Durch einen Torbogen fuhren die Postkutschen in den Hinterhof: Das Gemälde, das Ludwig Weiß und sein Vater Ludwig Weiß senior halten, erinnert an die alte Zeit.
+
Durch einen Torbogen fuhren die Postkutschen in den Hinterhof: Das Gemälde, das Ludwig Weiß und sein Vater Ludwig Weiß senior halten, erinnert an die alte Zeit.

Serie: „Die Hinterhöfe Brucks“

Steter Wandel hinter dem Hotel zur Post

Gemüsegarten, Landwirtschaft, Parkplatz, Biergarten und jetzt eine riesige Baustelle: Kaum ein Hinterhof in Fürstenfeldbruck hat so einen Wandel durchlebt wie der hinter dem Hotel Post. Wo einst Pferde in Ställe liefen und Gemüse gepflanzt wurde, werden bald Menschen wohnen und arbeiten.

Fürstenfeldbruck – Weinreben ranken sich über dem Hinterhof. Stühle und Tische stehen zwischen Blumentöpfen und Buchsbäumen. Auf einer Seite plätschert ein Brunnen. Im Hinterhof des Hotels zur Post an der Hauptstraße – hinter dem belebten und lauten Hauptplatz – findet sich ein ein kleines Idyll. Doch das war nicht immer so.

Ein Parkplatz für Postkutschen

Erinnerungen an alte Zeiten: Das Team des Gasthofs zur Post mit einem Pferd und den Kutschen.

Bis 1984 dominierte dort grauer Teer. „Damals hat noch keiner nach einem Biergarten geschrien und es war ein Parkplatz für Autos“, erinnert sich Ludwig Weiß senior vom Hotel. Auch Jahrhunderte vorher parkten dort bereits Fahrzeuge. Damals waren es allerdings Postkutschen, die Briefe lieferten und andere für den Weitertransport abholten. Sie fuhren durch einen Torbogen von der Hauptstraße auf den Hinterhof. Die Poststation existierte von 1664 bis 1923.

Sparkasse und Drogerie

Von dem Hinterhof geht rechts ein kleiner Abstellplatz für Mülltonnen weg. „Dort war früher ein wunderschöner Garten des Forstamtes Fürstenfeldbruck mit vielen Obstbäumen“, berichtet Ludwig Weiß senior. 1954 habe die Sparkasse das Gebäude des Forstamtes gekauft, eine Filiale eröffnet und hinten angebaut. Seitdem ist der Garten Geschichte. Derzeit befindet sich ein Drogeriemarkt in dem Gebäude.

Weiter hinten auf dem Gelände tut sich derzeit eine riesige Baugrube auf – das größte Bauvorhaben in der Geschichte des einstigen Gasthofs und heutigen Hotels. Dort entstehen Wohnungen und Geschäfte.

Am Anfang war der Gemüsegarten

Früher war das Areal an der Ludwigstraße das landwirtschaftliche Anwesen der Posthalter-Familie Weiß. Zunächst nutzte die Familie die Fläche als Gemüsegarten. 1948 entstand dort eine Hofstelle mit Ställen, einem großen Heustadel und einem Wohnhaus für landwirtschaftliche Arbeiter. „Es gab Pferde, Kühe und Schweine“, erinnert sich Ludwig Weiß senior. Im Jahr 1970 zog die Familie mit ihrem landwirtschaftlichen Betrieb nach Schöngeising. Die alten Scheunen und Ställe vermietete sie als Lager.

Parkplatz ist bald unterirdisch

So sieht es jetzt aus: Im Hof werden Wohn- und Geschäftshäuser gebaut.

Der Hinterhof diente viele Jahre als Parkplatz für das Hotel. Erst 2014 wurden die Gebäude schließlich abgerissen. Nun verändert das Anwesen erneut sein Gesicht – und zwar deutlich: Die verbliebenen Parkplätze wandern in den Untergrund. Es entsteht eine Tiefgarage mit 100 Plätzen. Darüber finden Geschäfte und 35 Wohnungen Platz.

Die Serie:

In den Hinterhöfen mit ihren Gärten spielte sich früher das Leben ab. Einige haben sich verwandelt, andere nicht. Das Tagblatt schaut nach, wo die Zeit stehen geblieben ist und wo eine neue zweite Welt hinter der ersten Welt an der Hauptstraße entstanden ist.

Weitere Nachrichten aus der Stadt Fürstenfeldbruck finden Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare