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Alarm wegen Ambrosie: Ein Mitarbeiter des Landratsamtes entfernt den Bestand an der Amper, der von einem Bürger gemeldet wurde. 

Ambrosie

Diese Pflanze ist die schlimmste Pollen-Schleuder

Wer Neophyten hört, denkt vor allem an wuchernde Gewächse, die der einheimischen Flora und Fauna zusetzen.

Fürstenfeldbruck –  Doch es gibt noch einiges mehr über sie zu berichten. Als Neophyten bezeichnet man pflanzliche Einwanderer, die sich nach der Entdeckung Amerikas bei uns niedergelassen haben. Um einige von ihnen soll es hier gehen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Pflanzen in heimische Gefilde gelangen: Manche haben die Menschen selbst wegen ihrer Nutz- oder Zierwirkung in ihre Gärten geholt, andere reisten als blinde Passagiere mit dem weltweiten Warenverkehr ein. Viele Neuankömmlinge sind gegenüber unserer heimischen Vegetation nicht konkurrenzstark genug und fristen ein Schattendasein. Andere hingegen sind so konkurrenzkräftig, dass sie die heimische Vegetation in bestimmten Lebensräumen sogar verdrängen.

Allerdings sind viele inzwischen vertraute und geschätzte Pflanzen Einwanderer. Wer möchte beispielsweise den beliebten Schattenbaum in den Biergärten – die Roßkastanie – missen? Der französische Arzt und Botaniker Carolus Clusius organisierte sich im Jahr 1576 die ersten Samen aus Konstantinopel. Er war es auch, der 1589 die erste Kartoffel in Deutschland pflanzte.

Gut oder böse?

Neophyten haben allerdings eher ein negatives Image, dafür haben vor allem die Herkulesstaude und das Indische Springkraut gesorgt. Dabei werden insgesamt nur etwa 30 Neueinwanderer als problematisch eingestuft. Als Faustregel kann die so genannte Zehner-Regel angewendet werden: Zehn Prozent der eingeführten oder eingeschleppten Arten halten sich hier unbeständig, 90 Prozent verschwinden also nach kurzer Zeit wieder. Zehn Prozent davon können sich dauerhaft in naturnahen Lebensräumen etablieren und von diesen eingebürgerten Arten führen wiederum etwa zehn Prozent zu unerwünschten Auswirkungen.

Zwei alte Bekannte

Herkulesstaude und Indisches Springkraut sind zwei Beispiele für Gartenausreißer, die ursprünglich als Zierpflanze eingeführt wurden. Die im Kaukasus heimische Herkulesstaude (auch Riesen-Bärenklau genannt) wächst seit dem 19. Jahrhundert als Zierpflanze in unseren Gärten und begegnet uns inzwischen häufig verwildert in der freien Landschaft. Der Pflanzensaft kann in Verbindung mit Sonnenlicht Hautschäden verursachen, die bis zu Verbrennungen dritten Grades führen können. Die Pflanze wird deswegen in sensiblen Bereichen bekämpft. Auch aus Naturschutzflächen ist sie fern zu halten, da sie die geschützte Vegetation verdrängt.

Das Indische Springkraut wurde 1839 als Zierpflanze aus dem westlichen Himalaya nach England und von dort in andere europäische Gärten eingeführt. Im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau stellt diese sehr ausbreitungsfreudige Pflanze keine gesundheitliche Gefährdung dar. Allerdings kann sie die heimische Vegetation unterdrücken.

Die Ambrosie

Im Landkreis steht die Ambrosie (Amerikanisches Traubenkraut) im Fokus. Sie stammt aus den östlichen USA und wurde vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts per Flugzeug in Europa eingeschleppt. Sie ist eigentlich wärmeliebend und nutzt jetzt die Klimaerwärmung für eine rasante Ausbreitung auch in unsere Region. 2007 konnte sie im Landkreis zum ersten Mal nachgewiesen werden. Rasch haben sich bereits größere Bestände mit weit über 100 Pflanzen entwickelt. Durch die konsequente Bekämpfung und Öffentlichkeitsarbeit unter Federführung der Kreisfachberatung im Landratsamt ist der Bestand im Landkreis weitgehend unter Kontrolle.

Die Problematik der Ambrosie besteht in der sehr starken allergenen Wirkung. Die Pflanze zählt zu den stärksten Allergieauslösern. Die Pollen können zu schweren heuschnupfenartigen Symptomen und Asthma führen. Schon kleinste Pollenmengen reichen für eine Reaktion aus. Nicht umsonst wird diese Pflanze in Australien auch „asthmaplant“ genannt.

Das Fatale an der Ambrosie ist ihre späte Blütezeit von Ende Juli bis Oktober, einer Zeit, in der viele Pollenallergiker sonst bereits wieder aufatmen konnten. Auch für unser Gesundheitssystem könnte diese Pflanze durch ihr extremes allergenes Potenzial zu einer Belastung werden. Deswegen gibt es in Bayern ein „Ambrosia-Bekämpfungsprogramm“. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, ist die Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landschaftspflege auf die Hilfe der Bürger angewiesen.

Standorte der Ambrosie in der Landschaft oder im Garten (Vogelfutterstellen!) sollten gemeldet werden (siehe unten). Die Pflanzen können leicht mit ihrer Wurzel aus dem Boden gezogen und über die Mülltonne entsorgt werden. Personen, die zu Allergien neigen, sollten dabei eine Maske (in der Blühphase) und Schutzhandschuhe tragen. Weitere Informationen sind auf der Internetseite des Landratsamtes nachzulesen.

Kontakt

Die Kreisfachberatungen für Garten und Landschaftspflege wurden in Bayern vor 100 Jahren eingerichtet. Die zuständige Stelle im Landratsamt ist zu erreichen unter Telefon (0 81 41) 51 93 63 und 51 99 23. Das Büro in der Kreisbehörde, Münchner Straße 32, ist geöffnet von Montag bis Donnerstag, jeweils 8 bis 16 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr. Um telefonische Voranmeldung wird gebeten. Informationen im Internet auf www.lraffb.de/bauumwelt/umweltschutz.

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