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Eine Frau mit Mundschutz.

Versuch der Eindämmung

Corona: Alle Personen dürfen die Quarantäne verlassen

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Das Coronavirus hält den Landkreis weiter in Atem. Bisher gibt es zwei bestätigte Fälle. Das Gesundheitsamt arbeitet auf Hochtouren, um eine Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. 15 Menschen, die Kontakt zu den Infizierten hatten, wurden zu Hause unter Quarantäne gestellt.

Fürstenfeldbruck – 

Update 14. Februar: Quarantäne beendet

Aufatmen bei den insgesamt 19 Personen, die wegen einer möglichen Infektion mit dem Corona-Virus 14 Tage zu Hause bleiben mussten: Die Tests der Gesundheitsbehörden verliefen bei allen negativ. Sie dürfen sich wieder frei bewegen, bestätigt der Leiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt, Lorenz Weigl. Die Behörde bietet weiterhin Beratung zu dem Thema an – allerdings nur für Fragen, die konkret den Landkreis oder dort lebende Personen betreffen. Allgemeine Auskünfte zum Virus könne man aus Zeitgründen aber nicht machen.

Update 4. Februar: Mehr Personen in Quarantäne - keine Auswirkungen auf Fasching

Die Zahl der Menschen, die aufgrund des Coronavirus’ unter Quarantäne stehen, hat sich um drei auf insgesamt 18 erhöht. Das teilt das Gesundheitsamt im Landratsamt am Dienstag auf Anfrage mit. Die drei Personen hatten längeren Kontakt mit nachweislich Erkrankten. Um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern, müssen die Betroffenen mindestens bis 14 Tage nach dem Kontakt daheim bleiben. 

Auch wenn alle Welt vom Coronavirus spricht, hat es auf das Leben im Landkreis keinen Einfluss. Für die Organisatoren der größeren Faschingsveransaltungen, die in den kommenden Wochen anstehen, spielt das Virus jedenfalls keine große Rolle. Bei der Heimatgilde „Die Brucker“ sieht man keinen Grund, wegen des Coronavirus den Weiberfasching am unsinnigen Donnerstag oder das Faschingstreiben am Rosenmontag abzusagen. „Das ist aktuell kein Thema für uns“, sagt Gildemeister Daniel Brando. Außer es werde akut, oder es gebe entsprechende Auflagen von der Stadt oder dem Landratsamt. „Uns ist es wichtig die Faschingstradition fortzuführen und aufrechtzuerhalten“, sagt Anja Dürr-Koops von den Brucker Faschingsfreunden. Man wolle die generelle Panik nicht forcieren. Große Sportveranstaltungen finden auch statt, meint Brando. „Die Ärzte in unserem Verein sagen, die Grippe ist viel schlimmer als Corona.“

Besondere Vorkehrungen werde man ebenfalls nicht treffen. „Winterzeit ist Grippezeit, daher haben wir schon seit Jahren bei unseren Veranstaltungen Desinfektionsseife auf den Toiletten liegen“, sagt Brando. „Es ist jedem Gast selbst überlassen, ob er sie benutzt oder nicht.“ Bei den Organisatoren des Faschingszugs in Olching, dem größten in der Region, spricht man von Panikmache. „Bei uns wurde das noch von keiner Seite thematisiert“, erklärt Organisator Luca Maier. Die Veranstaltung am Faschingsdienstag wird auf jeden Fall stattfinden. Auch im Nachbarort Gernlinden herrscht alles andere als Hysterie.

 Derzeit sei eine Absage des traditionellen Gaudiwurms keine Option. „Ich halte das auch für viel zu früh, um sich darüber eine Meinung zu bilden“, erklärt Christian Kemether. Bis die Narren wieder durch die Straßen ziehen, vergehen immerhin noch drei Wochen. So sieht man das auch in Mammendorf, wo es ebenfalls einen großen Zug gibt. „Wir haben Gott sei Dank noch genug Zeit“, meint Andrea Haselbauer vom Ordnungsamt. In Germering wollen die Burschen aus Unterpfaffenhofen auch an ihrem Upfinger Fasching festhalten. Und Thomas Spitalny von der Tanztruppe Fun Unlimited sagt: „Die Planungen für das Faschingstreiben gehen normal weiter

Bericht vom 3. Februar

Die Erkrankten wurden mit Spezialtransporten ins Klinikum München-Schwabing gebracht. Dort sind sie isoliert. Den Männern gehe es den Umständen entsprechend gut, erklärt der Leiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt, Dr. Lorenz Weigl. Beide zeigten nur leichte grippale Symptome. Sie sind laut Weigl Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Stockdorf im Landkreis Starnberg. Dort hatte nach bisherigem Stand eine chinesische Mitarbeiterin das Virus eingeschleppt.

