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Wegen Corona: Kreistag will nächste Sitzung im Freien abhalten - trotz eisiger Temperaturen

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Von: Thomas Steinhardt

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Eine verlorene OP-Maske liegt am frühen Morgen vor den Ständen des Frankfurter Weihnachtsmarktes auf dem Boden
Der Kreistag könnte draußen stattfinden. © Beispielfoto: Frank Rumpenhorst / dpa

Die Corona-Pandemie bringt immer wieder schräge Entwicklungen hervor. So soll jetzt die nächste Sitzung des Kreistags Fürstenfeldbruck im Freien abgehalten werden.

Fürstenfeldbruck – Wie kalt es an jenem Nachmittag des 16. Dezember sein wird, lässt sich nicht vorhersagen. Sicher scheint nur eines: Warm wird es nicht sein im Freien – vom Gegenteil ist sogar auszugehen. Trotzdem waren sich die Politiker im Kreisausschuss angesichts der Lage in der Pandemie jetzt einig, die Sitzung mit über 70 Teilnehmern draußen stattfinden zu lassen.

Landrat Thomas Karmasin hatte zu Beginn des Kreisausschusses die Vertreter der Fraktionen gebeten, über Lösungen für den Kreistag nachzudenken. Hintergrund: In der Regel dauert die Sitzung zur Verabschiedung des Haushalts mehrere Stunden, da Vertreter aller Fraktionen Reden nicht nur zur Finanz-, sondern zur Gesamtlage halten und in der Regel noch Aussprachen folgen. Einig war man sich prinzipiell, dass Debatten trotz der pandemischen Lage nicht abgewürgt werden sollen – und klar ist, dass man aus rechtlichen und ganz pragmatisch-inhaltlichen Gründen (sonst geht in 2022 wenig bis nichts) einen Haushaltsbeschluss braucht.

Fürstenfeldbruck: Kreistagssitzung im Winter im Freien - wegen Corona-Pandemie

Karmasin kündigte an, seine Rede zum Haushalt (meist beginnt sie mit einem lateinischen Zitat) sehr kurz zu halten und sie in Gänze der Presse zur Verfügung zu stellen (was ohnehin immer der Fall ist). Er bot an, dass das Landratsamt schriftlich vorgelegte Reden aller Fraktionen ebenfalls an die Presse weiter geben werde, quasi als zentraler Verschickungsservice. Seine Idee: Eine kurze, straffe Sitzung ohne große Debatten, um Infektionsrisiken zu minimieren. Gleichzeitig warf Karmasin die Frage auf: „Oder wir machen die Sitzung draußen.“ Am Graf-Rasso-Gymnasium gebe es eine überdachte Fläche, die in Frage komme, meinte er.

Tatsächlich griffen später Politiker aller Fraktionen diese Idee wohlwollend auf. Das neue Parkdeck (untere Ebene) am Landratsamt komme ja als Ort auch in Frage, meinte ein Redner als Alternativ-Vorschlag zum Rasso-Gymnasium. So sei man an zentralem Ort. Wohlgemerkt: Gemeint war damit nicht das Deck, das einen beheizten Boden hat. Denn dieses hat ja kein Dach.

Kreisttagssitzung wegen Corona im Freien_ Aufwärmen mit Glühwein?

Ein anderer Kreisrat fand, dass man ja doch lange diskutieren werde und es daher sinnvoll sei, sich im Freien zu treffen. Vielleicht reiche die Verwaltung dann ja Glühwein, hieß es freilich hier schon mit humoristischer Brechung der Aussage.

Landrat Karmasin kündigte Probleme mit der Lautsprecher-Anlage im Freien an – was nicht überrascht, wenn man weiß, dass selbst die Anlage im großen Saal drinnen meistens mehr schlecht als recht funktioniert. Außerdem kurz aufgeworfen wurde die Frage, ob es möglich sein werde, im Bedarfsfall die Nichtöffentlichkeit herzustellen (was in der Haushaltssitzung eher nie passiert). Ein wirklicher Beschluss fiel in dieser Frage nicht – das Meinungsbild aber war eindeutig.

Corona-Pandemie zwingt Kreistagssitzung ins Freie - Plan B: In der Halle

In der Verwaltung hat man dieses Meinungsbild eher als Prüfauftrag verstanden, erklärte eine Sprecherin hinterher auf Tagblatt-Anfrage. Ob die Idee realisierbar sei, werde sich zeigen. Die klimatische Herausforderung sei nicht unbeträchtlich, genau wie die akustische. Zudem sei ja der genaue Ort nicht festgelegt worden.

Ein Plan B sieht vor, die Sitzung in der neuen Halle in Maisach abzuhalten. Allerdings hieß es aus der Verwaltung auch: „Die Vorstellung, mit rund 100 Personen – 70 Kreisräte, etwa 15 Personen von der Verwaltung, zwei Vertretern der Presse, gegebenenfalls Öffentlichkeit – in einem Raum zu sitzen, ist für viele derzeit auch dann nicht erstrebenswert, wenn der Raum sehr groß ist.“

Landrat Thomas Karmasin hatte angesichts der coronabedingten Draußen-Lösung in der Sitzung noch sarkastisch reagiert. Er kündigte kurze Wortbeiträge seinerseits an und setzte auf sitzungsverkürzende Umstände. „Ich kann nur mit gutem Beispiel vorangehen und auf Kälte hoffen.“

Schon vor einiger Zeit war der Kreistag überein gekommen, auf Hybridsitzungen, wie es sie etwa in der Stadt FFB gibt, zu verzichten. Vorher waren Vor- und Nachteile abgewogen worden.

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