Alternative zum Maifest: Sabrina Friedl, Sylvia Seitz, und Lena Schwojer von der Landjugend Biburg haben ein Set zum Feiern daheim entworfen. 	fotos: weber/Hartl
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Alternative zum Maifest: Sabrina Friedl, Sylvia Seitz, und Lena Schwojer von der Landjugend Biburg haben ein Set zum Feiern daheim entworfen.

Pfiffige Alternativen

Maifest dahoam: Als Trost in der Pandemie - Traditionsverein bietet Maibaum-to-go an

  • Kathrin Böhmer
    VonKathrin Böhmer
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  • Ulrike Osman
    Ulrike Osman
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Am Samstag würden in vielen Kommunen eigentlich die Maibäume in die Höhe gewuchtet. Corona macht dem Brauch einen Strich durch die Rechnung. Die Traditions-Vereine fügen sich in ihr Schicksal – manche haben aber pfiffige Ideen für Alternativen.

Fürstenfeldbruck – So ziemlich alles gibt es in Corona-Zeiten zum Mitnehmen – warum nicht auch den Maibaum? Das dachte man sich bei der Landjugend Biburg und kam prompt auf die Idee, einen Maibaum-to-go anzubieten. Dahinter verbirgt sich ein Bastelset, aus dem sich ein 30 Zentimeter großes Mini-Stangerl zusammensetzen lässt. Außerdem gibt es ein „Maifest-Set“, bestehend aus einer Riesenbreze, Obazdn und Getränken sowie Rezepten für Kartoffelsalat und einen Maicocktail. „Wir wollen den Leuten in komprimierter Form anbieten, was zu einer Maifeier gehört“, erklärt die Vorsitzende der Landjugend, Lena Schwojer. Der Mini-Baum könne als Tisch-Deko dienen oder ins Blumenbeet gestellt werden – Hauptsache, es entsteht wenigstens ein Hauch von Mai-Feeling. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen FFB-Newsletter.

Bayern: Traditionelle Maifeier fällt Corona zum Oper - „Ist uns einfach zu unsicher“

Über eine Alternative zur traditionellen Feier hat man auch beim Burschenverein Gernlinden nachgedacht. Doch das Risiko war den Verantwortlichen zu groß. „Es wäre ein großer Desinfektionsaufwand und wir bräuchten ein Hygienekonzept“, sagt der Vorsitzende Benedikt Sollinger. „Damit haben wir keine Erfahrung.“ Außerdem hätte man in Vorleistung gehen müssen – nach einem Jahr ohne Veranstaltungen und ohne Einnahmen war das nicht drin. „Es ist sehr schade, dass wir nichts machen können, das hören wir auch aus dem Ort. Aber es ist uns einfach zu unsicher.“

In Türkenfeld wäre zur Zeit selbst ohne Pandemie keine Maifeier möglich. Denn dort wird das Dorfzentrum umgebaut. Im Herbst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Läuft alles nach Plan, könnte dann auch das Maibaumaufstellen nachgeholt werden. Ein neues Fundament wird im Zuge der Bauarbeiten gegossen, ein passender Baum wurde bereits im Januar im Gemeindewald geschlagen.

Maifeier in Corona-Zeiten: Gemeinde schmückt alten Maibaum

Ein dreijähriger Aufstell-Zyklus ist Tradition in Schöngeising. Vergangenes Jahr im Januar wurde der alte Baum umgelegt – als noch niemand ahnte, wie sich das Jahr entwickeln würde. Seitdem steht die Ampergemeinde ohne Traditionsstangerl da. Besonders bitter: Im September 2019 hatten sich die Maibaumfreunde Schöngeising gegründet, ein neuer Verein extra für die Organisation der Maifeiern. Bisher konnte er noch nicht in Aktion treten.

