In den Krankenhäusern der Region werden die Beatmungsplätze knapp. Wenn möglich, werden Intensivpatienten derzeit nicht mehr in die Brucker Kreisklinik gebracht.
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In den Krankenhäusern der Region werden die Beatmungsplätze knapp. Wenn möglich, werden Intensivpatienten derzeit nicht mehr in die Brucker Kreisklinik gebracht. (Symbolbild)

Corona-Pandemie

Klinikum Fürstenfeldbruck: Intensivstation kommt an Kapazitätsgrenze

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Die Lage in den Kliniken der Region spitzt sich in der dritten Corona-Welle zu. Krankenwagen mit Intensivpatienten aus dem Landkreis fahren das Brucker Krankenhaus bereits jetzt wenn möglich nicht mehr an. Experten rechnen in den nächsten Wochen mit einer weiteren Verschärfung der Lage.

Landkreis – Die Corona-Zahlen kennen derzeit nur eine Richtung: nach oben. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag bei 145. Eine Woche zuvor gab das RKI den Wert noch mit 104 an. Für Dr. Thomas Weiler, Ärztlicher Leiter der Krankenhaus-Koordination im Rettungszweckverband Fürstenfeldbruck, sind diese Zahlen besorgniserregend. „Die Entwicklung auf den Intensivstationen hinkt dem Infektionsgeschehen rund drei Wochen hinterher“, sagt der Mediziner. Das bedeutet. In rund 20 Tagen wird es noch mehr Intensivpatienten in den Krankenhäusern geben.

Dabei werden laut Thomas Weiler schon jetzt keine Intensivpatienten mehr in das Brucker Krankenhaus gebracht. Im Rettungszweckverband, zu dem die Landkreise Fürstenfeldbruck, Dachau, Starnberg und Landsberg gehören, gibt es für die Verteilung von Intensivpatienten ein Ampelsystem. Bruck ist bereits rot. Insgesamt stünden in den vier Kreisen 64 Intensivbetten mit Beatmungsplätzen zur Verfügung – 60 von ihnen sind derzeit schon belegt.

Dr. Weiler sieht nur eine Möglichkeit, die Entwicklung zu bremsen: einen strengen Lockdown. „Was wir jetzt machen, ist aber kein Lockdown sondern nur ein bisschen die Leute auseinanderhalten.“ Die erste Corona-Welle im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass ein striktes Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens die Infektionszahlen bremsen kann.

Ohne Lockdown sieht Weiler auch im Landkreis die Gefahr einer Triage – also dass Ärzte entscheiden müssen, wem geholfen wird und wem nicht. Gleichwohl weist der Mediziner darauf hin, dass das deutsche Gesundheitssystem wesentlich besser aufgestellt sei, als in vielen Nachbarländern.

Doch auch hierzulande gibt es Grenzen. Die Gefahr, dass diese erreicht werden, liege auch darin begründet, dass sich die Altersstruktur der Corona-Intensivpatienten geändert hat. Gehörten in den ersten beiden Wellen oft hochbetagte Menschen zur am schlimmsten betroffenen Gruppe, so seien es jetzt auch jüngere Menschen. Die würden aber oft länger auf den Intensivstationen liegen – und so zur Verknappung der Betten beitragen.

Dass jetzt hauptsächlich jüngere Covid-Patienten behandelt werden müssen, bestätigt auch eine Sprecherin der Kreisklinik. Oft spiele Übergewicht eine Rolle. Auch hätten viele eine Vorerkrankung. Das Durchschnittsalter der Covid-Patienten liege derzeit bei 64 Jahren. Keiner sei älter als 70.

Um noch mehr Betroffene versorgen zu können, richtet das Krankenhaus ab Montag eine weiteres Intensivbett ein. Bei Bedarf könne die Kapazität innerhalb von 48 Stunden auf 15 Beatmungsplätze erhöht werden.

Die Sprecherin kann aber auch Positives berichten. So seien die Ausfälle von Personal aufgrund von Corona-Infektionen oder Quarantänemaßnahmen deutlich zurückgegangen. Die Klinik führt das auf die große Zahl der Geimpften unter den Mitarbeitern zurück. Insgesamt seien bereits über 80 Prozent der Angestellten im Krankenhaus gegen das Coronavirus geimpft.

Video: Auch in Hamburg sind die Intensivstationen schon an ihrer Belastungsgrenze angelangt.

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