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Präsentieren das neue Programm des Museums (v.l.): Eva von Seckendorff (stellvertretende Leiterin) mit einem sogenannten Pop-Up von Philippe Huger, das auch in der Ausstellung zu sehen sein wird. Daneben Museums-Leiterin Angelika Mundorff, Aline Pronnet mit einem Werk von Cartoonist Charles Burns und Kulturreferent Klaus Wollenberg, der eine Arbeit von Carl Thiemann (Malerschule Dachau) hält.

Comics aus Frankreich

Deutschland-Premiere im Brucker Museum

Verstaubt ist anders: Im Stadtmuseum in Fürstenfeldbruck werden heuer provokante Heftchen ausgestellt. Damit ist die Brucker Einrichtung Vorreiter – deutschlandweit.

Fürstenfeldbruck – Sie sind gemacht, um zu schockieren: Die sogenannten Graphzines, die im Brucker Museum ab Juni ausgestellt werden. Dabei handelt es sich um französische Heftchen, die auf den ersten Blick Comicbüchern ähneln – aber doch keine sind.

Oft ist der Inhalt anrüchig. Und das hat seinen Grund. Denn in den 1970er-Jahren waren es die Künstler der Underground-Szene, die die speziellen Hefte produzierten, um gegen die etablierten Formen von Kultur zu rebellieren. Gewalt und Pornografie spielen eine große Rolle – dargestellt oft als Collage, die Sprache ist derb.

Das Spezielle außerdem: Von den Werken – an denen damals oft mehrere Künstler mitwirkten – gibt es nur sehr wenige. Denn seinerzeit druckten oder kopierten die aufmüpfigen Jugendlichen ihre Zusammenstellungen für wenig Geld selbst und verteilten sie im weiteren Freundeskreis.

Das Foto links zeigt eine der Zeichnungen, die in Bruck zu sehen sein werden.

Heute sind die Revoluzzer von damals bekannte Künstler. Zu ihnen gehört etwa Kiki Picasso, der heute auch Uhren dekoriert. Einer der Promis ist Stéphane Blanquet. Der 44-Jährige kommt im Juni auch nach Bruck. „Er wird im Kunsthaus ein begehbares Buch konstruieren, um den Bezug zum Buch als Format herzustellen“, erklärt die Bruckerin Aline Pronnet (25), die die Ausstellung organisiert. Die Kunsthistorikerin arbeitet beim Zentralinstitut für Kunstgeschichte (ZI), das Graphzines sammelt. Die Hefte werden dort von Rüdiger Hoyer (Kunsthistoriker und Leiter der Bibliothek des ZI) erforscht. Sie verrät, dass es noch eine weitere Besonderheit geben wird. „Stéphane Blanquet wird extra für uns seine Künstler-Freunde akquirieren, die dann mehrere neue Graphzines herstellen.“ Einige davon darf das ZI behalten.

Und für diejenigen, die den französischen Text nicht verstehen, könnten dann die Freunde aus der Partnerstadt Livry-Gargan übersetzen. Denn natürlich steht die Ausstellung auch unter dem Stern der 50-jährigen Städtepartnerschaft, die Fürstenfeldbruck und die französische Gemeinde heuer feiern.

Ab Oktober wird es dann etwas konservativer im Museum. Die Ausstellung „… dann brach der Krieg herein!“ startet. Präsentiert werden grafische Arbeiten, die der Brucker Arzt Hans Kretschmer (1900 – 1918) dem Museum bereits 1990 vermacht hat. „Einerseits sind es Werke, die das idyllische Bild vor dem ersten Weltkrieg zeigen“, erklärt Museums-Leiterin Angelika Mundorff. „Andererseits zeigen Arbeiten etwa von Erich Greuer und Josef Weisz das Grauen des Krieges.“ Ausgestellt werden auch Leihgaben aus der Gemäldegalerie Dachau.

Und Mundorff macht auf eine weitere Neuerung im Museum aufmerksam: 2017 werden erstmals Führungen für Menschen mit Demenz angeboten. Historische Objekte sollen die Bürger in vergangene Zeiten zurückversetzen. Dafür hat das Museum eine speziell geschulte Pädagogin. Mundorff: „Es ist ein sehr schönes Projekt. Denn oft ist das Langzeitgedächtnis noch intakt. So können die Besucher schöne Momente noch einmal erleben.“

Die Graphzines

Die Graphzines werden ausgestellt von 22. Juni bis 24. September. Die Ausstellung „…dann brach der Krieg herein!“ öffnet am 26. Oktober und dauert bis 15. April 2018. Am Sonntag, 21. Mai, ist internationaler Museumstag unter dem Motto „Spurensuche und Mut zur Verantwortung“ (der Eintritt ist frei) und am Samstag, 1. Juli, ist das Museum wieder Teil der mittlerweile 17. Brucker Kulturnacht.

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