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Butler Gerd Gartz schenkt Henriette von Bohlen und Halbac h Champagner ein. Im Streit um derartige Fotos zog der Ex-Butler jetzt vor Gericht.

Vor dem Amtsgericht

Butler will Jetset-Erinnerungsstücke zurück

Viele Jahre hat Gerd Gartz als Butler für den Krupp-Erben Arndt von Bohlen und Halbach gearbeitet. Nach dessen Krebstod 1986 blieb er Ehefrau Prinzessin Henriette von Auersperg treu verbunden. Inzwischen ist Gartz seit zehn Jahren in Rente. Doch die Erinnerungen an das Ehepaar hütet der 73-Jährige wie einen Schatz.

Fürstenfeldbruck – Wegen einer Fotosammlung und persönlichen Briefen zog er jetzt sogar vor das Brucker Amtsgericht. Korrekt gekleidet in Anzug und Krawatte – letztere stammt wie Gartz stolz berichtet vom verstorbenen Münchner Modezar Rudolph Moshammer – erschien er zur Verhandlung.

Gartz hatte einen Brucker verklagt. Einen Mann, den er vor etwa zwei Jahren beim Baden kennen gelernt hatte. „Wir waren dann gut befreundet“, sagt Gartz gegenüber dem Tagblatt. Der Brucker habe ihm bei der Benutzung des Internets geholfen. Dafür habe er ihm den ein oder anderen Auftrag zugeschanzt.

Der Brucker habe sich auch sehr für das außergewöhnliche Leben des ehemaligen Promi-Butlers interessiert. Deshalb habe er ihm die Briefe und Fotos überlassen – leihweise wie Gartz beteuert. Die Briefe stammen von Henriette von Bohlen und Halbach. „Sie haben einen unschätzbaren Wert“, wie er betont. Die Schreiben seien sehr persönlich. Seine Ex-Dienstherrin betitele ihn darin als „Lieber treuer Gerd“. Einmal schildert Sie ihm den Besuch bei Fidel Castro in Kuba mit einer Jacht von Freunden, einmal geht es um ihr herrschaftliches Anwesen in Marrakesch, das Gerd Gartz zu ihrer Ankunft festlich geschmückt hatte. „Ich hatte fast den ganzen Blumenmarkt aufgekauft, sie hat sich riesig gefreut“, erinnert sich der 73-Jährige.

In den beiden Fotoalben waren nicht nur Bilder von Mitgliedern des Jetsets der 1950er und -60er Jahre, etwa von Curd Jürgens und Uschi Glas, sondern auch Aufnahmen vom Besuch des thailändischen Königspaares bei der Firma Krupp in Essen im Jahr 1950. Hinterhältig habe der Brucker ihm alles entlockt, erklärte der Ex-Butler vor Gericht.

Der so gescholtene stellte die Sache aber ganz anders dar. Gartz habe ihm das gesamte Material geschenkt. Als Gartz es wiederhaben wollte, verweigerte er die Herausgabe. „Die Originalfotos zeigen mir die Aura der Zeit“, erläutert er seine Weigerung. Und mit Hilfe der Briefe wolle der an Geschichte, Politik und Astrologie Interessierte mehr Einblick in das Leben Arndt von Bohlen und Halbachs bekommen.

So oder so: Nach geltender Rechtslage, so die Richterin, müsse der Ex-Butler nachweisen, dass Fotos und Briefe keine Schenkung waren. Gartz quittierte das mit eher wenig wohl gewählten Worten. „Da müsste ich doch bescheuert sein, die Sachen zu verschenken.“ Nach kurzer Beratung mit seinem Rechtsanwalt Markus Streng zeigte er sich dann aber kompromissbereit – sein Prozessgegner ebenso. Denn eine Entscheidung der Richterin hätte zur Folge haben können, dass der frühere Butler Briefe und Fotos niemals wiedergesehen hätte.

Die Kontrahenten einigten sich darauf, dass der Brucker sämtliche Fotos behalten darf, er Gartz aber Abzüge davon zur Verfügung stellen muss. Die Briefe müssen sich die beiden teilen. Die Schreiben, die Gartz nicht im Original zurückerhält, wird der Brucker ihm in Kopie zur Verfügung stellen. Aus der Welt sind mit dieser Einigung auch zwei Strafanzeigen. Der Brucker hatte Gartz wegen Hausfriedensbruchs angezeigt, dieser sei immer wieder bei ihm zu Hause aufgetaucht. Im Gegenzug verpflichtet sich Gartz, seine Anzeige gegen den ehemaligen Freund wegen Unterschlagung zurückzuziehen. Die Freundschaft der beiden Männer aber ist über die Briefe und die Fotos unwiederbringlich zerbrochen.

Dass Gartz die Fotos wieder haben wollte – zumindest in Kopie, hat einen aktuellen Grund. Der 73-Jährige hat sich zwar beruflich zur Ruhe gesetzt, ist aber durchaus immer noch sehr umtriebig. Neben verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten zum Beispiel bei der Tafel in seiner Heimatgemeinde Oberhaching, arbeitet er derzeit an einem Projekt zur Bayerisch-Thailändischen Freundschaft. Anlässlich der Krönung des Thai Prinzen Maha Vajralongkorn, der in Tutzing eine Villa besitzt und bekanntlich gerne in Oberbayern radelt, arbeitet er an einer Collage. Dafür braucht er ein Bild des Besuches des verstorbenen Königs Bhumipol und seiner Königin Sirikit bei Krupp. (sk)

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