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Drei Fragen an Birgitta Klemenz

Darum schwimmen Luzienhäuserl auf der Amper

Ein Lichtermeer ist am Mittwoch, 13. Dezember, wieder auf der Amper zu bewundern. Denn die von Kindern selbst gebastelten Häuschen werden auf dem Fluss die Nacht erhellen. Was es mit dem alten Brauch des Luzienhäuserlschwimmens auf sich hat, erklärt die Brauchtumsexpertin und Kulturreferentin Birgitta Klemenz (55).

Fürstenfeldbruck – 


-Frau Klemenz, am 13. Dezember werden Hunderte Schüler in Fürstenfeldbruck selbst gebastelte leuchtende Häuser die Amper hinunter schwimmen lassen. Was hat es damit auf sich?

Der 13. Dezember ist der Tag der Heiligen Luzia. Bis zur Einführung des Gregorianischen Kalenders im 16. Jahrhundert war das der Tag der Wintersonnwende, also der mit der längsten Nacht des Jahres. Entsprechend hat hier Licht einen besonderen Stellenwert.

Birgitta Klemenz ist Kulturreferentin und Brauchtumsexpertin derStadt Bruck. 

In Fürstenfeldbruck gab es an einem Luzientag im 18. Jahrhundert ein starkes Hochwasser. Damals baten die Bürger die Heilige Luzia um Fürsprache bei Gott und versprachen im Gegenzug, alljährlich Nachbildungen ihrer Häuser der Amper zu übergeben. Die Erwachsenen haben das Versprechen bald vergessen – bis es die Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufleben ließen und es bis heute einlösen.

-Wie läuft das Luzienhäuschenschwimmen ab?

Die Schulkinder, früher nur die Buben, heute auch die Mädchen, basteln Häuschen aus Holz und Papier, die auf dünne Holzplatten gesetzt werden. Umweltschädliche Materialien werden bewusst vermieden. Vor dem ersten Advent bringen alle ihre Häuschen in die Sparkasse, wo sie bis zum 13. Dezember ausgestellt werden.

Am Abend gibt es dann eine ökumenische Andacht vor der Leonhardikirche, die Kerzen in den Häuschen werden an der Osterkerze entzündet und dann darf das Lichtermeer mit Hilfe der örtlichen Wasserwacht die Amper hin-unterschwimmen. Manche Häuser bleiben im Uferbereich hängen, die meisten finden ihren Weg stromabwärts, bis sie dann irgendwo untergehen.

-Feuer, Wasser, Kinder – da läuft doch bestimmt nicht immer alles ganz reibungslos?

Da fällt mir ein Vorfall aus dem letzten Jahr ein: Beim Entzünden einer Kerze in einem der Häuschen ging das Wattedach in Flammen auf. Der Brand wurde schnell mit Weihwasser gelöscht. Verursacht hatte ihn der Bürgermeister, gelöscht habe ich, weil ich in diesem Jahr in Vertretung des erkrankten katholischen Pfarrers den Gottesdienst übernommen hatte.

Das Gespräch führte

Brigitte Bitto (epd)

Die Luzienhäuserl

schwimmen am Mittwoch,13. Dezember, wieder auf der Amper. Die Andacht beginnt um 18 Uhr vor der Leonhardikirche. Im Anschluss setzen Helfer der Wasserwacht die Häuser in den Fluss. Von der Amperbrücke aus lässt sich das Lichtermeer sehr gut beobachten.

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