Weiß gar nicht mehr wohin mit den Spenden: Lutz Skupin vom Gebrauchtwarenzentrum.

„Überrannt worden“

Corona-Effekt: In Sozialkaufhäusern stapeln sich die Spenden

Ein Zufluss an Spenden, der wochenlang nicht abreißt. Lager die aus allen Nähten platzen – so sieht es aktuell in den Sozialkaufhäusern und Secondhand-Läden im Landkreis Fürstenfeldbruck aus.

Landkreis – „Wir sind überrannt worden“, sagt Abdellah Asdaydou, Geschäftsführer des Gebrauchtwarenzentrums Puchheim. Geschirr, Besteck, Stühle, kleine Möbelstücke und vieles mehr nehmen er und sein Team täglich in der Hügelstraße entgegen.

Petra Helsper, Brucker Fenster

„Vom Kaffeelöffel bis zum Schlafzimmer haben wir alles“, scherzt der 50-jährige Geschäftsführer. Jedoch war die Spendenannahme in den vergangenen Wochen mehr als erschwert. „Mein Lager im Keller unterhalb des Geschäfts ist komplett voll“, sagt Asdaydou. Kurzfristig herrschte sogar ein Annahmestopp.

Auch Petra Helsper, Einrichtungsleiterin des Brucker Fensters, berichtet von einer erhöhten Spendenbereitschaft der Bürger. Das Beschäftigungsprojekt in der Hauptstraße setzt sich aus Gebrauchtbuchladen und Hofcafé zusammen. „Derzeit erhalten wir annähernd doppelt so viele Spenden wie vor der Corona-Krise“, sagt die Diplom-Sozialarbeiterin. „Wir kommen gerade tatsächlich an unsere Grenzen. Das Lager haben wir aktuell um einen kleinen Raum erweitert.“

Hauptsächlich Bücherspenden aber auch ausgewählte Dekorationsartikel, die zur Atmosphäre des Hofcafés passen, werden in dem Brucker Laden angenommen. „Viele Menschen hatten sicherlich in den vergangenen Wochen Zeit, auszusortieren“, erklärt sich Helsper den Spendenzuwachs.

Sabine Brügel-Fritzen, Sozialdienst Germering

Sabine Brügel-Fritzen vom Sozialdienst Germering meint ebenfalls: „Die Leute haben die Zeit Zuhause genutzt, um sich über das Spenden Gedanken zu machen.“ Die Kleiderkammer „schick & schee“ gehört seit 2018 zum Sozialdienst. „Es wurde wirklich sehr großzügig gespendet“, meint Brügel-Fritzen. Hauptsächlich Bekleidung für Erwachsene, aber auch Taschen, Bettwäsche, Gürtel und Schmuck. Zu entsorgen gibt es dabei kaum etwas. „Die gespendete Kleidung ist im Großen und Ganzen in Ordnung“, so Brügel-Fritzen.

Im Puchheimer Gebrauchtwarenzentrum sieht das teilweise ganz anders aus. „Manchmal erhalten wir einen Berg Spenden. Obendrauf sind gut erhaltene Sachen und darunter befindet sich Müll“, erzählt Geschäftsführer Asdaydou. Für ihn besonders ärgerlich: Die Sachen müssen er und sein Disponent Lutz Skupin mit den Mitarbeitern entsorgen – auf eigene Kosten. In Hinblick auf die langen Wartezeiten vor den Wertstoffhöfen vermutet Asdaydou, dass sich der ein oder andere Zeit und Weg sparen will und die Sachen lieber im Secondhand-Geschäft ablegt.

Doch das sind nur ein paar Ausnahmen. „Letztendlich sind wir ja dankbar für die vielen Spenden“, sagt der 50-Jährige und fügt hinzu: „Corona hat die Menschen nachdenklicher gemacht. Sie wollen helfen und spenden.“ 

Lisa Fischer

Die Öffnungszeiten im Einzelnen

Das Gebrauchtwarenzentrum in Puchheim-Ort hat dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Auch jeden ersten Samstag im Monat können Interessierte von 9 bis 13 Uhr in den Räumen in der Hügelstraße 9 nach Schmuckstücken stöbern. In der Kleiderkammer Olching kann man Secondhand-Kleidung und Schmuck zu günstigen Preisen erwerben. Der Laden in der Hauptstraße 49 hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie jeden ersten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Im Germeringer Bekleidungsladen „schick & schee“, Otto-Wagner-Straße 20, gelten die gleichen Öffnungszeiten. Einkaufen kann jeder. Kunden mit einem Tafel-Ausweis erhalten bis zu 50 Prozent Rabatt. Das Gebrauchtbuchladen des Brucker Fensters, Hauptstraße 5, in Fürstenfeldbruck hat montags bis donnerstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet und freitags von 10 bis 13 Uhr.

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