Ein zufriedenes Fazit zieht Susanne Moroff nach neun Jahren als Kämmerin.
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Ein zufriedenes Fazit zieht Susanne Moroff nach neun Jahren als Kämmerin.

Fürstenfeldbruck

Die Kämmerin zieht es zurück in die alte Heimat

  • Ingrid Zeilinger
    VonIngrid Zeilinger
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Neun Jahre war Susanne Moroff die Chefin über die Brucker Finanzen. Sie erstellte den ersten doppischen Haushalt, kämpfte gegen Schulden und zuletzt mit der von der Corona-Pandemie verursachten finanziellen Krise. Diese und andere Erfahrungen nimmt die 55-Jährige nun mit nach Neu-Ulm.

Fürstenfeldbruck – Oft hat sich Susanne Moroff im Stadtrat als Überbringerin schlechter Nachrichten bezeichnet. Sei es ein Gewerbesteuer-Einbruch, fehlende Einnahmen oder zuletzt die Folgen der Finanzkrise, die Corona ausgelöst hat. Aber auch unverhoffte Geldsegen, etwa Schlüsselzuweisungen, durfte die Kämmerin verkünden. In etwas über neun Jahren ist einiges passiert im städtischen Etat. Mehr, als es alleine die nackten Zahlen belegen.

Ihr Vorgänger Johann Kronauer lotste Susanne Moroff gewissermaßen nach Fürstenfeldbruck. Damals arbeitete sie beim Kommunalen Prüfungsverband im Außendienst. Bei einem Beratungstermin im Rathaus lernte sie Kronauer kennen. Sie hörte schließlich, dass er geht, und er fragte, ob sie Interesse haben. Sie überlegte lange. „Die Arbeit im Außendienst ist totale Freiheit, aber ein Leben aus dem Koffer.“ Das tauschte sie gegen eine feste Wohnung ein – und gegen einen Urlaubsplan, der sich auch nach dem Sitzungskalender richten musste.

Als Moroff am 1. April 2012 im Rathaus anfing, hatte Fürstenfeldbruck einen extrem hohen Schuldenstand. In ihrer Amtszeit halbierte sie die Verbindlichkeiten – unter anderem durch die Rückzahlung von auslaufenden Krediten. Die Fälligkeiten organisierte sie so, dass jedes Jahr etwas abgestottert wurde. So sanken die Schulden immer weiter. Doch spätestens seit Corona ist es vorbei damit. „Die Prognose sieht so aus, dass es wieder eine hohe Verschuldung gibt“, sagt Moroff.

Die Umstellung auf die Doppik war die erste große Aufgabe der einzigen Sachgebietsleiterin in der Stadtverwaltung. Mit ihrem Team machte sie einen Projekt- und Zeitplan. „Ohne Team schafft man das nicht.“ Im Jahr 2015 verabschiedete der Stadtrat den ersten doppischen Haushalt – eine neue Ära.

Ausgebaut wurde auch das städtische Immobilienmanagement – einst das Sachgebiet Liegenschaften. „In den Immobilien steckt viel Geld, nicht nur die Zahlungsflüsse, sondern auch das unbewegte Kapital“, erklärt die 55-Jährige. Schulen, Kindergärten, Wohnungen – die Stadt hat viel gebaut. Und Moroff scheute keine Nachfragen. So habe sie in diesem Bereich unheimlich viel dazugelernt.

Fachwissen macht höchstens die Hälfte des Jobs eines Kämmerers aus, sagt die Diplom-Verwaltungswirtin mit Zusatzausbildung für öffentliche Betriebe. Vernetztes Denken und die Berücksichtigung von Themen außerhalb der Kernaufgaben seien mindestens genauso wichtig. „Ich habe mich immer als Berater des OB und des Stadtrats gesehen.“ Denn die Entscheidung liege bei den Politikern, nicht bei ihr. Die Kämmerei habe die Beschlüsse des Gremiums umgesetzt – auch wenn das nicht immer alle glauben wollen. Und wie überall war es auch in Bruck so, dass die Wünsche immer größer waren, als das vorhandene Geld. „Dann muss man Kompromisse schließen.“

Ohnehin braucht es vielleicht ein dickeres Fell als anderswo, sagt Moroff mit Blick auf den „sehr diskussionsfreudigen Stadtrat“. Doch das meint sie positiv. Mit dem OB, dem Finanzreferenten und den meisten Stadträten habe sie gut zusammen gearbeitet. Eines hat sie vermisst: „Ich sehe nicht, dass man die Stadt gemeinsam voranbringen will“, sagt Moroff. „Jeder kämpft um seine eigenen Ideale.“

Genauso hätte sie gerne mehr Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen erlebt. „Das vermisse ich hier, denn beim Fliegerhorst muss man sich auch zusammen raufen.“ Dass die Stadträte den schwierigen Corona-Haushalt einstimmig genehmigten – wie auch ihren ersten Etat – sieht die scheidende Kämmerin als Anerkennung. Als der frühere Finanzreferent Ludwig Lösch bei seinem Abschied den Hut vor ihr zog, habe sie Gänsehaut bekommen. „Mehr Wertschätzung geht nicht.“

Nun tauscht Moroff Fürstenfeldbruck ein gegen die mit 60 000 Einwohnern größte Große Kreisstadt Bayerns: Neu-Ulm, das liegt in ihrer schwäbischen Heimat. Daher hat sie nicht lange gezögert, sich auf die freie Stelle im Neu-Ulmer Rathaus zu bewerben. „Ich bringe den großen Werkzeugkasten mit“, hat sie der Oberbürgermeisterin angekündigt. Durchhaltevermögen, Kommunikation, mal andere Wege gehen, Dinge auszuprobieren und auch mal Nein zu sagen – „Ich bin dankbar für die Erfahrungen.“ Ihrem Nachfolger rät sie, sich nicht unterkriegen zu lassen und einfach seinen Job zu machen. „Mit dem Wissen, dass man es nicht allen recht machen kann.“

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