Ermittlungsarbeit

Das Gesundheitsamt arbeitet fieberhaft daran, eine weitere Ausbreitung des Virus zu stoppen. Am wichtigsten war es, alle Menschen zu ermitteln, die Kontakt zu den Infizierten hatten. Das gleicht der Arbeit eines Detektives. „Es werden alle Kontakte abgefragt“, sagt Lorenz Weigl. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes mussten sich durchtelefonieren, Freunde, Bekannte und Verwandte abklappern. Die Tatsache, dass heutzutage längst nicht mehr alle Bürger im Telefonbuch stehen, mache die Angelegenheit nicht einfacher, sagt Weigl.

Bei ihrer Recherche teilen die Experten die Kontaktpersonen in zwei Kategorien ein. Interessant sind nur jene Menschen, die 15 Minuten oder länger mit den Betroffenen direkten Kontakt hatten – etwa in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Insgesamt wurden 15 Menschen dieser Kategorie im Landkreis ermittelt – weitere in anderen Landkreisen. Die Brucker Behörde steht dabei in engem Kontakt zu anderen Gesundheitsämtern, erklärt Weigl.

Kontaktpersonen dürfen Haus nicht verlassen

Die 15 Kontaktpersonen wurden jetzt zu Hause unter Quarantäne gestellt. Sie dürfen ihr Haus nicht verlassen. Dazu sind sie nach dem Infektions-Schutz-Gesetz verpflichtet. Außerdem müssen sie zwei Mal pro Tag ihre Temperatur messen. Durch einen Abstrich wird geklärt, ob sich der Betroffene tatsächlich infiziert hat. Einige Ergebnisse seien schon da – alle negativ, so Weigl. Zudem stehe die Behörde täglich in Kontakt zu den Betroffenen.

Der Mediziner lobt die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. „Die Menschen waren sehr kooperativ und arbeiten gut mit uns zusammen.“ Viele hätten alle möglichen Kontakte angezapft, um dem Gesundheitsamt zu helfen.

Diejenigen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, die direkten Kontakt zu den Betroffenen haben, müssten sicherstellen, sich nicht selbst zu infizieren. Dazu stehen den Experten Schutzkittel, Handschuhe, Brillen sowie spezielle Mund- und Nasenmasken zur Verfügung.

Jetzt gelte es, die Kontaktpersonen zu überwachen. Sie müssen noch länger in Quarantäne bleiben – bis mindestens 14 Tage nach dem Kontakt mit dem Erkrankten. Erst dann sei die maximale Inkubationszeit abgelaufen.

Interview: „Stresstest für die Pandämie-Pläne“

Sie ist Medizinerin und war lange Zeit gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag. Dem Corona-Virus sieht Kathrin Sonnenholzner aus Jesenwang relativ gelassen entgegen. Die Ärztin lobt die Arbeit der Behörden und vor allem die schnelle Reaktion des Unternehmens Webasto. 

Frau Sonnenholzner, wie beurteilen Sie den allgemeinen Umgang mit dem Virus? 

Kathrin Sonnenholzner

Ich kann das ja nur aus der Ferne beurteilen. Angesichts der dem Anschein nach geringen Gefährlichkeit des Virus sehe ich einen guten Umgang. Ob die Maßnahmen im Falle einer Pandemie mit einem wirklich gefährlichen Virus ausreichen, kann ich nicht beurteilen. Für die Behörden ist so etwas immer eine Gratwanderung. Machen sie zu viel, könnte das Panik schüren, machen man zu wenig, könnte eine Eindämmung schwierig werden. Das Positive an dem Corona-Virus: Man kann sich relativ gelassen anschauen, wo die Schwachstellen in Pandemie-Plänen sind. 

Hat das Unternehmen Webasto, wo sich die Betroffenen Infiziert haben, richtig gehandelt? 

Ja, auf jeden Fall. Dass das Unternehmen so reagiert hat, ist ein echter Glücksfall. Die Firma hat auf diese Weise sicherlich eine weitere Ausbreitung der Krankheit verhindert. Das finde ich bemerkenswert. 

Die „normale“ Grippe, die ja auch gerade Saison hat, gerät ein wenig in den Hintergrund... 

Das stimmt. Im laufenden Jahr gibt es in Deutschland schon 42 beim Robert-Koch-Institut gemeldete Tote durch die Grippe. Da wird klar, wo die echte Gefahr lauert. Aber davon spricht niemand. Ich rate weiter zu einer Grippe-Impfung. Und Hygiene ist wichtig.

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