Fürstenfeldbruck

Corona-Verspätung am Tisch des Herrn

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Viele Kinder und Jugendliche hätten normalerweise in diesen Wochen ihren großen Tag. Zwischen Ostern und Pfingsten stehen Erstkommunion und Konfirmation an. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Gottesdienste, Familienfeiern und Geschenke sind verschoben – nur, bis wann?

Fürstenfeldbruck „Ich hol’ schnell meine Glaskugel“, antwortet der katholische Pfarrverbandsleiter von Fürstenfeldbruck Otto Gäng ironisch auf die Frage, wie es weitergeht. Nach aktuellem Stand findet wegen der Corona-Krise die Erstkommunion in der Klosterkirche zwischen Pfingst- und Sommerferien statt. Gäng rechnet mit fünf oder sechs Terminen im Juni und Juli für kleine Gruppen. Die große Kirche ist ein Segen – hier, so schätzen die Verantwortlichen, müssten 20 Kommunionkinder samt Anhang unter Einhaltung des Mindestabstands gemeinsam Gottesdienst feiern können.

„Wir fragen bei den Eltern nach, wie groß die Gästeliste ist“, sagt Gäng. Bis vor kurzem habe man noch abgewartet, wie die Entwicklung in der Gastronomie weitergehen würde. Denn den Familien soll eine Feier ermöglicht werden, „die eine Feier ist“.

Dekan Martin Bickl bestätigt, dass in der Erzdiözese München und Freising alle Erstkommunionen bis Pfingsten abgesagt sind. „Danach unterscheidet sich das Vorgehen von Pfarrei zu Pfarrei. Manche wollen die Nachholtermine im Sommer machen, andere haben sie in den Herbst gelegt.“

Anfang Oktober

Letzteres passiert etwa in Germering in der Pfarrei St. Martin. Hier soll die Erstkommunion Anfang Oktober stattfinden. Die vorbereitenden Gruppenstunden, die in den letzten Wochen ausgefallen sind, werden vorher nachgeholt. „Es fehlen nur noch zwei“, sagt Veronika Strauch, eine der Leiterinnen. Ihr neunjähriger Sohn Benjamin ist unter den Kommunionkindern. Die Verschiebung habe er sehr pragmatisch hingenommen, erzählt seine Mutter. „Am enttäuschtesten ist er darüber, dass er die Familie nicht sieht.“ Neun Cousins und Cousinen wären mit ihren Eltern aus Österreich, der Schweiz und Dänemark angereist. Im Oktober werden nicht alle dabei sein können.

In Martin Bickls Pfarrverband Alling-Eichenau sind drei Kommunionstermine für Ende September, Anfang Oktober vorgesehen. Eventuell finden an diesen Tagen zwei Feiern hintereinander statt, wobei dem Pfarrer klar ist, „dass die Begeisterung derer, die um neun Uhr kommen müssen, wohl nicht sehr groß sein wird“. Bickl hofft auf eine Verringerung des Mindestabstands von zwei auf eineinhalb Meter, wie er in anderen Bundesländern gelte. Das würde helfen, denn dann wäre es möglich, auch in den kleineren Kirchen des Pfarrverbands mehr Leute unterzubringen.

Die Firmungen

Verschoben sind in der Erzdiözese München und Freising auch alle Firmungen, und zwar bis nach dem Ende der Sommerferien. „Es gilt aber auch: Die Firmungen 2020 sollen noch 2020 stattfinden“, sagt Bickl. Damit das zu bewältigen ist, werde möglicherweise die Zahl der Firmspender erhöht. „Zur Zeit dürfen nur der Erzbischof, drei Weihbischöfe, die Mitglieder des Domkapitels und verschiedene Äbte die Firmung spenden.“ Es könne aber jedem Priester die Firmvollmacht verliehen werden. Bickl rechnet damit, dass nach den Pfingstferien klar ist, wie es weitergeht.

Zur Firmvorbereitung gehört die Mitarbeit in Projekten. Der 14-jährige Simon Effinger aus Germering war beispielsweise in einer Gruppe, die sich mit der Gestaltung von Gottesdiensten beschäftigte. „Kurz nach Beginn der Coronakrise wurde alles gestoppt“, erzählt seine Mutter Conny. Wichtiger als ein schneller Ersatztermin ist ihr, dass die Projekte wieder aufgenommen und zum Abschluss gebracht werden. „Die Kinder haben heute ja weniger mit Kirche zu tun, und die Projekte sind eine gute Gelegenheit, sich damit zu beschäftigen.“

Auch in der evangelischen Kirche fallen in diesen Wochen die Konfirmationsfeiern aus, „mindestens bis zum 31. August“, wie Dekan Markus Ambrosy sagt. In der Brucker Erlöserkirche ist für Oktober ein „Bleistifttermin“ vorgemerkt, aber fest steht noch nichts. „Das ist uns den Eltern gegenüber unangenehm, aber wir können es nicht ändern.“ Die Leiter der Konfi-Stunden versuchen derweil, mit ihren Gruppen per E-Mail oder Whatsapp in Kontakt zu bleiben. Sogar eine eigene Konfi-App gibt es neuerdings, berichtet Religionspädagogin Marion Schlögl von der Kirchengemeinde Grafrath, zu der über 20 Ortschaften im westlichen Landkreis gehören.

„Man kann Aufgaben einstellen, aber nicht kommunizieren.“ Demnächst soll ein Zoom-Meeting stattfinden, bei dem die Gruppe sich endlich wiedersehen und im Gespräch austauschen kann. Wann die verschobenen Konfirmationen im westlichen Landkreis nachgeholt werden, soll in den nächsten Wochen entschieden werden. „Eventuell im Herbst mit kleinen Gruppen – oder im nächsten Jahr gemeinsam mit dem neuen Jahrgang.“

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