Corona-Krise Wirte Fürstenfeldbruck
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Der Biergarten des Fürstenfelders am Kloster ist verwaist. Wirt Gerhard Kohlfürst sagt: „2020 wird ein existenzbedro hendes Jahr.“ 

Sie haben konkrete Forderungen

Corona-Krise: Wirte kämpfen ums Überleben

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Die Wirte trifft die Corona-Krise besonders hart – vor allem diejenigen, die eng mit ebenfalls geschlossenen Kulturzentren zusammenarbeiten. Momentan leben sie nach dem Prinzip Hoffnung. 

LandkreisHotels sind lediglich Geschäfts-, keine Touristikübernachtungen erlaubt. Gaststätten dürfen nur Abhol- oder Bringdienste anbieten. Für einige Betriebe im Landkreis ist die Situation existenzbedrohend. „Es schaut düster aus“, sagt Gerhard Kohlfürst. Der Inhaber der Fürstenfelder Gastronomie und des Hotels beim Brucker Veranstaltungsforum hat Soforthilfe beantragt und seine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Er sagt: „2020 wird ein existenzbedrohendes Jahr.“ Mit ein Grund ist, dass seine Betriebe sehr vom Veranstaltungsforum abhängen, bei dem derzeit ebenfalls Stillstand herrscht.

„Deshalb haben wir kaum Betrieb im Hotel“, so Kohlfürst. Für eine schnelle Liquiditätsspritze könnte laut Kohlfürst eine Änderung des Steuersatzes in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent sorgen, wie von bayrischen Politikern vorgeschlagen. Den Kopf in den Sand stecken will Kohlfürst trotz aller Probleme aber nicht.

Corona-Krise: Endlich konkrete Aussagen zum Charakter von Großveranstaltungen gefordert

Der Gastronom hofft, dass die Regierung in den kommenden ein bis zwei Wochen konkrete Aussagen in der Corona-Krise darüber, macht was überhaupt als Großveranstaltung zählt. Gehören auch Hochzeiten dazu? „Mir tun die Brautpaare leid, die nicht wissen, ob sie ihre Feier nun weiter planen können“, sagt Kohlfürst.

Auch Josef Hartl vom Unterwirt in Türkenfeld bezieht einen Großteil seiner Einnahmen aus Veranstaltungen im Saal. Darf er Hochzeiten mit 250 Personen durchführen? Das fragt auch er sich. Der Unterwirt hält sich derzeit mit einem Abholservice über Wasser. Zwar akzeptiert Hartl die Einschränkungen. „Wir brauchen aber mal eine konkretere Aussage als ,eventuell Pfingsten wieder’.“

Komplett geschlossen haben derzeit die Gastro-Betriebe von Thomas Breitenfellner in Eichenau, Puchheim und Gröbenzell. „Die Lohn- und Betriebskosten würden die Einnahmen übersteigen“, begründet er die Entscheidung gegen einen Abholservice. Seine Mitarbeiter hat er in Kurzarbeit geschickt. „Dass der Staat das vereinfacht hat, war wichtig“, sagt er. Ansonsten hätte er Kündigungen aussprechen müssen. Breitenfellner trifft vor allem im Gröbenzeller Stockwerk und in der Brotspielerei im Puchheimer PUC auch das Veranstaltungsverbot. Bis jetzt habe er die Krise aber gut abschirmen können. „Mir hat den Optimismus noch keiner genommen.“ Der Gröbenzeller glaubt fest daran, dass er seine Betriebe nach der Krise wieder öffnen kann.

Corona-Krise: 50 Mitarbeiter der Mahavi-Group in Kurzarbeit

50 Mitarbeiter musste auch die Mahavi Group in Kurzarbeit schicken. Das Unternehmen betreibt mehrere Lokale in Fürstenfeldbruck, darunter die Martha Pizzarei und die Gastronomie am Pucher Meer. „Wir kommen da durch“, sagt Markus Bauer, einer der drei Geschäftsführer. Die Mahavi Group habe alle Hilfsmaßnahmen in Anspruch genommen. „Wir sind solide und gut aufgestellt.“

Null Einnahmen verzeichnet derzeit Tom Braumiller von der Gaststätte „Zum Untern Wirt“ in Schöngeising – und das, obwohl er sich gleich mehrere Standbeine aufgebaut hat. „Das Kindergarten-Catering, die Veranstaltungen im Lokal, der Biergarten, unser Starkstrom-Festival – alles ist auf einmal weggebrochen“, sagt er. „Die Politik macht vieles richtig, und ich trage das auch mit.“ Die Gesundheit der Mitarbeiter und der Gäste gehe über alles. Ein Lichtblick für die Wirte: Zuletzt hat immerhin auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger einen Zeitplan für die Öffnung von Gaststätten und Hotels gefordert.

Rund 2300 Menschen im Gastgewerbe beschäftigt

Laut der Gewerkschaft Ernährung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind im Landkreis rund 2300 Menschen im Gastgewerbe beschäftigt. Diese hätten mit extremen Lohneinbußen zu kämpfen. Nicht nur die NGG fordert deshalb eine Aufstockung beim Kurzarbeitergeld. Auch Breitenfellner glaubt, „dass der Staat da nochmal was drauflegen muss, wenn die Situation länger so weitergeht“. Kohlfürst berichtet ebenfalls, dass seine Mitarbeiter oft Probleme hätten, mit 60 Prozent Kurzarbeitergeld über die Runden zu kommen.

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