Ein Testhelfer nimmt einen Abstrich bei einem Autofahrer.
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Jannik Winkler, Abiturient aus dem vergangenen Jahr, half anstatt im Zeltlager im Corona-Testzentrum aus. (Symbolbild)

Nachgefragt bei den Absolventen aus 2020

Nach dem Corona-Abitur: Helfer im Testzentrum statt Zeltlager

  • Lisa Fischer
    vonLisa Fischer
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Die Corona-Pandemie hat den Schulabschluss der Gymnasiasten 2020 ganz schön durcheinander gewirbelt. Abiturfahrten wurden abgesagt. Und wie es mit Reisen ins Ausland oder der beruflichen Zukunft aussehen würde, war plötzlich ungewiss. Auf der anderen Seite machten die Absolventen ganz neue Erfahrungen.

  • Die Abiturienten aus dem letzten Jahr waren durch die Corona-Pandemie besonders gefordert.
  • Nach dem Schulabschluss wurden Abiturfahrten und Auslandsreisen fast durchgehend abgesagt. Studium- und Ausbildungsbeginn stand in den Sternen.
  • Für einige Abschluss-Schüler standen dafür ganz neue Erfahrungen und Erlebnisse offen.

Landkreis – „Ursprünglich war von der Kirche aus ein Zeltlager geplant“, sagt der Abiturient Jannik Winkler. Doch eine Woche lang zu zehnt in einem Zelt schlafen, das war zu riskant. Stattdessen bot sich dem 20-jährigen Gröbenzeller eine ganz neue Erfahrung. „Ich war als ehrenamtlicher Corona-Testhelfer tätig.“ Winkler half bei der Teststation am Münchner Hauptbahnhof, in der Hasenheide und am Flughafen aus. Winklers Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik folgte danach wie geplant im September – in einer Branche, die von der Corona-Krise schwer getroffen ist.

In seinem Ausbildungsbetrieb gibt es trotz Lockdown aber genug zu tun. „Wir arbeiten viel mit Veranstaltungen per Live-Übertragung“, erzählt Jannik Winkler. Im Endeffekt dürfe er sich sowieso nicht beschweren: Einige seiner ehemaligen Mitschüler seien in Kurzarbeit. Der Unterricht in der Berufsschule startete zunächst normal, im Präsenzunterricht – mittlerweile lernt der 20-Jährige wie viele Schüler online.

Nach dem Corona-Abitur: Ausbildung in einer Apotheke

Obwohl die Abifeier nur im kleinen Kreis stattfand, hatte sich Hannah Ullmann fein herausgeputzt.

Bei der Emmeringerin Hannah Ullmann lief der Unterricht an der Hochschule von Anfang an nur virtuell ab. Sogar die Einführungsveranstaltung zu ihrem dualen Studium im Fach Gesundheitsmanagement war digital. Kommilitonen oder Dozenten hat sie bisher „leider noch nicht“ real getroffen. Dafür aber ihre Kollegen aus der Apotheke – ihrem Ausbildungsbetrieb – und zahlreiche Kunden, die unter anderem einen Mund-Nasen-Schutz gekauft haben. Über die großen Masken-Lieferungen, die in der Apotheke eintrafen, staunt sie heute noch. „Das war alles sehr spannend.“ Was der 19-jährigen Studentin jedoch fehlt, ist das Basketball-Training beim TuS Fürstenfeldbruck. „Wir hoffen alle sehr, dass wir bald wieder trainieren dürfen.“

Nach dem Corona-Abitur: ZDF-Dreh für den Schwarzwaldkrimi - von der Außenwelt fast abgeschottet

Auch Jonas Walcher (19) aus Olching brennt darauf, bald wieder bei der HSG Gröbenzell Handball spielen zu dürfen. Nach dem Abitur im Sommer habe die Mannschaft noch fleißig trainiert. Kurz vor dem ersten Spiel wurde die Saison jedoch abgesagt. Spannung brachte dem Abiturienten vom Olchinger Gymnasium ein weiteres Hobby: die Schauspielerei. Hin und wieder steht der BWL-Student vor der Kamera, so auch im vergangenen Jahr für die Krimireihe Schwarzwaldkrimi im ZDF. „Es war total interessant, einen Film zu drehen während Corona“, erzählt Jonas Walcher. Die Schauspieler wurden regelmäßig getestet und lebten während des Drehs fast abgeschottet in ihrer eigenen Welt.

Nach dem Corona-Abitur: Medizinstudium und Praktikum im Klinikum

Sophia Veneris studiert jetzt Medizin an der Uni in Erlangen.

Raus aus der Heimat und rein in eine neue Welt im Frankenland: Das erlebte Sophia Veneris, Abiturientin am Gymnasium St. Ottilien, nach ihrem Schulabschluss. Die 18-Jährige studiert Medizin in Erlangen. Für das Studium musste sie vor Beginn ein Pflegepraktikum im Klinikum Landsberg am Lech absolvieren. Dort hatte Veneris auf der Gynäkologie-und-Geburtshilfe-Station zwar keinen Kontakt mit Corona-Patienten. Acht Stunden lang Maske tragen, regelmäßiges Desinfizieren und Corona-Tests standen trotzdem auf dem Plan. Für die 18-Jährige aus Walleshausen (Kreis Landsberg am Lech) kein Grund, um an ihrer Berufswahl zu zweifeln. „Das Studium gefällt mir besser als erwartet“, sagt Veneris. An der Uni Erlangen wurde sie sogar von den Älteren kontaktiert und in der Medizinfachschaft aufgenommen.

Nach dem Corona-Abitur: Praxisunterricht in der Ausbildung fällt intensiver aus

Marian Conrad hat eine Ausbildung zum Elektroniker für Informations- und Systemtechnik begonnen.

„Wir haben von Anfang an das Gefühl bekommen, das alles normal läuft“, sagt Marian Conrad und ist „positiv überrascht“. Der 19-jährige Maisacher hat nach dem Abitur eine Ausbildung zum Elektroniker für Informations- und Systemtechnik begonnen. Die praxisbezogenen Inhalte könne er intensiver lernen, da es auf der Baustelle etwas ruhiger zu gehe. Weil die Berufsschule in Lauingen (Kreis Dillingen) aktuell geschlossen bleiben muss, lernt Conrad die Theorie online von Zuhause aus. „Darüber bin ich manchmal froh, sonst müsste ich zwei Stunden mit dem Zug zur Schule fahren.“

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