Beim Getreide gab es heute eine passable Ernte. Die Bauern hadern aber mit den oft schlechten Erlösen. Die Corona-Krise hat dieses Problem teilweise noch verschärft.
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Beim Getreide gab es heute eine passable Ernte. Die Bauern hadern aber mit den oft schlechten Erlösen. Die Corona-Krise hat dieses Problem teilweise noch verschärft.

Eine erste Bilanz

Die Situtation in der Landwirtschaft: Gute Ernte, schlechte Preise

  • Tobias Gehre
    vonTobias Gehre
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Genug Regen, keine große Hitze: Die Ernte auf den Feldern ist heuer im Großen und Ganzen recht gut ausgefallen. Grund zum Jubeln haben die Bauern dennoch nicht.

Landkreis – Am Anfang sieht es so aus, als stünde das nächste Dürrejahr ins Haus. Im April kommt kein Tropfen vom Himmel. Die Bulldogs auf den Äckern ziehen dicke Staubwolken hinter sich her. Das Gras auf den Wiesen will nicht wachsen. Die Wintergerste leidet – und mit ihr die Bauern.

Die Erlösung kommt dann im Mai. Was im April nicht herunterkam, regnet sich im Wonnemonat ab. „Der Mai hat viel ausgeglichen“, sagt Bauernobmann Georg Huber. Und auch der Sommer spielt den Landwirten wettertechnisch in die Karten. Immer wieder gibt es ausreichend Niederschlag, die Hitze tobt sich woanders aus.

Und so kann Huber von sehr guten Erträgen beim Weizen sprechen, von qualitativ hochwertigen Kartoffeln und einer guten Ernte bei der Gerste. Auch jene Früchte, die noch auf oder im Acker sind, sähen vielversprechend aus.

Die Qualität der Ernte hängt stark vom Boden ab

Wie viel und in welcher Qualität die Bauern ernten können, hängt aber auch stark vom Boden ab. Georg Huber weiß das aus eigener Erfahrung. Er bewirtschaftet sämtliche Untergründe, die der Landkreis zu bieten hat: sandige Lehmböden, tonige, anmoorige sowie kiesige Böden. Dabei seien die sandigen Lehmböden in der Regel die ertragreichsten.

Eines haben sie aber gemein: Viel Nässe bei der Ernte mögen sie nicht. Deshalb spielt das Wetter den Landwirten momentan erneut in die Karten. Durch die schon wieder länger andauernde Trockenheit sinken die schweren Maschinen nicht ein und verursachen keine größeren Schäden am Boden, erklärt Huber. Und die Autofahrer dürften sich freuen, dass die Erde statt auf der Straße zu landen auf den Feldern bleibt.

Es wird immer schwieriger, gute Preis zu erzielen

Insgesamt also ein gutes Jahr für die Landwirte – möchte man meinen. Georg Huber sieht das nicht so. Denn die Erträge seien nur die eine Seite der Medaille. Um Geld zu verdienen, müssen die Bauern die Früchte ihrer Arbeit nämlich zu einem vernünftigen Preis verkaufen. Doch das werde immer schwieriger.

„Mit den Schwankungen in der Natur können wir viel besser umgehen als mit jenen am Markt“, sagt Huber. Gegen einen Preisverfall für die Produkte sei man machtlos. Die Corona-Krise habe das teilweise noch verschärft. Huber schildert zwei Beispiele: Es gibt keine Volksfeste, wenig Feiern, und auch die Gastronomie läuft oft noch auf Sparflamme. Genau dort aber essen die Leute gerne Pommes-Frites. Die Folge: Es gibt keine Nachfrage nach den Kartoffel-Stangerln – und die Bauern bleiben auf ihren Knollen sitzen. Gleiches gilt für den Einbruch beim Bierabsatz – und den Verkauf der geernteten Braugerste.

Und es droht weiteres Ungemach. Die afrikanische Schweinepest hat Deutschland erreicht. Das hat gravierende ökonomische Folgen für die Schweinezüchter und -Mäster im Landkreis (großer Kasten).

Export-Stopp für Schweinefleisch bringt Bauern in die Verlustzone

Wie schnell es gehen kann, dass Landwirtschaft ein Minus-Geschäft wird, hat Willi Müller aus Obermalching vor wenigen Tage erfahren. Nachdem bei einem Wildschwein in Brandenburg die Afrikanische Schweinepest festgestellt worden war, haben viele asiatische Länder die Einfuhr von deutschem Schweinefleisch gestoppt. Seitdem macht Müller mit jedem Tier einen Verlust von rund zehn Euro.

Der Export ist eine wichtige Säule für den Landwirt. Nach China und in andere asiatische Länder gehen vor allem jene Teile des Schweins, die hierzulande unverkäuflich sind – etwa die Rüssel, die Ohren oder die Füße. Diese gelten in Fernost oft als Delikatesse und lassen sich laut Müller gut verkaufen. Und sie helfen dem Landwirt, in die Gewinnzone zu kommen. „Mit dem Export kann man noch Geld verdienen“, so Müller. Außerdem könne so vermieden werden, dass Teile der Tiere weggeworfen werden müssen.

Jetzt erhofft sich Willi Müller Unterstützung aus der Politik. Er fordert, die Handelshemmnisse abzubauen. Insgesamt bleibt der 64-Jährige aber positiv. „Es wird Lösungen geben“, sagt er.

Der Wald erholt sich

Für den Wald war es ein guter Sommer. Wenig Hitze und ausreichend Regen hätten dem Wald den Stress der vergangenen Jahre genommen, sagt Paul Högenauer von der Waldbesitzervereinigung Fürstenfeldbruck. Durch die Witterung sei auch dem Borkenkäfer ein Riegel vorgeschoben worden. Högenauer bezeichnet 2020 als „Trendwende“ für den Wald.

Viel Geld könne man mit den Stämmen aber noch nicht verdienen. Der Markt sei nach den vergangenen Sommern noch immer mit Holz geflutet. Weil der Borkenkäfer heuer aber nicht gewütet habe, gebe es keinen Zwang, das Holz zu verkaufen.

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