Auge in Auge mit dem Heiligen Johannes von Nepomuk. Wie Museumsmitarbeiterin Verena Beaucamp können auch die Besucher die Figur in der Ausstellung bewundern.
+
Auge in Auge mit dem Heiligen Johannes von Nepomuk. Wie Museumsmitarbeiterin Verena Beaucamp können auch die Besucher die Figur in der Ausstellung bewundern.

Fürstenfeldbruck

Der Brückenheilige blickt auf die Ausstellungsbesucher herab

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
    schließen

In nur zwei Jahrzehnten schuf der geniale Rokoko-Bildhauer Ignaz Günther (1725-1775) ein umfangreiches Gesamtwerk von europäischem Rang.

Fürstenfeldbruck - Wie im Rausch soll er geschnitzt haben, meist biblische Gestalten, Heiligenfiguren und Hochaltäre für kirchliche Auftraggeber im Großraum München. Eines seiner Werke ist in der Dauerausstellung des Brucker Museums zu sehen – eine Figur des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk. Sie ist eines der herausragenden Exponate des Hauses und in vielerlei Hinsicht typisch für Günthers Stil.

Die aus Lindenholz gefertigte Skulptur ist wohl um 1766 entstanden. Sie schmückte bis etwa 1865 den Kanzelbaldachin der Brucker Pfarrkirche St. Magdalena. Johannes von Nepomuk wird in Betrachtung des Kruzifixus dargestellt. Der schmale Kopf und der vergeistigte, entrückte Gesichtsausdruck sowie die Theatralik der Haltung weisen eindeutig auf Ignaz Günther als Schöpfer hin. Signiert hat dieser seine Werke selten.

Es war ein Kunstgriff des Bildhauers, seine Figuren in den üppigen barocken Gewändern seiner Zeit darzustellen. Johannes von Nepomuk trägt die typische Kleidung eines Chorherren. Besonders gut gelungen sind Ignaz Günther die Materialität des Gewands und die feine Arbeit des Spitzensaumes sowie die edel geformten Hände der Figur.

Johannes von Nepomuk wurde um 1350 in Pomuk bei Pilsen geboren und gehörte bereits mit 19 Jahren als Notar und Sekretär zum Gefolge des damaligen Erzbischofs. Im Zuge machtpolitischer Auseinandersetzungen zwischen Klerus und Krone ließ der böhmische König Wenzel IV. Nepomuk als ranghohen Kirchenmann 1393 in die Moldau stürzen und ertränken. Als Brückenheiliger steht seine Statue auf vielen Brücken Europas – auch auf der Amperbrücke im Herzen Brucks.

Die Serie

In der Serie stellt das Fürstenfeldbrucker Tagblatt in loser Folge besondere Ausstellungsstücke aus den Heimatmuseen in der Region vor – als Ersatz für Besuche, die wegen der Pandemie lange nicht möglich waren. Inzwischen ist das Museum wieder geöffnet. Anmelden kann man sich unter Telefon (0 81 41) 61 13 13 oder per E-Mail an museum@fuerstenfeldbruck.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare