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Fährt künftig öfter: Die Busse der Linie 840 in der Buchenau und Bruck bekommen einen Zehn-Minuten-Takt.

ÖPNV im Brucker Land

Busnetz wird für 900 000 Euro ausgebaut

Das Busangebot im Landkreis wird immer weiter ausgebaut. Erneut haben die Verantwortlichen im Kreistag ein umfangreiches und teures Paket zur Ausweitung des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) auf den Weg gebracht – samt der Vision vom Car-Sharing und Leih-Fahrrad.

Fürstenfeldbruck –Landrat Thomas Karmasin (CSU) sprach angesichts signifikant steigender Fahrgast-Zahlen in Linienbussen von einer Sternstunde des ÖPNV und einem bevorstehenden Feuerwerk an Verbesserungen. Kreisrätin Christina Claus (Grüne) erinnerte daran, dass ihre Partei einst verlacht wurde, wenn sie mehr Busse forderte. Damals sei immer die Rede von den drei „A“ gewesen: Nur Azubis, Alkoholiker und Arme nutzten Busse, habe es geheißen. Heute trete sogar die CSU für den ÖPNV ein.

Tatsächlich fielen fast alle Beschlüsse in diesem Zusammenhang im zuständigen Planungsausschuss des Kreistags einstimmig. Nur Finanzreferent Johann Thurner (FW) richtete sich einmal mit mahnender Stimme an die Kreisräte („Meine Kollegen“), als er daran erinnerte, dass das in kurzer Zeit auf den Weg gebrachte Maßnahmen-Bündel, das freilich noch weitere Gremien passieren muss, zusätzlich zum aktuellen ÖPNV-Jahresdefizit (um die 6 Millionen Euro) über 900 000 Euro im Jahr kosten werde.

Die Neuerungen im Einzelnen

1. Nachtbusse: Die bisher nur in Nächten vor freien Tagen verkehrenden Nachtbuslinien N 80 und N 81 (Pasing, Germering, Olching, Puchheim) fahren ab Dezember 2017 auch an Werktagen. Geplant ist eine neue morgendliche Frühfahrt, startend etwa um 4.02 Uhr in Pasing . Das soll die Lücke in der S-Bahn-Betriebszeit schließen.

2. Linie 840: Auf der Buslinie 840 in der Buchenau und Fürstenfeldbruck ersetzt ab September 2017 ein Zehn-Minuten- den bisherigen 15-Minuten-Takt. Begründung ist die in kurzer Zeit um 17 Prozent gestiegene Anzahl der Fahrgäste. Zudem kommen spätestens im Dezember Schulkinder dazu, die bisher eine eigene Linie hatten. Der Zehn-Minuten-Takt wird werktags in Bruck vorerst ab 6.10 Uhr gefahren, in der Buchenau ab 5.40 Uhr. Auf der Linie soll ein vierter Hybridbus eingesetzt werden.

3. Linie 871:Um eine morgendliche Fahrt erweitert werden soll auch die Linie 871 zwischen Egenhofen und Maisach. Der zuletzt für die Linie beschlossene 15-Minuten-Takt habe eine Verdreifachung der Fahrgastzahlen mit sich gebracht, heißt es zur Begründung. Werktäglich nutzen 1811 Fahrgäste diese Verbindung.

4. Neues West-Konzept: Generell neu konzipiert werden soll das Angebot im Westkreis. Weil im Dezember 2017 die neue Linie 820 (Seefeld-Hechendorf bis Bruck) startet, würden andere Verbindungen südlich und nördlich der S 4 obsolet, hieß es unter anderem. Die veränderten Linien sollen besser aufeinander und auf den S-Bahn-Takt abgestimmt werden. Das hat etwa zur Folge, dass die Örtlein Zankenhausen und Pleitmannswang bei Türkenfeld einen Bus-Stunden-Takt zu S-Bahnhöfen bekommen. Jesenwang könnte zu einer Drehscheibe und einer multimodalen Schnittstelle werden. Das bedeutet, dass dort auch Leih-Räder und Autos zu Verfügung gestellt werden könnten.

5. Nach Egling:Völlig neu geschaffen werden soll im Dezember 2017 eine Verbindung zwischen Egling an der Paar (Ammerseebahn) und Grafrath. Hier ist ein Probebetrieb beabsichtigt. Ebenfalls testweise neu gestaltet wird frühestens ab Dezember 2018 eine Verbindung von Geltendorf nach Mammendorf. Das wäre eine Tangentiale zwischen S 4 und S 3 respektive dem Fuggerexpress. Erstmals angebunden werden könnte so auch der Freizeitpark Mammendorf. Die Haltestelle soll nahe dem früheren Neukauf liegen.

6. Koordinator: Ebenfalls auf den Weg gebracht wurde in diesem Zusammenhang die Schaffung einer neuen Vollzeitstelle im Landratsamt. Ziel ist die Koordinierung und Einführung multimodaler Knotenpunkte unter Einbeziehung von Leihrad- und Carsharing samt E-Mobilität. Hier geht es dem Landkreis weniger um die Schaffung eigener Systeme, sondern um Einheitlichkeit und die Planungshoheit zur Abwehr von privaten Rosinenpickern.

7. E-Ticket und mehr:Eines der Ziele, ganz generell, ist die Einführung eines Entfernungstarifs samt E-Ticket – und zwar alles aus einer Hand. Zudem bereits im Hintergrund in Planung, wie der Kreis-ÖPNV-Experte Hermann Seifert am Tag nach der Sitzung dem Tagblatt sagte: Die Einrichtung von kostenlosem Wlan in den Bussen.

Dies alles sei ein kleiner Schritt für Hermann Seifert, kommentierte Landrat Karmasin in der Sitzung. „Aber ein großer Schritt für den Landkreis.“ (st)

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