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Das war’s: Mit Klaus Linkel (l.) verabschiedet sich die Chorgemeinschaft von den Neujahrskonzerten.

In Fürstenfeldbruck

Chorgemeinschaft: Das Ende der Neujahrskonzerte

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Aus und vorbei: Nach der ersten Zugabe ließ Moderatorin Lilli Linkel die Bombe platzen. Das diesjährige Neujahrskonzert der Chorgemeinschaft war das letzte seiner Art. Damit endet nach 24 Jahren eine Tradition, die vielen ans Herz gewachsen war.

Fürstenfeldbruck Ein vernehmliches „Oh“ des Bedauerns ging durch den Stadtsaal, als sich die Ehefrau von Ehrenchorleiter Klaus Linkel im Namen der Mitwirkenden vom Publikum verabschiedete. Auch die Chorgemeinschaft hat „eine Träne im Knopfloch“, wie die Vorsitzende Helga Lindner dem Tagblatt gegenüber einräumt. „Es ist ein Vernunftabschied.“

Der 71-jährige Klaus Linkel, der nach einem Hörsturz kürzertreten wollte, hatte sich als Chorleiter bereits 2017 zurückgezogen, das Neujahrskonzert aber zunächst noch weitergeführt. Die Idee war, dass sein Nachfolger Bernhard Westermaier einen Teil der Probenarbeit leiten und Linkel lediglich die letzte Vorbereitungsphase übernehmen sollte. Doch Westermaier verließ den Chor bereits im Juni 2018 wieder. Linkel sprang noch einmal in die Bresche und übernahm die kommissarische Leitung bis Ende des Jahres.

Ab nächster Woche hat die Chorgemeinschaft einen neuen musikalischen Chef: Hans-Peter Pairott, Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule München und des Kirchenchors in seinem Wohnort Emmering. Bereits im Mai wird die Chorgemeinschaft im Rahmen der Kreiskulturtage das erste Mal unter Pairotts Leitung auftreten. Ein weiteres Konzert ist für Ende November geplant. „Da bleibt keine Zeit, parallel ein Neujahrskonzert einzustudieren“, sagt Helga Lindner.

Linkel habe bereits vor seinem Hörsturz signalisiert, dass irgendwann Schluss sein müsse – der 71-Jährige blickt mittlerweile auf eine 37-jährige Zusammenarbeit mit dem Chor zurück. Lindner macht kein Hehl daraus, dass man mit dem Neuanfang vor allem auf eines hofft: Nachwuchs. „Wir brauchen dringend neue Sängerinnen und vor allem Sänger.“

Die Situation bei den Männerstimmen sei mittlerweile so prekär, dass zwei Frauen bei den Tenören mitsingen müssen. „Das machen sie richtig gut“, wie Lindner betont. Trotzdem wünscht man sich zur Verstärkung mehr männliche Tenöre und überhaupt ein paar jüngere Gesichter, um die Zukunft zu sichern.

Nicht, dass man dem Chor beim letzten Neujahrskonzert irgendeine Schwäche angemerkt hätte. Gemeinsam mit den Profi-Solisten Màrta Kosztolàny (Sopran), Dora Garciduenas (Soubrette), Christian Bauer (Tenor) und Torsten Frisch (Bariton) zogen die Sänger noch einmal alle Register ihres musikalischen und darstellerischen Könnens. Denn es wurde nicht nur gesungen, sondern bei Stücken wie „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“ auch getanzt und gestikuliert.

Das schwungvolle Programm verstand sich als einzige große Ballnacht, auf der sich unter anderem die Protagonisten aus Johann Strauß’ „Fledermaus“, Franz Lehàrs „Lustiger Witwe“ und Leonard Bernsteins Musikcal „Candide“ tummelten. Zwischen bekannten Operetten-Hits rund um die schönste Nebensache der Welt („Gern hab’ ich die Frau’n geküsst“, „Meine Lippen, die küssen so heiß“) hatte Linkel Raritäten gestreut, darunter das „Bacchanal der Geister“ aus Carl Millöckers Operette „Das verwunschene Schloß“.

Torsten Frisch vertauschte zwischenzeitlich den Frack mit dem Hawaiihemd und gab „Bin nur ein Jonny“ aus Paul Abrahams „Blume von Hawaii“ zum Besten. Moderatorin Lilly Linkel lieferte in Gestalt einer Society-Reporterin Klatsch und Tratsch aus der vornehmen Gesellschaft.

Auch das ebenfalls schon traditionelle amüsante Wortgefecht mit Ehemann Klaus durfte nicht fehlen. „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ – Wehmut schwang mit bei der zweiten Zugabe, bevor mit dem Radetzky-Marsch und einem goldenen Glitzerregen der Abend endete wie alle Neujahrskonzerte zuvor. Nur eben zum letzten Mal.

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