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Enno w. Steffens ist Geschäftsführer der Stadtwerke Fürstenfeldbruck.

Interview mit Enno W. Steffens

„Drückerkolonnen ziehen unsere Kunden über den Tisch“

Nachdem die Stadtwerke Fürstenfeldbruck ein Unternehmen wegen wettbewerbswidrigem Verhalten abgemahnt haben, hat das Tagblatt mit Firmen-Chef Enno W. Steffens gesprochen.

Fürstenfeldbruck – Immer wieder versuchen Firmen, mit unlauteren Methoden an Kunden der Stadtwerke Fürstenfeldbruck zu kommen. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer der Brucker Stadtwerke, Enno W. Steffens.

Wer mit Ihnen über unseriöse Werbepraktiken bei Stadtwerke-Kunde spricht, stellt eine leichte Genervtheit fest. Warum?

Ja, das nervt echt. In letzter Zeit wurde uns ziemlicher Ärger bereitet. Unsere Bürger, von denen viele unsere Kunden sind, werden von – man muss es einfach mal so sagen – Drückerkolonnen an der eigenen Haustüre über den Tisch gezogen. Sprechen wir die Wettbewerber auf diese unerlaubte Vorgehensweise an, wird dementiert und klein geredet.

Betrüger verkleiden sich mit T-Shirts mit dem Stadtwerke-Logo darauf

Wie genau läuft die Masche der unseriösen Werber?

Wiederholt stellen wir fest, dass unsere Bürger an der Haustür von falschen Stadtwerke-Mitarbeitern zum Abschluss von Stromverträgen überredet werden. Die Betrüger gehen dabei soweit, dass sie sich mit T-Shirts die mit unserem Logo bedruckt sind, verkleiden, um so das Vertrauen der Kunden zu erschleichen. Es kommt noch an der Haustüre zum Vertragsabschluss. Manche Kunden stellen erst hinterher fest, dass etwas merkwürdig war und melden sich dann bei uns. Hier erfahren Sie dann erstmals, dass Sie plötzlich keinen Vertrag mit uns mehr haben, sondern mit dem Wettbewerber – oftmals mit einem ganz anderen Strom-Mix, als bei uns. Auch stellen wir fest, dass die Kunden nicht über ihr gesetzliches Widerrufsrecht informiert werden, obwohl es hierzu eine gesetzliche Pflicht gibt. Das haben wir vor Kurzem wieder erlebt. Wir haben unter Nennung mehrerer Vorfälle den Wettbewerber aufgefordert, diese Methoden bleiben zu lassen. Die Ausreden des Wettbewerbers nerven dann erst recht. Es handle sich um Einzelfälle oder die Fälle würden nicht den Tatsachen entsprechen.

Wer steckt dahinter?

Unterschiedliche Anbieter – die jüngsten Vorfälle sind auf den Berliner Stromlieferanten lekker Energie GmbH zurückzuführen. Hundertprozentiger Gesellschafter davon sind die Stadtwerke Krefeld (Nordrhein-Westfalen). Wenn man also genauer hinschaut, stellt man fest, dass hinter dem Anbieter über Umwege ein kommunaler Gesellschafter steckt. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

Warum versuchen andere Firmen Ihrer Meinung nach überhaupt, mit solchen Tricks zu arbeiten?

Das ist für mich ganz klar. Wir, die Stadtwerke Fürstenfeldbruck, genießen bei den Kunden ein hohes Vertrauen. Das ist bekannt und schwarze Schafe versuchen, hier Trittbrett zu fahren.

Stadtwerke Fürstenfeldbruck haben eine Unterlassungserklärung eingefordert 

Wie sind Sie auf das Phänomen aufmerksam geworden?

Unsere Kunden haben sich gemeldet, nachdem ihnen diese Masche an der eigenen Haustüre merkwürdig vorkam.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Wir haben juristische Schritte ergriffen und lekker Energie GmbH aufgefordert, eine Unterlassung zu erklären. Außerdem haben wir umgehend unsere Kunden über die regionalen Medien informiert und bieten Hilfe an.

Wie können sich Stadtwerke-Kunden schützen, beziehungsweise, wie können Sie die Masche durchschauen?

Ganz einfach: keine Haustürgeschäfte abschließen. Lassen Sie sich den Firmenausweis zeigen. Unsere Mitarbeiter kommen nie unaufgefordert einfach so vorbei, um einen Vertrag abzuschließen. Einmal im Jahr kommt der Ableser und der kann sich offiziell ausweisen.

Was spricht Ihrer Meinung nach für die Versorgung durch die Stadtwerke?

Unserer Strom besteht zu hundert Prozent aus Ökostrom und das zu einem attraktiven Preis. Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck bieten persönlichen Service vor Ort. Wir gehören zur Stadt und dem Landkreis einfach dazu und das bereits seit 125 Jahren. Auf uns ist Verlass. Und wenn einmal etwas nicht so klappt, sind wir auch morgen noch da und ansprechbar. Und nicht zuletzt: Jeder Stadtwerke-Kunde leistet einen Beitrag für die Stadt und die Region. Denn Gewinne fließen nicht in ferne Unternehmen ab, sondern bleiben hier und kommen so der heimischen Bevölkerung zugute.

Das Gespräch führte: Thomas Steinhardt

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