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Setzt sich mit dem Thema Tod auseinander: Bestseller-Autor Bernhard Aichner liest am morgigen Freitag in der Aumühle. Der dritte Teil seiner Krimi-Trilogie um Bestatterin Brünhilde Blum heißt „Totenrausch“. tb-

Lesung in der Aumühle

Dieser Krimi-Autor liebt eine Mörderin

Er hat als Recherche für seine Krimis selbst Leichen für deren Beerdigungen vorbereitet. Denn der Tod ist das Thema des Autors Bernhard Aichner (45) aus Innsbruck. 

Fürstenfeldbruck Am Freitag, 7. April, liest der Bestseller-Schreiber im Rahmen des Münchner Krimifestivals ab 20 Uhr in der Stadtbibliothek aus seinem neuen Buch „Totenrausch“. Dabei handelt es sich um das Final-Werk einer Trilogie rund um die gesuchte Mörderin und Bestatterin Brünhilde Blum, in welchem die Mutter zweier Kinder eine geliebte Person töten soll. Für die Vorgänger-Werke wurde Aichner bereits ausgezeichnet. Nicht nur deshalb sagt er, er habe sich in seine Romanfigur verliebt.

-Herr Aichner, sicher warteten die Fans von „Totenfrau“ und „Totenhaus“ schon gespannt auf den dritten Teil der Trilogie – „Totenrausch“. Wie lange haben Sie an dem Werk gearbeitet?

Im Sommer 2012 habe ich begonnen, an dem Konzept zu arbeiten. Ich plane gerne im Voraus, zimmere meine Geschichten sehr ausführlich im Kopf zusammen, bevor ich zu schreiben beginne. Speziell im Fall von Blum war mir das wichtig, da es ja drei Bücher waren, die ich im Vorfeld mit Leben füllen musste.

-Hätten Sie gedacht, dass diese Geschichte, die Sie um Bestatterin Blum gesponnen haben, derart erfolgreich wird?

Ich habe vom großen Erfolg geträumt – dass die Post aber so phänomenal abgehen wird, damit habe ich nicht gerechnet. Es ist ein großes Glück, dass es mir meine Romanheldin quasi ermöglicht hat, endlich vom Schreiben leben zu können. Meine Träume sind wahr geworden.

-Die Hauptfigur Ihrer Roman-Trilogie heißt Brünhilde Blum und ist Bestatterin. Sie selbst haben zu Recherchezwecken Leichen präpariert, sind auf Tuchfühlung mit dem Tod gegangen. Sind Ihre Romane denn auch ein Plädoyer für einen natürlichen Umgang mit der letzten Konsequenz?

Es ist schön, zu sehen, dass die Aufbahrung am offenen Sarg wieder modern wird, dass viele Menschen diesem Thema wieder offener begegnen. Dieses Tabu ist sehr fest verankert in der Gesellschaft. Der Tod macht Angst, über den Tod spricht man nicht. Wenn ich ein wenig dazu beitragen kann, den Tod als Teil des Lebens zu sehen, dann freut mich das.

-Sie gehen in der Trilogie sehr natürlich mit dem Thema Tod um. Haben Sie seit dem Schreiben an diesen Krimis weniger Angst vor dem Tod?

Wesentlich weniger, ja. Ich war früher immer sehr abergläubisch, dachte, dass mich ein herunterfallender Dachziegel erschlägt, wenn ich respektlos oder flapsig mit dem Thema Tod umgehe. Es hat sich nun aber herausgestellt, dass das Unsinn war. Es ist schön zu sehen, dass ich eine Akzeptanz erfahren durfte, die sehr befreiend ist.

-Dass man mit einer Mörderin mitleidet und ihr für die tödlichen Pläne die Daumen drückt, klingt zunächst verwerflich. Doch der Leser fühlt schließlich mit Blum, der kaltblütig agierenden Mörderin. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Das ist der Blum-Effekt. Man drückt der Mörderin die Daumen, begegnet dem Bösen in sich und stellt fest, dass man, ohne es zu merken, die Seite gewechselt hat. Als Autor ermögliche ich meinen Lesern, sich diesem Gefühl hemmungslos hinzugeben. Die Fiktion schützt sie – denn alles ist nur erfunden und jedes Gefühl ist erlaubt. Das ist das Schöne an Literatur: Man lernt immer wieder neue Seiten an sich selbst kennen, wenn man liest und die eine oder andere Seite umblättert.

-Angeblich soll „Totenrausch“ der letzte Teil der Blum-Trilogie sein. Weil der US-Sender „Lifetime“ in Anlehnung an die Roman-Trilogie schon die Serie „Woman of the Dead“ (Todesfrau) produziert, wird Blum aber zumindest auf dem Bildschirm weiterleben. Haben Sie als Autor schon Abschied von der Protagonistin genommen oder brauchen Sie bloß eine kreative Verschnaufpause und widmen sich derweil anderen Storys?

Die Reihe war als Trilogie angelegt – ein wunderbares Happy End rundet die Sache ab. Blum kommt davon und alles ist gut. Aber man soll ja niemals nie sagen. Ich habe mich nämlich in meine Heldin verliebt, gebe also keine Garantie ab, dass sie nicht irgendwann doch wieder irgendwo auftaucht. In der Zwischenzeit wird die Serie produziert und, was mich außerordentlich freut, im Juni 2018 wird der erste Teil „Totenfrau“ am Tiroler Landestheater uraufgeführt. Susanne Felicitas Wolf und ich haben die Bühnenfassung dazu geschrieben. Ich verspreche eines: Das wird spannend! Was meine Romane betrifft: Der nächste ist bereits im Entstehen. Es wird wieder ein Thriller, aber keine Serie, sondern eine abgeschlossene Geschichte. Aber auch die wird es in sich haben. Ich sage heute nur so viel: Es wird wild!

Das Gespräch führte: Angi Kiener

Der Eintritt

zur Lesung, die am morgigen Freitag um 20 Uhr in der Aumühle beginnt, kostet neun Euro. Karten gibt es unter Telefon (0 81 41) 3 63 09 10 oder unter stadtbibliothek@fuerstenfeldbruck.de.

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