+
Stehender Applaus: Die CSU feierte noch einmal ihren Stimmkreisabgeordneten Reinhold Bocklet (r.).

Reinhold Bocklet verlässt den Landtag

Die CSU im Kreis Fürstenfeldbruck nimmt Abschied von einem Staatsmann

  • Thomas Steinhardt
    VonThomas Steinhardt
    schließen

Zweimal erhielt er stehenden Applaus, er selbst bekannte, dass es ihm schwer falle, diesen Abend zu erleben:

Mammendorf – Die Kreis-CSU hat am Freitag den langjährigen Stimmkreisabgeordneten und 1. Landtagsvize-Präsidenten Reinhold Bocklet verabschiedet. Er hatte nicht mehr für den Landtag kandidiert.

„Ich habe das Mandat von Euch bekommen und gebe es nun an Euch zurück“, sagte ein sichtlich bewegter Reinhold Bocklet am Ende seiner Rede in Richtung der rund 200 CSU-Mitglieder, die zur Verabschiedung im Rahmen der Delegiertenversammlung für die EU-Wahl ins Mammendorfer Bürgerhaus gekommen waren.

Der Landrat bei der Fotoshow

Unter Verweis darauf, dass am Ende natürlich nur der Wähler zähle, vorher aber immer die Nominierung innerhalb der Partei stehe, betonte Bocklet, nun in die Reihe – „Zu Euch“ – zurück zu gehen und darauf stolz zu sein, „dass ich da sein darf“.

Für die Zeit nach seinem Abschied aus dem Landtag erwartet er mehr Freiraum für sich, weniger Stress, wiewohl neue Termine bereits geplant seien – und wobei ohnehin mehrfach mitschwang, dass Bocklet sich nicht so einfach zurück ziehen wird (können): So bat Landrat und CSU-Kreis-Vorsitzender Thomas Karmasin, den „Staatsmann“ Bocklet weiterhin um Rat bitten zu dürfen und so bot Bocklet seinem Nachfolger im Direktmandat, Benjamin Miskowitsch, an, ihn namentlich in Fragen des öffentlichen Nahverkehrs zu unterstützen. Die Ergebnisse der Bemühungen – gemeint ist vor allem die S-Bahn – seien hier, obwohl manches erreicht wurde, für ihn eher unbefriedigend, sagte Bocklet. Das Thema sei aber so wichtig, dass es mit allem Nachdruck weiter verfolgt werden müsse.

Zu seinen Erfolgen direkt im Stimmkreis zählte Bocklet wie in ähnlicher Form der Landrat vorher unter anderen die Gründung des Regio-Schlachthofs, das Grüne Zentrum, die Verlegung der Germeringer Bahnstromtrasse, den Bau der Psychiatrischen Klinik und die Verhinderung der Fursty-Zivilflieger

Die Junge Union würdigte Bocklet in launigen, ironischen und musikalisch mit dem Charme des noch Unperfekten vorgetragenen G‘stanzerln, wo es unter anderem hieß: „Für unsere Heimat hat er gekämpft wie ein Stier, jetzt haut sich der Benji rein, vor allem für die S4“, wobei mit „Benji“ natürlich der neue Abgeordnete Benjamin „Landesbenji“ Miskowitsch gemeint war und wobei manche im Saal glaubten, statt „S4“ das Wort „Bier“ gehört zu haben. Den früheren Europaminister und heute noch auf dieser Ebene engagierten Bocklet bedachte die Frauen Union mit einer kunstvoll aus vielen verschiedenen Sprachen zusammengesetzten Rede: „Europa sind wir“, hieß es an deren Ende.

Bocklet mit JU-Vertretern

Zuvor hatte eine Bildershow Bocklets Werdegang in Fotos dokumentiert: Bocklet mit Strauß, Bocklet mit Stoiber und Bocklet mit vielen anderen Polit-Größen – sowie Bocklet vor (wenigen) Jahren neben einer sehr sehr jungen Katrin Staffler – die Landtagsbesucherin von damals gehört heute bekanntlich dem Bundestag an.

Die CSU forderte Reinhold Bocklet auf, die Demokratie an der Basis zu bewahren. Keinesfalls dürfe man den Ehrgeiz vergessen, Bayerns Spitzenstellung weiter zu entwickeln. Bocklet, auch in Richtung Miskowitsch: „Entscheidend ist, im richtigen Moment das Richtige zu tun.“ 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare