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Der Weg des Getreides aus dem Landkreis

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Von: Tobias Gehre

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Der Herr der Körner: Jakob Gerstacker ist Geschäftsführer im Raiffeisen Lagerhaus in Moorenweis und sorgt dafür, dass das Getreide bei seinen Abnehmern landet.
Der Herr der Körner: Jakob Gerstacker ist Geschäftsführer im Raiffeisen Lagerhaus in Moorenweis und sorgt dafür, dass das Getreide bei seinen Abnehmern landet. © Gehre

Die Getreide-Ernte ist so gut wie abgeschlossen. Tausende Tonnen haben die Landwirte bisher von ihren Feldern geholt. Was bisher wenig Beachtung fand, hat seit dem russischen Angriff auf die Ukraine einen ganz neuen Stellenwert. Doch was passiert mit Weizen, Hafer und Co. aus dem Landkreis? Eine Spurensuche.

Landkreis – Die Mähdrescher stehen wieder in ihren Hallen, auf den Feldern zeugen nur noch Stoppeln von der Ernte. Im Raiffeisen Lagerhaus in Moorenweis herrscht aber noch immer Hochbetrieb. Dort landet ein großer Teil der Ernte aus dem Landkreis – bevor die Körner auf die Reise gehen.

Das riesige Areal an der Türkenfelder Straße ist eine Welt für sich. In Hallen groß wie Fußballplätze türmen sich Berge von Getreide, Förderbänder transportieren die Körner an ihren Lagerort. Ein gigantischer Rüttler befreit das Getreide von Schmutz und Staub. Fast im Minutentakt rumpeln Traktoren mit Anhängern auf das Gelände und entleeren ihre Fracht in große Gitter im Boden.

Der Geschäftsführer

Herr über diesen Mikrokosmos ist Jakob Gerstacker. Der 27-Jährige ist der Geschäftsführer des Lagerhauses und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Der beginnt damit, dass die Gespanne samt Fracht gewogen werden. Gleichzeitig steuert Gerstacker einen Absaugarm, der eine Probe nimmt. Die landet wenige Sekunden später im Büro des Chefs und dann im sogenannten Probenautomat. Das Gerät misst Feuchtigkeit, Proteingehalt und andere Parameter – wichtige Indikatoren für den Preis, den der Bauer später für sein Getreide erhält. „Die Proben werden drei Jahre aufbewahrt“, erklärt Gerstacker.

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Anschließend geht es für die Gespanne zu einem großen Metallgitter im Boden. Die Bordwand wird geöffnet und die Körner stürzen hinein. Förderbänder transportieren das Getreide dann an seinen Lagerort. Insgesamt passen in die verschiedenen Lager rund 12 000 Tonnen. „Während der Ernte sind wir ausgelastet“, sagt Gerstacker.

Beliefert wird das Lagerhaus von rund 2000 Bauern vorwiegend aus den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Landsberg, Starnberg und Dachau. Die würden heuer mehr als sonst verdienen. Weizen von guter Qualität bringe rund 100 Euro mehr pro Tonne als 2021. Den großen Reibach machten die Landwirte aber nicht. Denn Dünger, Diesel und andere Produktionsmittel seien heuer um einiges teurer.

Lange bleibt die Ernte nicht in Moorenweis. Denn die Abnehmer – Mühlen, Kraftfutterhersteller und Mälzereien – brauchen stets Nachschub. Weite Wege müssen die Lebensmittel dabei nicht zurücklegen, erklärt Geschäftsführer Gerstacker. Zu 80 Prozent lägen die Kunden in einem Umkreis von 100 Kilometern. „Uns ist wichtig, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt“, sagt Gerstacker. Ein Teil – etwa 20 Prozent – geht aber auch in den Export nach Italien. „Das kommt dann als Nudeln wieder zu uns zurück“, sagt der Chef schmunzelnd.

Der Weg ist zu lang

Dass das Getreide aus dem Landkreis nicht auf die ganz große Reise geht, liegt auch an dessen Lage. „Der Weg zu Flüssen und Häfen ist einfach zu lang“, sagt Robert Mathias Fenis, Produktmanager bei der Baywa, die in Mammendorf eine Annahmestelle für Getreide betreibt. Der Konzern hat diverse solcher Lager und somit auch den Vergleich mit anderen Regionen. „Der Landkreis ist einer der wenigen, wo es noch ausreichend Regen gab und die Erträge positiv sind“, sagt Fenis. Zudem habe die Ernte heuer früh begonnen und sei dann sehr schnell über die Bühne gegangen. „Eine Herausforderung für alle.“

Dass die Erträge heuer recht gut sind, bestätigt auch der neue Bauernobmann Matthias Heitmayr aus Dünzelbach. „Die Pflanzen haben die Trockenheit relativ gut weggesteckt“, sagt der Landwirt. Die guten Erträge würden die immens hohen Kosten decken. „Insgesamt sind die Kollegen am Ende doch zufrieden.“

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