„Click & Meet“ wird von den Kunden gut angenommen. Sehr zur Freude von Juliane Egert (r.).
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„Click & Meet“ wird von den Kunden gut angenommen. Sehr zur Freude von Juliane Egert (r.).

Corona-Lockdown

Nach bewegendem Facebook-Video: Traditionsgeschäft vorerst gerettet - Angst vor neuen Einschränkungen bleibt

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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In einem Facebook-Video hatte Juliane Egert die dramatische Lage ihres Stoffgeschäfts im Lockdown geschildert. Jetzt geht es für sie dank der Lockerungen wieder langsam bergauf. Doch eine Rest-Angst bleibt.

Fürstenfeldbruck – Noch vor wenigen Wochen sah es düster aus für die Brucker Unternehmerin Juliane Egert. Ihr Stoffgeschäft an der Augsburger Straße drohte vom monatelangen Lockdown in den Ruin getrieben zu werden. Dank gesunkener Inzidenzen darf die 40-Jährige nun wieder Kunden empfangen, wenn auch nur nach vorheriger Terminvereinbarung.

Corona in Fürstenfeldbruck: Click&Meet gibt Traditionsgeschäft neuen Hoffnung

Vorläufig ist das Traditionsgeschäft zwar gerettet – doch die Angst vor neuen Einschränkungen bleibt. „Im Moment läuft es gut“, sagt Juliane Egert. Die Erleichterung ist ihr anzumerken. Die Kunden machen vom „Click & Meet“, also dem Einkauf zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt, regen Gebrauch.

Maximal vier Menschen dürfen gleichzeitig ins Geschäft, die Buchung läuft übers Internet. Die Kunden können zwischen drei Arten von Terminen wählen. Für normales Shopping kalkuliert Egert eine halbe Stunde, für einen Werkstatt-Termin - also die Abgabe einer defekten Nähmaschine zur Reparatur – 15 Minuten. Wer Stoff für ein Dirndl aussuchen möchte, bekommt 45 Minuten Zeit.

Click&Collect in Fürstenfeldbruck: Jonglieren mit Anfragen und Uhrzeiten

Auf das Jonglieren mit Anfragen und Uhrzeiten hat sich die Bruckerin schnell eingestellt, auch wenn sie sich dabei „ein bisschen wie eine Arztpraxis“ vorkommt. Da die Zeitfenster nicht immer voll ausgeschöpft werden, kann sie oft auch kurzfristig noch jemanden einschieben. Für die Kunden hat das System den Vorteil, dass niemand vor der Tür warten muss – anders als im vergangenen Jahr, als sich draußen lange Schlangen bildeten.

Damals durfte Egert mit Sondergenehmigung das Zubehör zum Maskennähen verkaufen. Wer in den Laden kommt, muss seine Telefonnummer und E-Mail-Adresse angeben. Das sieht nicht jeder ein – gelegentlich gebe es Diskussionen, berichtet Egert. Ausnahmen gestattet sie aber nicht. „Die Nachvollziehbarkeit ist mir wichtig.“ Sie hat inzwischen ihr komplettes Personal aus der Kurzarbeit zurückgeholt. Die acht Mitarbeiterinnen sind froh – nicht nur aus finanziellen Gründen. Alle haben die Arbeit vermisst. „Wir sind ein tolles Team, viele sind schon jahrelang bei mir“, berichtet die Inhaberin.

Sie hatte vor einigen Wochen in einem Facebook-Video auf die existenzbedrohende Lage ihres Geschäfts - und vieler anderer Einzelhändler – aufmerksam gemacht und Lösungen von der Politik gefordert. Damals wartete sie noch auf staatliche Unterstützungszahlungen. Nach der Veröffentlichung des Videos ging die Auszahlung von Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfe III plötzlich ganz schnell, erzählt Egert.

Corona: Stoffladen-Besitzerin schildert in Facebook-Video dramatische Lage ihres Geschäfts

Unterstützung bekam die alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder unter anderem vom SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi. Er habe ihr geraten, zusätzlich Grundsicherung zu beantragen. Denn die Überbrückungshilfe deckt nur die Fixkosten des Geschäfts, nicht aber die persönlichen Ausgaben des Inhabers – Dinge wie private Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge, Wohnungsmiete und Kita-Gebühren.

Wie das alles ohne Einnahmen bezahlen? Juliane Egert ist zwar Unternehmerin aus Überzeugung und will nicht vom Staat leben, rang sich aber trotzdem zum Antrag auf Grundsicherung durch. Daraufhin habe sich ein Vertreter der Arbeitsagentur gemeldet, um mit ihr über ihre berufliche Zukunft zu sprechen. Egert empfand das als Gängelung und zog den Antrag zurück.

Bei den Impfungen im Landkreis Fürstenfeldbruck ist nun erstmals die Aufschlüsselung nach Altersgruppen möglich. Mehr zur aktuellen Corona-Lage finden Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen FFB-Newsletter.

(Von Ulrike Osman)

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