Bunte Kolonne durch Bruck: Hunderte Radler durchquerten bei der Sternfahrt nach München den Landkreis. 
+
Bunte Kolonne durch Bruck: Hunderte Radler durchquerten bei der Sternfahrt nach München den Landkreis. 

Es gab sogar Applaus

Sternfahrt durch den Landkreis Fürstenfeldbruck: So lief die Demo gegen die IAA

Hunderte Teilnehmer von überall her strampelten friedlich bei der Sternfahrt durch den Landkreis Fürstenfeldbruck, um ein Zeichen gegen die Automobilausstellung IAA zu setzen. Aus der Reihe fielen nur einzelne Autofahrer.

Landkreis – So sieht eine Demo aus, wenn die Teilnehmer sich auf zwei Rädern fortbewegen: Ein bunter Konvoi aus Hunderten Radlern fährt mitten auf der Hauptstraße in Fürstenfeldbruck. Viele haben Fahnen oder Plakate an ihren Drahteseln angebracht. Ganz klar: Hier wird für die die Verkehrswende und mehr Klimaschutz demonstriert.

Ach ja: Und natürlich gegen die Automobilbranche und deren Messe in München (IAA). Manche haben Boxen angebracht, aus denen laut Musik schallt.

Die Veranstalter, zu denen der Deutsche Fahrradclub ADFC gehört, hatten zu der Sternfahrt mit Ziel Münchner Theresienwiese am Samstag aufgerufen. Eine der Strecken (die von Augsburg) führt durch den westlichen Landkreis, die Stadt Fürstenfeldbruck, Eichenau Puchheim und Germering.

Nur ein böses Schild am Straßenrand

Für die Autofahrer bedeutet das an vielen Stellen: Geduld aufbringen. Hauptverkehrsstraßen wurden für den normalen Verkehr gesperrt An vielen Kreuzungen müssen Autofahrer warten, bis die Kolonne vorbeizieht. Die meisten schauen den Demonstranten überrascht hinterher.

Radeln mal anders: Velomobile, im hinteren sitzt Torsten Kretschmann, der extra aus Darmstadt kam. 

Am Straßenrand herrscht eine sehr freundliche Atmosphäre. Viele Passanten winken, einige applaudieren sogar. Nur ein Mann in Emmering hält ein Schild mit der Aufschrift „Idioten“ in die Höhe. Ansonsten gibt es kaum Kritik.

„Es ist eine freundliche Veranstaltung, alle sind gut drauf“, sagt Patrick Pest. Er ist in Augsburg gestartet und fordert mehr Platz für das Fahrrad, weil es ein sehr praktisches Verkehrsmittel sei. „Man ist an der frischen Luft, bewegt sich und kommt schnell voran.“ Es müsse zudem eine bessere Trennung vom Autoverkehr geben, denn die derzeitige Infrastruktur provoziere regelmäßig gefährliche Situationen. Pest freut sich über die zahlreichen Teilnehmer an der Sternfahrt: „Es ist eine bunte Mischung an Leuten und Fahrrädern.“

Tatsächlich sind Rennräder, E-Bikes, Lastenräder oder Tandems zu sehen. Torsten Kretschmann ist in einem Velomobil unterwegs. Es hat eine geschlossene Verkleidung und man radelt im Liegen. Kretschmann extra aus Darmstadt hergeradelt. „Ich war auf der Demo gegen die IAA in Frankfurt dabei und es war eine Ehrensache für mich, hier mitzufahren.“

Sogar aus der Schweiz waren Radler dabei

Eine weite Anreise – aber mit dem Zug – hatten auch Aissata Strobel und ihre Freunde. Sie sind extra aus der Schweiz gekommen. „Wir wollen ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Es ist schön, zu sehen, dass sich so viele andere Leute ebenfalls dafür einsetzen.“

Einer der Ordner schätzt, dass der Konvoi in Germering schließlich auf mindestens 1000 Leute angewachsen ist. Im Vorfeld war mal von 1500 die Rede.

Ashley Fließ, die Fahrradohrringe trägt, ist bereits in Luttenwang dazugestoßen. „Ich finde es wichtig, einen Gegenpol zur IAA zu schaffen und ich will den Fokus auf ein Verkehrsmittel legen, das nicht der Umwelt schadet und nicht so viel Platz wegnimmt“, sagt die Münchnerin. Für sie ist die Sternfahrt daher eine Art Werbeveranstaltung für das Fahrrad.

Von wegen voll im Eimer: In Germering war noch Kraft für Trommel-Einlagen. 

Rosemarie Kreißl fordert ebenso ein Ende des „Autowahnsinns“. „Ich will zeigen, dass es andere Möglichkeiten gibt, sich fortzubewegen“, sagt die Frau aus Friedberg (Landkreis Augsburg). Sie freut sich, dass für die Sternfahrt mehrere große Straßen gesperrt wurden. „Wann komme ich schon einmal auf der B2 nach München?“

Über die Bundesstraße fahren die Teilnehmer durch Germering nach München. Probleme gibt es dabei keine. „Es ist alles komplikationslos verlaufen“, sagt der Leiter der Germeringer Polizeiinspektion, Jürgen Dreiocker.

Ein Autofahrer durchbrach die Sperre

Von einzelnen renitenten Autofahrern berichtet die Feuerwehr, die an den Absperrungen stand. „Einer wollte nicht stehen bleiben“, erzählt der Eichenauer Kommandant Maximilian Grain. Offenbar nichts Dramatisches, aber man prüfe dennoch, ob man eine Anzeige in Angriff nehme.

Sicherheit geht vor: Die Polizei begleitete den Radl-Tross. 

Die Germeringer Feuerwehr war mit 24 Einsatzkräften vertreten. Der Tross fuhr sogar direkt am Feuerwehrhaus vorbei. Auch von dort berichtet Sprecher Christian Haugg, dass alles weitgehend gesittet ablief. „Nur ein Autofahrer musste uns seine Meinung über die Veranstaltung deutlich mitteilen. Er fand das Ganze ziemlich doof, wie er sagte.“

Gut die Hälfte der Autofahrer sei überrascht gewesen, weil sie im Vorfeld nichts von der Aktion mitbekommen hätten. „Dabei ist ja sehr ausführlich berichtet worden“, findet Haugg. So blieb es für die Einsatzkräfte im Landkreis trotz großem Aufwand ruhig. Die Münchner Kollegen hatten mehr zu tun. Auf einer Demo wurde etwa Pyrotechnik abgebrannt.

Andreas Schwarzbauer

Auch interessant

Kommentare