Mann mit Kind und einer amerikanischen Flagge
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Manfred Gämmerler lebt seit 26 Jahren in den Staaten und konnte die Ereignisse kaum fassen. 

Seit 26 Jahren in den Staaten

Capitol-Sturm: Brucker Auswanderer sind fassungslos

  • Peter Loder
    vonPeter Loder
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Der Sturm aufs Capitol in Washington hat die Welt erschüttert. Auch ein in die USA ausgewanderter Emmeringer ist geschockt – ebenso wie ein in Brucks Partnerstadt Wichita Falls stationierter Pilot und sein in Kalifornien lebender Bruder, der Donald Trump persönlich kennt.

  • Die Bilder des Sturms auf das Capitol gingen um die Welt.
  • Schockiert haben sie auch einen in die USA ausgewanderten Emmeringer.
  • Entsetzt ist auch Rudi Dullien, der als Pilot in den USA stationiert war, und noch gute Kontakte hat.

Landkreis – Seit 26 Jahren lebt Manfred Gämmerler (64) in den USA. Auch an dem gebürtigen Emmeringer sind die Ereignisse vom Dreikönigstag nicht spurlos vorüber gegangen. Zwar weit weg von Washington, trotzdem irgendwie hautnah dabei, erlebten er und seine Familie daheim im eigenen Haus in Lafayette bei Indianapolis die dramatischen Stunden. „Mein Sohn ist in die Küche gestürmt und hat uns auf die Liveberichte im Fernseher aufmerksam gemacht. Wir waren schockiert.“ Doch im gleichen Atemzug fügt er hinzu: „Das ist nicht unser wahres Amerika. Die Demonstranten waren Verrückte, wie es sie auch in Deutschland gibt.“

Dennoch ist der US-Bayer ernüchtert. „Unser Land ist gespalten wie nie zuvor“, sagt der ehemalige Automechaniker, der mittlerweile zwar Rentner ist, aber trotzdem noch ein paar Tage in der Woche bei seiner Firma (Walter’s Auto Import Repair) aushilft. Manfred Gämmerler – in den Staaten heißt er wegen in der englischen Sprache fehlenden Umlaute Fredie Gammerler – ist zwar mit einer Amerikanerin verheiratet, will aber die Staatsbürgerschaft nicht annehmen und muss alle zehn Jahre seine Green Card und damit die Aufenthaltserlaubnis erneuern lassen. Deshalb ist er auch nicht wahlberechtigt.

Alle in der Familie sind Demokraten

Einen politischen Standpunkt hat er trotzdem: „In unserer Familie sind alle Demokraten“. Dabei sei die unmittelbare Umgebung in „seinem“ Bundesstaat Indiana mit rund 80 Prozent Trump-Wählern fest in Republikaner-Hand. Auch Freunde in der Nachbarschaft gehören dazu. Jimmy etwa, mit dem Fred leidenschaftlich über Politik streiten könnte, es aber nicht tut: „Ein strikter Grundsatz ist: Keine Politik im Haus.“ Das gilt auch im Umgang mit einer weiteren Nachbarin, die zwar Krankenschwester, aber dennoch bekennende Corona-Leugnerin ist. Seit einigen Tagen hat Gämmerler keinen Kontakt mehr zu ihr. Grund: „Sie ist selbst erkrankt und in Quarantäne.“ Weshalb der US-Bayer noch nicht anklopfen und nachfragen konnte, wie sie jetzt zum Virus stehe.

Auch Rudi Dullien hat viele Jahre in Amerika verbracht. Er ist überrascht, wie viele Trump-Fans es gibt. 

Weil auch Waffen beim Sturm aufs Capitol im Spiel waren, beschäftigt den 64-Jährigen auch diese stets präsente Gefahr. Sein Schwiegersohn arbeitet sogar in einem Waffengeschäft. „Er hat mir gesagt, dass sie noch nie noch so viel Umsatz gemacht haben wie in den vergangenen Monaten.“ Gämmerler selbst hat weder Schrotflinte noch Revolver im Haus. „Ich fühle mich trotzdem sicher und von der Polizei gut geschützt.“ Sollte es corona-bedingt keine Einschränkungen geben, will er noch heuer wieder seinen Heimatort Emmering besuchen, wo im Mutterhaus an der Estinger Straße noch immer eine kleine Wohnung für ihn eingerichtet ist. Denn trotz seiner dauerhaften USA-Präsenz vergehe kein Tag ohne ein gewisses Heimweh: „Ich bin auch nach 26 Jahren noch kein echter Amerikaner und werde wohl auch nie einer werden.“ Und fügt im besten Dialekt hinzu: „Mia Bayern san hoit in Bayern dahoam.“

Viele Bekannte sind Trump-Fans

Wieder daheim an der Amper ist Rudi Dullien. Der 71-Jährige verbrachte den Großteil seines Lebens als Bundeswehr-Fluglehrer in Brucks texanischer Partnerstadt Wichita Falls. Noch immer hat er Kontakte in die USA. Vor allem zu seinem im Demokraten-Land Kalifornien lebenden Bruder Thomas. Und der kennt als Top-Manager in der Casino-Branche Donald Trump sogar persönlich. Die Brüder sind sich nach den Ereignissen in Washington einig: „Wir haben das kommen sehen.“ Der eine aus näherer, der andere aus etwas fernerer Perspektive.

Rudi Dullien: „Ich habe etliche Bekannte in Führungspositionen – also alles andere als dumme Leute – und war richtig geschockt, dass sich so viele als Trump-Fans entpuppt haben.“ Der Ex-Pilot sieht die USA nach dem Absturz des Präsidenten aber wieder im Steigflug und ist optimistisch: „Die Sache wird sich schnell beruhigen, wenn Trump erst mal von der Bildfläche verschwunden ist.“

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