+
„Man mussherausfinden, was den MenschenSpaß macht.“Renate Nörr, Demenzbegleiterin Ein Team: Renate Nörr mit Hündin Cury

Demenzbegleiterin schenkt Familien Freiheit

Wegen der steigenden Lebenserwartung werden künftig mehr Menschen an Demenz erkranken. Die ehrenamtlichen Demenzbegleiter der Caritas entlasten Angehörige, die Betroffene zuhause betreuen. Renate Nörr ist eine von ihnen.

Fürstenfeldbruck – Sie betreut mehrere Familien im Landkreis. Immer an ihrer Seite: ihr sechs Jahre alter Flat-Coated Retriever Cury. Wie ihr Frauchen hat auch die Hündin eine Ausbildung bekommen, bevor sie das erste Mal zu einem Einsatz mitkommen durfte. „Sie wurde geschult“, erzählt Renate Nörr.

Sie selbst hat bei der Caritas an Schulungen und Fortbildungen teilgenommen. Dort wurde ihr der richtige Umgang mit den Patienten und den Angehörigen beigebracht, doch: „Man muss jeden Patienten anders behandeln, denn jeder Mensch ist ja auch anders“, sagt die Rentnerin, die sich freut, mit ihrer Arbeit helfen zu können.

Das A und O bei der Betreuung von Demenzkranken ist für Renate Nörr: „Man muss sich selbst zurücknehmen und herausfinden, was die Menschen können und was ihnen Spaß macht“, sagt sie. So kann es sein, dass manche noch Kreuzworträtsel lösen, andere spielen mit einem Ball oder legen Mosaike und Puzzles. Denn bei vielen Demenzpatienten funktionieren das Langzeit- und das motorische Gedächtnis noch relativ gut. Sie können häufig auch über frühere Zeiten erzählen. „Ich hatte mal einen Patienten, für den war es sehr wichtig, regelmäßig auf den Friedhof zu gehen, um dort seine Frau zu besuchen. Das hat ihm gutgetan“, erzählt die ehrenamtliche Begleiterin.

Im Laufe der Zeit sind ihr die Patienten ans Herz gewachsen und auch wenn sie nur wenige Stunden in der Woche mit ihnen verbringt, schmerzt es sie, wenn einer von ihnen gehen muss. Eine Familie am Rande von Fürstenfeldbruck liegt ihr ganz besonders am Herzen, denn hier hat das Schicksal gleich zweimal zugeschlagen.

Bei Vater Alfred wurde vor zwei Jahren Parkinson festgestellt und durch die Behandlung und das verschriebene Medikament hat sich bei ihm zusätzlich die Demenz entwickelt. Nun muss er rund um die Uhr betreut werden. Er kann nur noch schlecht laufen und droht ständig zu stürzen. Dazu kommt, dass die Tochter zusätzlich zu einer Behinderung an Epilepsie leidet. Die Gefahr besteht, dass sie während eines Anfalls stürzt und sich verletzt. So bleibt die meiste Arbeit an Mutter Martha hängen, die lediglich ihren Sohn und ein paar Freunde hat, die ihr, wenn es geht, unter die Arme greifen.

Da ist die Hilfe von Renate Nörr goldwert. „Es ist nicht nur, dass sie für meinen Mann und meine Tochter ein paar Stunden da ist, sondern auch für mich sind ihre Besuche sehr wertvoll. Vor allem, dass ich mal mit jemand anderem rede als mit der Familie, tut mir sehr gut“, erzählt Martha.

Während Renate Nörr mit ihrer Tochter und ihrem Mann spielt oder Übungen macht, geht Martha gern in ihren Gemüsegarten oder kümmert sich um Dinge, die sonst liegen bleiben. Durch die Demenzbegleiterin bekommt sie ein kleines Stück Freiheit zurück. Trotz Parkinson und Demenz freut sich Martha auf den 50. Hochzeitstag mit ihrem Alfred und hat diesbezüglich ein Anliegen an den Oberbürgermeister: „Es wäre schön, wenn Erich Raff die Zeit finden könnte, uns an dem Tag zu besuchen.“ (tel)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jubel über den Spatenstich für die Offene Ganztagsschule
Ab dem Schuljahr 2018/19 gibt es in Grafrath eine Offene Ganztagsschule. Der Startschuss dafür wurde mit dem Spatenstich für den Anbau ans Schulhaus gegeben.
Jubel über den Spatenstich für die Offene Ganztagsschule
Kostenexplosion bei Abriss der Ährenfeldschule
Entsetzen und Empörung im Sonderausschuss für Bauvorhaben in Gröbenzell: Der Teilabriss der Ährenfeldschule ist wesentlich teurer geworden als geplant. Statt 188 000 …
Kostenexplosion bei Abriss der Ährenfeldschule
SCF: Schlusspfiff mit Pleite auf ganzer Linie
Der SC Fürstenfeldbruck ist pleite. Die Vergangenheit hat den Verein eingeholt. Wie es mit dem einstmals glorreichen Fußballclub weitergeht, ist ungewiss. Auch sportlich …
SCF: Schlusspfiff mit Pleite auf ganzer Linie
Mehr soziale Gerechtigkeit
Elf Direktkandidaten aus verschiedenen Parteien treten bei der Bundestagswahl im September im Wahlkreis Bruck/Dachau an. Die Redaktion stellt sie in Steckbriefen vor. …
Mehr soziale Gerechtigkeit

Kommentare