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Umfrage in der Corona-Krise: So geht es den Firmen vor Ort

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Von: Thomas Steinhardt

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Bei der Vorstellung der Ergebnisse: Kreisrat Maximilian Gigl (Referent für Wirtschaftsförderung und Arbeit), Josef Rother (Geschäftsführer Gefak), Barbara Magg, Leiterin Wirtschaftsförderung und Landrat Thomas Karmasin
Bei der Vorstellung der Ergebnisse: Kreisrat Maximilian Gigl (Referent für Wirtschaftsförderung und Arbeit), Josef Rother (Geschäftsführer Gefak), Barbara Magg, Leiterin Wirtschaftsförderung und Landrat Thomas Karmasin © LRA

Es gibt in der heimischen Wirtschaft auch Gewinner der Corona-Krise – das aber sind nicht sehr viele. Das ist eines der Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag des Landkreises.

Fürstenfeldbruck – Bereits im Juni startete die Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung (Gefak) im Auftrag des Landkreises eine Unternehmerbefragung zum Thema Corona-Krise. Die Gefak schrieb 1450 Betriebe an, 410 Unternehmen aus verschiedensten Branchen antworteten. Diese Rücklaufquote gilt als sehr gut, sodass die Umfrage große Aussagekraft besitze, sagte Josef Rother von der Gefak.

Bedeutung der Kurzarbeit

70 Prozent der Betriebe gaben in der Befragung an, dass sich die Corona-Krise sehr negativ oder negativ auf sie auswirke. Nur sieben Prozent kreuzten positiv oder sehr positiv an. Am stärksten negativ betroffen war das Gastgewerbe, gefolgt von Dienstleistern und vom Handel, wobei sich hier das Bild je nach Produkt stark differenziert darstellt. Jeder siebte Betrieb hatte während des Lockdowns komplett geschlossen, jeder 20. rechnete im Juni mit der Insolvenz.

Die größten Auswirkungen der Corona-Krise waren der Ausfall von Aufträgen, von Kunden und von Veranstaltungen. Genannt wurden auch logistische Engpässe, der Ausfall von Lieferanten und von Mitarbeitern.

Während zwei Drittel der Firmen von großen Umsatzeinbußen ausging, blieb der Verlust an Arbeitsplätzen gemessen daran relativ überschaubar. Das habe klar an der Kurzarbeit gelegen. Etwa die Hälfte der Firmen (vor allem aus dem Mittelstand, hier in erster Linie das Gastgewerbe) habe diese Möglichkeit in Anspruch genommen. Fast 20 Prozent der Beschäftigten seien von Kurzarbeit betroffen gewesen.

Eine der Grafiken aus der Umfrage.
Eine der Grafiken aus der Umfrage. © Gefak

Weitere staatliche Hilfe (vor allem die Soforthilfe) beantragten 38 Prozent der Firmen. Fast 90 Prozent davon seien mit der Abwicklung zufrieden gewesen. Die anderen zehn Prozent beschwerten sich im Landratsamt.

Home-Office

Knapp 40 Prozent der Firmen setzten auf Home-Office oder verbesserten allgemein die IT-Kompetenz der Mitarbeiter. Die allermeisten Betriebe glauben allerdings, dass die Bedeutung des Home-Office nach der Krise wieder schwinden wird.

Als größte Herausforderung für die nächste Zeit sehen die meisten Firmen coronabedingt das Finden einer neuer Normalität, gefolgt von „Überleben“. Sehr häufig wurde hier die Abhängigkeit vom Kundenverhalten genannt, aber auch das Beachten neuer Vorschriften.

Im Oktober will die Gefak die Betriebe erneut anschreiben und ein zweites Stimmungsbild erstellen. Ein drittes ist für Februar 2021 geplant. In den neuen Umfragen soll auch das Interesse an der Idee des Regionalsiegels (siehe unten) mit abgefragt werden.

„Ich bin tief beeindruckt, dass 80 Prozent unserer Unternehmen trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs aktuell an ihren Beschäftigtenzahlen festhalten. Auch wenn hierfür gut die Hälfte der befragten Unternehmen Kurzarbeit anmelden mussten, werte ich die Tatsache, dass die Beschäftigten nicht gekündigt wurden, als einen Vorzug unseres starken, überwiegend inhabergeführten Mittelstands“, kommentierte Landrat Thomas Karmasin. Maximilian Gigl zeigte sich überzeugt, dass die öffentliche Hand bei allen Versuchen, zukunftssicher zu bleiben, weiter investieren solle.

Die ganze Umfrage ist auch online zu finden.

Die Debatte um das Regionalsiegel

Kann ein Regional-Siegel helfen, die heimische Wirtschaft in der Corona-Krise zu unterstützen? Dieser Frage soll der Regionalbeirat des Kreistags nachgehen.

Vertreter praktisch aller Gruppierungen im Kreistag hatten einen entsprechenden Antrag unterschrieben. Ziel ist die Schaffung eines regionalen Unternehmersiegels. Es soll Firmen auszeichnen, die zu einer sozial-gerechteren und ökologisch-nachhaltigeren Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung vor Ort beitragen. Einbezogen werden sollen Handwerk, Landwirtschaft, Produktion und Handel, Dienstleister, aber auch Kulturschaffende. Verbraucher sollen so auf regionale, dem Landkreis-Gemeinwohl dienende Unternehmer hingewiesen werden. Kurz: Das Siegel soll helfen, dass die Leute in erster Linie heimische Produkte kaufen.

Allerdings gestaltet sich die Schaffung eines solchen Siegels gar nicht so einfach, wie die Kreisverwaltung darlegt. So müsse die rechtliche Einordnung (Wettbewerbsneutralität der öffentlichen Hand) geklärt werden. Die Haltung der Wirtschaftsverbände müsse abgefragt werden. Und es gelte, die Frage zu prüfen, ob vorhandene Siegel geschwächt werden könnten. Außerdem noch unklar: Nach welchen Kriterien soll welche Stelle das Siegel vergeben?

Der letztlich von Max Keil (ÖDP) initiierte Antrag lag jetzt dem Planungsausschuss des Kreistags vor, wo es zu einer kontroversen Aussprache kam. Der Antrag sei derart wundervoll, dass man geneigt sei, sofort zuzustimmen, meinte etwa Landrat Thomas Karmasin.

Der Teufel, wenn es denn einen gebe, stecke aber möglicherweise in Details. Man müsse eben vieles noch klären. Der Landrat machte klar: Die Kreisverwaltung kann den personellen Aufwand nicht schultern.

Für populistisch hielt indes Hans Thurner (FW) den Antrag. Er warnte davor, ein „Bürokratiemonster“ zu schaffen. Es gebe schon viele Siegel und Beiräte. Hubert Ficker (CSU) wollte Thurner nicht unbedingt widersprechen, betonte aber auch, dass das Siegel Firmen kennzeichnen solle, die hier vor Ort produzieren und hier vor Ort Arbeitsplätze schaffen. „Es kann eine Totgeburt werden, aber es kann auch gelingen.“ Florian Jäger (AfD) hielt es für illusorisch, dass ein solches Siegel die Kaufentscheidung von Konsumenten beeinflussen könnte.

Nur als Arbeitstitel bezeichnete dagegen Max Keil das Wort „Siegel“. Ziel sei es, eine Solidargemeinschaft zu bilden. Die Betroffenen müssten aber auch mitziehen. Gegen die Stimmen von Thurner und Jäger sprach sich eine breite Mehrheit im Ausschuss dafür aus, den Regionalbeirat mit weiteren Gesprächen zu dem Thema zu beauftragen. st

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