und sagt: „Angst wäre es, wenn wir die Grenzen verrammeln würden. Wir sind für kontrollierte Grenzen.“

Es ist aber auch ein Abend der Jugendprobleme. Am Tisch der Jusos geht es um das Thema Wohnen, und dass man es sich als Studienanfänger kaum leisten kann, zu Hause auszuziehen. Die Jungen Liberalen dagegen plädieren für die Legalisierung von Cannabis. Das sehen viele hier so – übrigens auch die Vertreter der Partei „Die Partei“. An deren Biertischgarnitur, wo es AfD-Getränke gibt, werden aber auch die üblichen Themen diskutiert, etwa Tempolimit auf Autobahnen. Da sei man grundsätzlich dafür, sagt Florian Geys. Ausnahme: „Bei illegalen Autorennen.“

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