Andere Orte schmückt noch der Baum aus dem Jahr 2019 – etwa Althegnenberg. Damit er ein weiteres Jahr stehen bleiben darf, muss die Standfestigkeit überprüft werden. Das wird demnächst Josef Wecker übernehmen. Der stellvertretende Bauamtsleiter der VG Mammendorf hat einen entsprechenden Lehrgang gemacht und weiß, worauf er achten muss. In Oberschweinbach wurde er fündig – dort wankte der alte Maibaum im stürmischen Aprilwetter so sehr, dass ihn der örtliche Burschenverein stutzen musste. Die Leute im Ort sind trotzdem froh – besser ein kleiner Maibaum als gar keiner.  gog

Die Geiselbullacher sind fein raus, sie dürfen als einzige auf Olchinger Flur ihren Maibaum behalten. Dabei steht dieser schon seit über drei Jahren. „Im April war der Gutachter da, er hat die Standfestigkeit überprüft, es war alles in Ordnung“, erklärt Robert Meier, Vize-Vorsitzender des Maibaumvereins. In diesem Jahr wären sie wieder dran gewesen mit dem Aufstellen. Es gab Überlegungen, das Ganze coronakonform abzuwickeln – allein mit Masken und Kran. „Aber macht das Spaß?“, fragt Meier. „Das Gesellschaftliche gehört doch dazu, das ist das Schönste.“

Maibaum: Viele weiß-blaue Stämme müssen heuer gefällt werden – einer aber darf stehen bleiben

Die anderen beiden Maibäume in Olching müssen umgelegt werden. Der auf dem Nöscherplatz, der bereits seit 2017 steht, hat Faulstellen. „Bis zum Herbst können wir ihn aber noch stehen lassen“, berichtet Maximilian Gigl, Vorsitzender der Kolpingsfamilie. Auch diese plant keine Ersatz-Veranstaltung. Aber: Der neue Baum wurde bereits im Januar geschlagen – als man noch optimistisch war, dass bis zum 1. Mai wieder alles normal läuft. „Aus einem Teil werden wir nun Bretter machen. Für den anderen überlegen wir uns noch etwas“, verrät Gigl.

Auch das Schicksal des Estinger Baums ist besiegelt. Der Baumgutachter konnte keine Gnade walten lassen. Laut Rathaus-Sprecherin Martina Sohn war der Baum zu groß dimensioniert für die Stütze, was bei Wind gefährlich werden könnte.

Es gehört übrigens zur Routine, dass die Stadt einmal im Jahr die Maibäume freiwillig prüfen lässt, die nicht jedes Jahr neu aufgestellt werden (also der Geiselbullacher und der im Olchinger Zentrum selbst). Dafür rückt eine Spezialfirma an, die die Bäume auf einer Hebebühne untersucht. Das kostet 400 Euro pro Baum und ist laut Stadt anerkannt. In diesem Jahr musste der Estinger auch durchgecheckt werden, da er zum ersten Mal länger als ein Jahr stand. Recht viel länger wird es nun aber nicht.

Corona: Keine neuen Maibäume für Unterpfaffenhofen, Aich und Puch

Die Kosten für einen TÜV-Gutachter will man in Eichenau nicht in Kauf nehmen. Deshalb wird der Baum, der auch schon drei Jahre steht, zumindest gekürzt, wie Birgit Wenzel, Sprecherin des Maibaumvereins berichtet. „Wir überlegen, ein Stück stehen zu lassen.“ Damit man zumindest weiß, dass hier der Maibaum stünde. Aber wie man genau verfahren wird und wann die Feuerwehr den Baum umschneidet, steht noch nicht fest.

Im Herbst muss auch der Germeringer Maibaum gefällt werden. Die Kosten für ein Gutachten seien zu hoch, erklärt der Vorsitzende des Burschenvereins, Lukas Huber. Im Germeringer Stadtteil Unterpfaffenhofen wird es ebenfalls keinen neuen Maibaum geben. Dem Burschenverein, der heuer mit dem Aufstellen dran gewesen wäre, ist die Lage zu unsicher.

Gleiches gilt für Fürstenfeldbruck und seine Stadtteile Aich und Puch. Die Aicher Burschen setzen jetzt voll auf 2022. Dann feiert der Verein sein 115-jähriges Bestehen.

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