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Filialleiterin Dali Düll musste ihrer Mitarbeiter im Kultstore in Fürstenfeldbruck nach Hause schicken.

Fürstenfeldbruck

Angst, aber auch Ideen: Kleine Läden in der Corona-Krise

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Viele kleine Geschäfte treffen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus hart. Umsätze brechen ein oder gehen auf null. Viele wissen nicht, wie es weitergeht. Mit der Krise gehen die Läden unterschiedlich um. Es ist eine Mischung aus Furcht vor der Zukunft, Hoffnung und neuen Ideen.

Fürstenfeldbruck – Im Kultstore in Fürstenfeldbruck ist es ruhig geworden. Die Türen sind verschlossen. Wo sonst Kundinnen nach Kleidung stöbern, herrscht jetzt gähnende Leere. Nur Filialleiterin Dali Düll ist noch da. Sie kümmert sich um den letzten Papierkram, nimmt noch vereinzelt Lieferungen an. Dann wird auch sie nach Hause gehen – so wie ihre zehn Mitarbeiter. Auf die ist Düll besonders stolz. „Alle haben sich solidarisch verhalten“, sagt die Filialleiterin. Das Unternehmen und seine Angestellten würden zusammenhalten in dieser schweren Zeit. Die Hoffnung hat Dali Düll nicht fahren lassen. Irgendwann werde die Krise auch wieder vorbei sein. „Und dann werden die Kunden vieles nachholen“, sagt die Chefin mit selbstsicherer Stimme.

Geschlossen ist auch die Germeringer Buchhandlung Lesezeichen. Mitinhaberin Kathrin Schmidt aber will kämpfen. „Unsere Bücher können die Kunden auch online bestellen“, sagt Schmidt. Außerdem hat die Buchhändlerin zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Helen Hof einen virtuellen Einkauf in ihrem Laden per Whats App organisiert. In einer Art Videokonferenz könnten sich Kunden Produkte wie Bücher oder Spiele zeigen lassen. Der Service wurde vergangenen Donnerstag eingerichtet.

Schmidt ist auch im Vorstand des Germeringer Wirtschaftsverbandes und dort zuständig für den Einzelhandel in der Stadt. Sie berichtet von vielen Ideen. „Die Geschäfte lassen sich gerade richtig was einfallen.“ Trotzdem treibe die Inhaber die Angst um, dass jetzt noch mehr Kunden zum Online-Handel überlaufen.

Zumindest davor muss sich Hermine Köhler nicht fürchten. Sie betreibt einen Friseurladen in Fürstenfeldbruck – und durfte vergangene Woche weiterhin ihre Kunden bedienen. Von Normalität war aber auch die Friseurmeisterin weit entfernt. „Ich lasse maximal zwei Leute gleichzeitig in den Laden“, erklärte Köhler. Und natürlich war ihr die ganze Sache ein wenig unheimlich. „Ich bin hautnah dran an den Kunden“, sagt sie. Um sich selbst machte sich die Friseurin keine Sorgen. „Ich bin topfit und habe ein gutes Immunsystem.“ Aber sie weiß, dass sie trotzdem das Virus übertragen kann. Einbußen verzeichnete Hermine Köhler zumindest bis Mitte vergangener Woche noch keine. Da sei der Februar mit seinen vielen Stürmen schlimmer gewesen. Zu dieser Zeit kamen um einiges weniger Kunden. „Viele wollten sich durch den Sturm nicht die Frisur ruinieren lassen.“

Vom Wetter hat sich Familie Grüner in Puchheim-Ort noch nie aufhalten lassen. Das Coronavirus setzt den Inhabern des einzigen Lebensmittelladens im Dorf aber arg zu. Das Geschäft an der Dorfstraße verzeichnet jetzt zwar mehr Kunden. Doch ein elementarer Teil der Einnahmen bricht nun weg. Rund die Hälfte ihres Geschäftes macht die Familie mit Catering – etwa für Firmen-Events, Geburtstagsfeiern oder Vereinsversammlungen. „Das trägt unseren Laden mit“, sagt Beate Grüner.

Jetzt hoffen sie und ihre Tochter Stephanie auf die Unterstützung der Menschen im Dorf – eine berechtigte Hoffnung, wie das Duo bereits festgestellt hat. „Die Ortler geben uns großen Rückhalt“, sagt Beate Grüner. „Dafür sind wir sehr dankbar.“ Um möglichst viel anbieten zu können, haben sie ihr Sortiment erweitert und bieten einen Lieferservice an. Und sogar Klopapier ist jetzt im Tante-Emma-Laden an der Dorfstraße zu haben.

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