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Die Zwillinge in Uniform: Seit ihrem 18. Geburtstag dürfen sie die Einsatzkleidung der Erwachsenen tragen – und sie tun es mit Stolz. Früher haben den Brüdern die roten Autos imponiert, heute sind sie bei der Feuerwehr, um Menschen in Notlagen zu retten. Und dazu hatten die jungen Brucker schon öfter Gelegenheit.

Mutiges Brüderpaar

Diese Feuerwehr-Zwillinge wollen Leben retten

Wenn wir groß sind, werden wir Feuerwehrmänner – das wussten Christopher und Tobias Schuhbeck schon lange. Seit ihrem 18. Geburtstag dürfen sie gemeinsam zu richtigen Einsätzen.

Fürstenfeldbruck – Alles begann mit einem brennenden Dachstuhl in der Nachbarschaft. Fasziniert schauten Christopher und Tobias Schuhbeck beim Löschen zu. 13 Jahre alt waren die Zwillinge damals. Ein Feuerwehrmann sprach die beiden an und lud sie zum Treffen der Jugendfeuerwehr ein. Seitdem gehören die Brüder dazu – und seit ihrem 18. Geburtstag vor wenigen Wochen sind sie vollwertige Mitglieder der aktiven Mannschaft und haben sogar schon ihre ersten Einsätze hinter sich.

Der Feuerwehrmann muss den beiden damals an der Nasenspitze angesehen haben, dass sie als Nachwuchskräfte in Frage kamen. Sie haben sich schon immer für die Feuerwehr interessiert, erzählen die jungen Brucker. Und Tobias, zehn Minuten jünger als sein Zwillingsbruder, macht keinen Hehl daraus, worin zunächst die Faszination bestand: „In den großen roten Autos mitzufahren.“

Seit kurzem dürfen sie auch nachts mitfahren 

Gleich bei ihrem erster Besuch in der Jugendstunde wurden sie voll in die Übungen eingebunden, erzählen die Zwillinge. Inzwischen ist für beide die Motivation zum Mitmachen eine andere als mit 13 Jahren. Sie wollen Menschen in Notlagen helfen, Leben retten. Mit den Aktiven ausrücken durften die Schuhbecks, wie alle Mitglieder der Jugendfeuerwehr, nach dem Absolvieren der Grundausbildung mit 16 Jahren. Aber in dem Alter gelten noch Einschränkungen. „Man darf nicht nachts mitfahren, nicht zu Einsätzen auf Verkehrsflächen und nicht zu Großschadenslagen“, zählt Christopher auf.

Seit die Brüder volljährig sind, gehört das alles der Vergangenheit an. Pünktlich an ihrem 18. Geburtstag konnten die beiden die orange-blauen Anzüge der Jugend gegen die schwarz-gelbe Einsatzkleidung der Erwachsenen eintauschen. „Das war ein gutes Gefühl“, sind sich die Zwillinge einig. Die ersten Einsätze ließen nicht lange auf sich warten. Bei zwei Wohnungsbränden kümmerten sich die Brüder um den Aufbau der Schlauchleitung und die Verkehrsabsicherung. Ein anderes Mal half Christopher, einen Kranken per Drehleiter aus dem dritten Stock eines Hauses zu retten. Alarmiert werden sie per Piepser. Dass ein Alarm jederzeit in die Freizeit platzen kann, akzeptieren auch ihre Freundinnen und die Kumpels.

Die Zwillinge machen bislang alles zusammen 

Tagsüber ist es schwieriger, alles stehen und liegen zu lassen. Christopher schließt gerade in Starnberg seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner ab, Tobias arbeitet in Olching als Kfz-Mechatroniker. „Da brauche ich lange, bis ich in Bruck bin.“ Sein Chef sei jedoch kulant und würde ihn gehen lassen, wenn während der Arbeitszeit ein Großeinsatz anstünde. Bisher haben die Zwillinge alles gemeinsam gemacht – die ersten Knoten und Löschaufbauten in den Jugendstunden, die Arbeitsdienste im Feuerwehrhaus, bei denen etwa die Fahrzeuge gepflegt werden, aber auch die Darts- und Kickerspiele, mit denen man sich zwischendurch die Zeit vertreiben darf. Dass sie im Oktober zusammen die Atemschutzausbildung machen wollen, steht jetzt schon fest.

Nachgefragt: Wie sieht es im Landkreis mit dem Nachwuchs aus?

Wie viele Jugendliche gibt es bei den Feuerwehren im Landkreis?

Kreisbrandrat Hubert Stefan: Zum 1. Januar waren es 287, davon 71 Mädchen. Die Anzahl der Jugendlichen ist seit 15 Jahren sehr stabil.

Wie groß ist der Anteil derer, die bleiben und mit 18 in die aktive Mannschaft gehen?

Der Anteil derer, die mit 18 Jahren zur aktiven Mannschaft gehen, liegt bei etwa 50 Prozent. Zehn Jahre nach Eintritt beträgt er allerdings nur noch zehn Prozent der ursprünglichen Neuzugänge.

Heißt das, die Nachwuchssituation ist trotz der vielen Jugendlichen schwierig?

Nein, die Zahlen beim Einsatzpersonal liegen seit Jahren konstant zwischen 2200 und 2300. Mit der hohen Fluktuation der Jugendlichen leben wir schon immer. Sie sind anfangs Feuer und Flamme, irgendwann lässt die Begeisterung halt nach.

Ab welchem Alter darf man zur Feuerwehr?

Ab zwölf darf man zur Jugendfeuerwehr. Derzeit arbeitet der Landtag aber an einer Novellierung des Feuerwehrgesetzes, das dann auch Kinderfeuerwehren ab sechs Jahren ermöglichen wird. Ob das sinnvoll ist, muss jede Feuerwehr für sich entscheiden. Es kommt auf die Strukturen an. Ist die Nachwuchssituation sehr schwierig, ist es sicher sinnvoll, Kinder möglichst früh zu begeistern. Im Landkreis ist mir noch von keiner Feuerwehr bekannt, dass sie sich ernsthaft mit der Gründung einer Kinderfeuerwehr befasst.

von Ulrike Osman

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