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Um die 400 Ehen schließen die Standesbeamten Kornelia Pichlmeier (oberes Foto v.l.), Petra Oswald und Christian Fasching im Jahr.

Das besondere Standesamt

Darum ist Heiraten in Fürstenfeldbruck so beliebt

Heiraten in Fürstenfeldbruck – das ist fast schon ein Trend. Denn immer mehr Menschen von auswärts schließen im Alten Rathaus den Bund der Ehe. Inzwischen sind es so viele, dass der Samstag nur noch für waschechte Brucker Einwohner reserviert ist.

Fürstenfeldbruck – Wer öfter durch die Hauptstraße geht, kennt sie Szene: Auf der schönen Treppe zum Alten Rathaus stehen sie, er im todschicken Anzug und sie im atemberaubend weißen Kleid. Freunde werfen Reis und Blütenblätter, die Gesellschaft stößt mit Sekt an. Besonders am Freitag und Samstag schreiten die Brautpaare fast im Halbstundentakt die Stufen zum Brunnen auf dem kleinen Platz hinunter. Heiraten in Fürstenfeldbruck ist einfach in – doch warum eigentlich?

Das Trauzimmer

Am Ambiente liegt es sicher, da sind sich OB Erich Raff und Petra Oswald, Leiterin des Standesamtes, einig. „Einen so tollen Saal gibt es nicht so oft“, sagt Raff. Und das schöne Trauungszimmer hat einen weiteren Vorteil: Es liegt nicht – wie oft üblich – im Rathaus. So werden die Gäste nicht so sehr von Parteienverkehr gestört, es ist auch ruhiger. „Die Brautpaare sind unter sich“, sagt Oswald. Und die Ruhe vor dem aufregenden Ja-Wort im Trauzimmer schätzen sie sehr. Nicht nur Brucker und Bürger aus dem Landkreis – immer mehr Menschen aus dem Münchner Raum und dem Umland zieht es in die Kreisstadt.

400 Paare im Jahr

Rund 400 Paare trauen die drei Standesbeamten im Jahr – früher war es gerade mal die Hälfte. Damit sind sie gut ausgelastet. Denn neben den Trauungen kümmern sich Standesbeamte noch um vieles mehr, etwa um Geburts- und Sterbeurkunden, Namensänderungen und andere Dinge. Trotzdem bleiben die Trauungen natürlich die Hauptaufgabe.

Wer sich von Montag bis Donnerstag in Bruck das Ja-Wort geben möchte, hat keine großen Probleme, einen passenden Termin im Alten Rathaus zu bekommen. Am Freitag wird es schon deutlich enger mit dem Wunschdatum. Da das Standesamt aus personellen Gründen nur an einem Samstag im Monat öffnen kann, können da nicht alle Wünsche erfüllt werden. Daher gibt es eine Regelung. „Wir bieten die Samstagstermine nur für Fürstenfeldbrucker an“, erklärt Oswald.

30 Minuten Zeit

Von 8 bis 12 Uhr hat das Amt im Alten Rathaus da geöffnet, in beliebten Monaten kommen sechs bis sieben Paare nach Bruck. Los geht es um halb neun oder neun Uhr. „Wenn die Leute um 8 Uhr heiraten wollen, sind wir auch da“, sagt Petra Oswald. Doch das ist den meisten Paaren dann doch zu früh. Trauung am Fließband? Keineswegs: Eine halbe Stunde nehmen sich die Standesbeamten für eine Trauung Zeit – in München ist es oft viel weniger. Und das schätzen die Paare auch.

Das Alte Rathaus in der Hauptstraße ist sehr beliebt unter den Brautpaaren. Das liegt einerseits am schönen Ambiente im Trauzimmer. Aber auch die Freitreppe, die vom Standesamt zum Brunnen vor dem kleinen Platz führt, ist ein viel gewähltes Motiv für die Erinnerungsfotos.

Zwei Wartebereiche gibt es – einen im Erdgeschoss und einen im ersten Stock. So kommen sich die Hochzeitsgesellschaften nicht in die Quere und der Rahmen bleibt für alle würdig vom letzten Gespräch vor der Trauung bis zum Weg die schöne Freitreppe hinab. Mal ist das Trauungszimmer nur mit dem engsten Familienkreis besetzt, mal stehen die Menschen dicht gedrängt. „Die standesamtliche Trauung hat an Bedeutung gewonnen“, sagt Oswald. Doch so lange alle ins Zimmer passen, hat sie kein Problem mit den großen Gesellschaften.

Die Sonderwünsche

Und jede hat so seine eigenen Wünsche am schönsten Tag im Leben – von weißen Tauben bis zum Pianisten –die Standesbeamten haben alle Kontakte. Die Stadt hat sogar eine eigene Broschüre übers Heiraten in Fürstenfeldbruck herausgegeben, mit Tipps für Kleidung, Lokal und Co. sowie einer Etikette. Blumen und Reis streuen ist natürlich draußen erlaubt, nur Metallflitter sehen die Standesbeamten nicht so gerne. Die fliegen dann bei Wind schnell durch die ganze Innenstadt.

Hochzeit im Urlaub

Die weitesten Hochzeitspaare kamen aus Norddeutschland und aus dem Schwarzwald, erzählt Oswald. Sie ließen sich im Urlaub in Bruck trauen. Auch aus dem Ausland reisen Paare an – sie hatten ihren letzten Wohnsitz in der Kreisstadt und nutzen daher die Chance, näher bei ihren Familien zu heiraten. An eine ganz besondere Hochzeit kann sich die 55-jährige, die seit 1994 im Standesamt arbeitet, aber nicht erinnern. „Jede Trauung ist etwas ganz Besonderes.

Klar ist: Im Standesamt würden noch mehr Menschen heiraten. Doch um weitere Samstagstermine zu ermöglichen, müsste personell aufgestockt werden, meint OB Raff. Ob das geschieht, steht in den Sternen. Sicher ist aber, dass auch die Stadt und das Umland vom Heirats-Boom profitiert: Der eine oder andere feiert auch in einem Landkreis-Lokal.

von Ingrid Zeilinger

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