Freuen sich riesig, dass sie wieder in der „Legends Lounge“ sein können: Christiana (rote Jacke) und die anderen Besucher. 	fotos: peter weber
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Freuen sich riesig, dass sie wieder in der „Legends Lounge“ sein können: Christiana (rote Jacke) und die anderen Besucher.

Olching

Neustart nach den Corona-Beschränkungen: Das erste Mal wieder im Club feiern

  • Peter Loder
    VonPeter Loder
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Kein Abstand, kein Tanzverbot, keine Maskenpflicht. Nun haben auch die Clubs und Discos nach fast 18-monatiger Corona-Zwangspause unter strengen Auflagen wieder geöffnet. Das Tagblatt war beim Re-Start im Olchinger „Legends Lounge“-Rocktempel dabei.

Olching – Samstag, 19.30 Uhr: Nach 576 Zwangsruhetagen wird in eineinhalb Stunden die Rock-Kneipe „Legends Lounge“ ihre von Türsteher Peter Miller (55) überwachte Pforte wieder öffnen. Drinnen versammelt Disco-Chef Werner Runge sein Personal noch mal um sich. Es ist das letzte Briefing vor der sehnlichst erwarteten Wiedereröffnung. Alle sind jetzt irgendwie ein bisschen aufgeregt und angespannt.

An der Bar sind die Plätze ebenso wie an den Tischen schon mit Namensschildern versehen. 70 Reservierungen sind im Vorfeld der Wiedereröffnung eingegangen. Nach fast 18-monatiger Pause hat selbst die nach acht „Legends“-Jahren schon routinierte Tresen-Chefin Anschi ein bisschen Lampenfieber. „Hoffentlich klappt alles. Die Arbeit hier hat mir sehr gefehlt, sie ist mein Leben.“

Prost, endlich ist die traurig-langweilige Zeit vorbei: Dagmar Weber und Wolfgang Samitz stoßen auf die erste Clubnacht nach dem Lockdown an. 

Als Türsteher Peter Miller um Punkt 21 Uhr die ersten Gäste in den Rock-Tempel lässt, ist er überrascht, wie begeistert die Kundschaft auf die wiedergewonnene Freiheit reagiert: „Ja wie geil ist das denn?“ kreischt eine vierköpfige Gruppe mit Disco-Ladies. Klaglos wird die Fünf-Euro-Eintrittsgebühr berappt und sich das farbige Erkennungsbändchen umgelegt.

„So befreiend“

Detlef Neetz ist mit seiner Moni mit der S-Bahn aus München gekommen. „Oh, wie haben wir das vermisst“, jubeln beide. „Es ist so befreiend.“ Das seit 2010 unter dem Namen „Legends“ bestehende Lokal ist die Stamm-Disco der beiden Münchner. Mehrmals im Monat kommen Detlef und Moni „raus aufs Land, um abzufeiern“.

Noch länger ist Christiana unterwegs. 300 Kilometer hin und zurück nimmt die im Allgäu lebende Sächsin auf sich, um seit fünf Jahren mindestens zweimal im Monat „bei meiner Musikfamilie“ zu sein. An der Theke mischt sie sich in eine optisch zwar in die Jahre gekommene, aber immer noch langmähnig und noch längst nicht in Ehren ergraute Schar von auf Barhockern versammelten Altrockern.

Unheimlich nette Leute

Weiter hinten neben der bislang noch kaum frequentieren Tanzfläche (man hat sich offensichtlich erst mal viel zu erzählen, ehe Beine und Arme ausgeschüttelt werden) erklärt die aus Bad Tölz angereiste Dagmar Weber ihrem österreichischen Begleiter Wolfgang Samitz aus Villach die „legend-ären“ oberbayerischen Gepflogenheiten im rockigen Olching. „Wie haben wir das vermisst. Es war eine so traurig langweilig-fade Zeit.“ Dagmar Weber war vor etlichen Jahren über die ebenfalls am Wiedereröffnungstag vertretenden Brucker Rockfreunde auf die „unheimlich netten Leute“ in der Olchinger Kult-Kneipe aufmerksam gemacht worden. Seitdem ist sie ebenso regelmäßig vor Ort wie Inge und Sepp Saller aus dem benachbarten Esting.

Das Ehepaar will nach 18 Monaten „Home-Rock am Computer“ mal wieder Musik in Original-Lautstärke hören und ein paar Leute treffen. Außerdem haben sie so etwas wie eine erzieherischen Auftrag zu erledigen: Sohn Florian, der Ex-Trainer von Estings ruhmreichen Volleyballerinnen, begleitet seine Eltern zu den „Legenden“ und erfüllt damit eine Art generationsübergreifendes Disco-Revival. Schon am nächsten Samstag legt DJ Chris erneut auf, am 6. November ist dann das erste Live-Konzert mit einigen Bands geplant. Bis dahin hofft Werner Runge, dass nach der Eröffnungsnacht in seiner „Legends Lounge“ keine Corona-Fälle gemeldet werden. Denn Beispiele, wie es nicht laufen soll, hat es schon genügend gegeben.

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