Fahrlehrer Ralf Seiler hat jetzt so viel zu tun wie noch nie. Seine Fahrschülerin Charlotte freut sich, wieder auf den Führerschein hinarbeiten zu können.
+
Fahrlehrer Ralf Seiler hat jetzt so viel zu tun wie noch nie. Seine Fahrschülerin Charlotte freut sich, wieder auf den Führerschein hinarbeiten zu können.

Fürstenfeldbruck

Nach dem Lockdown: Der große Stau in den Fahrschulen

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
    schließen

Der Führerschein pünktlich zum Geburtstag wird für viele junge Menschen in diesem Jahr ein Wunschtraum bleiben. Wegen des Lockdowns durften Fahrschulen lange nicht arbeiten. Deshalb stauen sich dort nun Schüler und Prüflinge.

Fürstenfeldbruck – Seit 22. Februar dürfen die Fahrlehrer ihre Schüler wieder unterrichten. Davor war mehr als zwei Monate lang völliger Stillstand angesagt: Lockdown wegen der Coronapandemie. „Diese Zeit kann man nicht einfach aufholen“, sagt Ralf Seiler von der Fahrschule Ralf in Fürstenfeldbruck. Er vermeldet „definitiv einen Stau, sowohl bei den Fahrstunden, als auch bei den Prüfungen.“

Ähnlich geht es Thomas Böhm, Inhaber der Puchheimer Fahrschule Dynamik. „Wir haben ja sogar noch Rückstände vom ersten Lockdown“, berichtet er. Aktuell kämpfe er mit der doppelten Zahl an Anmeldungen wie vor Corona. Mehr Stunden bekommt der Tag aber nicht. „Ich kann elf Fahrstunden am Tag geben“, sagt Böhm. Bei den Prüfungen seien es neun – durch die Verlängerung der Dauer zwei bis drei weniger als bisher.

Eine Option, mehr Schüler pro Tag zu bedienen, wären mehr Fahrlehrer. „Aber die bekommt man zur Zeit nicht“, sagt Seiler. Auch Böhm bestätigt: „Es sind sehr wenige Fahrlehrer auf dem Markt.“ Es gebe wahrscheinlich keine Fahrschule, die keinen Lehrer suche.

Suche nach Verstärkung

Der Germeringer Matthias Schott von der Fahrschule Schott gehört ebenfalls zu den Suchenden. „Wir sind momentan zu zweit, müssten aber eigentlich mindestens vier Fahrlehrer sein“, sagt er mit Blick auf die auch bei ihm hohe Zahl an Fahrschülern. Dass Schotts händeringende Suche nach Verstärkung für sein Team bislang erfolglos war, muss er akzeptieren: „Was hilft jammern, es ist halt jetzt so und es geht uns ja allen so.“

Für die Fahrschulen bedeutet das auch, dass sie die fehlenden Einnahmen aus dem Lockdown nicht so mir nichts Dir nichts durch mehr Schüler und zusätzliche Fahrstunden aufholen können. Seiler ist im Gegensatz zu manch anderer Fahrschule trotzdem gut durch die erzwungene arbeitslose Zeit gekommen. „Ich hatte ein paar Rücklagen“, sagt er. Außerdem habe die Überbrückungshilfe II geholfen, die Fixkosten zu decken.

Geduld ist gefragt

Und die Folgen für die Fahrschüler? „Die müssen einfach Geduld haben“, sagt Seiler. Sowohl Fahrstunden als auch Prüfungen werden sich nach hinten verschieben. Denn auch bei den Fahrprüfern gilt laut Seiler: „Sie fallen nicht vom Himmel.“ Soll heißen: Auch hier kann die Zahl der Prüflinge aus personellen Gründen nicht erhöht werden.

Auch Thomas Böhm erklärt, dass die jungen Leute ihren Führerschein heuer nicht zum 17. oder 18. Geburtstag in den Händen halten werden – je nachdem, ob die Schüler die Möglichkeit des begleiteten Fahrens vor der Volljährigkeit in Anspruch nehmen. „So sieht’s leider aus“, sagt der Fahrlehrer aus Puchheim. Die meisten Fahrschüler nehmen es mit Fassung, wie Seiler berichtet: „Natürlich gibt es den einen oder anderen, den das mal ärgert, aber die meisten tragen die Situation gut mit.“

Auch interessant: Der Ticker zur Corona-Situation im Landkreis FFB

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare